• Rundfahrt durch die Ostkarpaten

    21 июля, Румыния ⋅ ☀️ 21 °C

    Pässe, Schluchten und der Rote See

    Der zweite Tag meines Aufenthalts in Gheorgheni steht ganz im Zeichen einer ausgedehnten Rundfahrt durch die Ostkarpaten. Mit leichtem Gepäck starte ich am Morgen und fahre zunächst nach Topliţa. Dort biege ich nach Osten ab und lasse schon bald den Durchgangsverkehr hinter mir.

    Die Strasse steigt gleichmässig zum Creanga-Pass an und führt durch dichte Wälder und eine stille Berglandschaft. Der Verkehr ist gering, und das Fahren macht von den ersten Kilometern an richtig Freude. Immer wieder öffnen sich schöne Ausblicke über die bewaldeten Höhenzüge der Karpaten.

    Ein kurzer Abstecher bringt mich nach Borsec, einem der traditionsreichsten Bade- und Kurorte Rumäniens. Der Ort überrascht mit einer grosszügigen Parkanlage, zahlreichen Hotels und einem beeindruckenden neuen Spa-Komplex. Moderne Architektur trifft hier auf die lange Geschichte des Kurbetriebs. Es wirkt, als wolle sich Borsec wieder zu einem bedeutenden Erholungsort entwickeln.

    Anschliessend führt die Route weiter nach Tulgheş, wo ich mir bei einer gemütlichen Kaffeepause etwas Zeit nehme, bevor die Fahrt durch die Berge weitergeht.

    Vor Poiana überquere ich ein langes Viadukt und erreiche schliesslich den Ort. Von hier steigt die Strasse über den Petru-Vodă-Pass an. Ich fahre noch bis nach Pipirig hinunter und wende. Auf derselben Strecke fahre ich wieder zurück bis nach Poiana Largului.

    Nun begleitet mich während rund 37 Kilometern der langgestreckte Bicaz-Stausee. Die Strasse folgt seinem Ufer in zahlreichen Kurven. Immer wieder bieten sich schöne Ausblicke auf das ruhige Wasser, die bewaldeten Hänge und die kleinen Buchten entlang des Sees. Kilometer für Kilometer nähere ich mich der mächtigen Staumauer bei Bicaz.

    In Bicaz wartet ein kulinarischer Höhepunkt des Tages. Im beliebten Restaurant Păstrăvăria „La Izvor“ gönne ich mir eine frisch zubereitete Forelle – die Spezialität des Hauses. Nach den vielen Kurven und den abwechslungsreichen Landschaften ist dieses frühe Nachtessen genau die richtige Stärkung für den letzten Teil der Tour.

    Frisch gestärkt folgt nun einer der landschaftlichen Höhepunkte des Tages: die berühmte Bicaz-Schlucht. Die Strasse zwängt sich zwischen steilen, teilweise senkrechten Kalkfelsen hindurch. An manchen Stellen bleibt kaum Platz für die Fahrbahn, während sich die Felswände hoch über mir auftürmen. Zahlreiche Serpentinen führen stetig bergauf und machen die Schlucht zu einem eindrucksvollen Fahrerlebnis.

    Am oberen Ende der Schlucht erreiche ich den Roten See. Heute präsentiert er sich allerdings weniger malerisch als erwartet. Nach den Regenfällen der vergangenen Tage in den Bergen ist das Wasser stark eingetrübt und braun gefärbt. Dennoch bleibt der See mit seiner besonderen Lage zwischen den Bergen ein lohnender Zwischenhalt.

    Von dort führt die Strasse weiter hinauf über den Pângăraţi-Pass. Noch einmal geniesse ich die ruhigen Wälder und die angenehm geschwungenen Kurven, bevor sich der Kreis schliesst und ich am Abend wieder in Gheorgheni eintreffe.

    Mit 257 Kilometern war die heutige Etappe zwar nicht aussergewöhnlich lang, fahrerisch jedoch ausgesprochen intensiv. Mehrere Pässe, die eindrucksvolle Bicaz-Schlucht, der langgezogene Stausee und die abwechslungsreichen Landschaften sorgten für einen Tag voller neuer Eindrücke. Wieder einmal zeigte sich, wie vielfältig und überraschend die rumänischen Karpaten sind.
    Читать далее