• Durch das Szeklerland

    July 22 in Romania ⋅ 🌧 15 °C

    Eine Rundfahrt zwischen Regenwolken und Hoffnung auf Sonne

    Nach den intensiven Touren der vergangenen Tage zeigt sich das Wetter heute von einer ganz anderen Seite. Während der Nacht hat es ausgiebig geregnet, und auch am Morgen hängen dichte Wolken über den Bergen. Das Thermometer zeigt gerade einmal 15 Grad – ein markanter Unterschied zu den warmen Sommertagen zuvor. Ich lasse mir deshalb Zeit und starte erst um 11:30 Uhr in Gheorgheni.

    Noch fällt leichter Nieselregen, doch die Nebelschwaden beginnen sich langsam aus den Tälern und von den Berghängen zurückzuziehen. Die Landschaft wirkt geheimnisvoll und beinahe mystisch. Je höher die Strasse ansteigt, desto trockener wird sie.

    Auf dem Bucin-Pass hat der Regen bereits aufgehört. Entlang der Passhöhe warten zahlreiche Händler an ihren Marktständen auf Kundschaft. Trotz der kühlen Temperaturen und des wenig einladenden Wetters trotzen sie tapfer den Bedingungen und hoffen auf vorbeikommende Reisende.

    In Praid biege ich nach Süden in Richtung Odorheiu Secuiesc – dem früheren Odorhellen – ab. Tatsächlich scheint der Himmel langsam heller zu werden. Für einen Moment keimt die Hoffnung auf, dass sich das Wetter doch noch zum Guten wenden könnte.

    Kurz darauf erreiche ich Corund, ein Dorf, das weit über die Region hinaus für seine Töpferkunst bekannt ist. Besonders beeindruckend ist der schier endlose Strassenmarkt. Über nahezu einen Kilometer reihen sich auf beiden Seiten der Hauptstrasse Verkaufsstände aneinander. Keramik, Holzschnitzereien, Textilien und zahlreiche regionale Produkte werden angeboten – ein farbenfroher Kontrast zum grauen Himmel.

    In Odorheiu Secuiesc biege ich ostwärts ab. Wenige Kilometer später entdecke ich auf einem Parkplatz einen auffälligen roten Doppeldeckerbus. Neugierig halte ich an – eine Entscheidung, die sich sofort lohnt. Im Inneren erwartet mich ein kleines Café mit besonderem Charme. Schon bald wird mir ein hervorragendes Mittagessen serviert, gefolgt von einem ausgezeichneten Kaffee. Manchmal sind es gerade solche unerwarteten Entdeckungen, die einen Reisetag bereichern.

    Kaum bin ich wieder unterwegs, setzt jedoch erneut Regen ein. Also heisst es nochmals anhalten, den Regenanzug anziehen und weiterfahren.

    Die Strasse führt hinauf auf die weiten Hochflächen eines Hochebenengebiets. Trotz der tief hängenden Wolken lässt sich erahnen, wie schön diese Landschaft bei Sonnenschein wirken muss. Über den Tolvajos-Pass gelange ich schliesslich nach Miercurea Ciuc, dem früheren Szeklerburg.

    Hier werfe ich einen Blick auf die eindrucksvolle ungarisch-katholische Millenniumskirche. Aufgrund der vielen Besucher beschränke ich mich jedoch auf eine Besichtigung von aussen und setze meine Fahrt bald wieder fort.

    Noch einmal steigt die Strasse leicht an, bis ich Izvoru Mureşului erreiche. Hier befindet sich ein nationaler Sportkomplex, der vor allem für Trainingslager und sportliche Veranstaltungen genutzt wird. Von dort ist es nur noch ein kurzes Stück zurück nach Gheorgheni.

    Nach rund 200 Kilometern endet die heutige Rundfahrt wieder am Hotel. Schade, dass sich das Wetter deutlich hartnäckiger zeigte als von der Prognose angekündigt. Die Strecke führte durch eine landschaftlich reizvolle Region mit sanften Hügeln, Pässen und den weiten Landschaften des Szeklerlandes. Bei Sonnenschein wären die Ausblicke zweifellos noch eindrucksvoller gewesen. Doch auch solche Tage gehören zu einer langen Motorradreise dazu – und gerade sie machen die sonnigen Etappen im Nachhinein umso wertvoller.
    Read more