• Durch die wilden Berge der Mittelslowakei

    July 30 in Slovakia ⋅ ☀️ 30 °C

    Pässe, Eisenbahnkunst und unerwartete Begegnungen

    Bereits um 08:00 Uhr starte ich in Liptovský Mikuláš. Der Wetterbericht kündigt für den Nachmittag Temperaturen von bis zu 40 Grad an. Ein früher Aufbruch ist deshalb die beste Entscheidung. Vor mir liegt ein Tag mit zahlreichen Pässen, eindrucksvollen Landschaften und einigen der bekanntesten technischen Sehenswürdigkeiten der Slowakei.

    Schon bald erreiche ich den Čertovica-Pass, einen der klassischen Übergänge zwischen der Liptau und der Südslowakei. Die kurvenreiche Strasse führt durch dichte Wälder hinunter nach Mýto pod Ďumbierom und weiter nach Brezno. Der Verkehr hält sich in Grenzen, sodass das Motorradfahren heute besonders viel Freude bereitet.

    Von Brezno geht es weiter über den landschaftlich reizvollen Zbojská-Pass nach Tisovec. Die Strasse schlängelt sich durch eine ruhige Berglandschaft mit weiten Wiesen, dunklen Wäldern und immer wieder schönen Ausblicken. Anschliessend führt die Route über den Predná-Hora-Pass und den Javorinka-Pass bis nach Telgárt, einem kleinen Ort am Rand des Slowakischen Erzgebirges.

    Hier wartet eines der eindrucksvollsten Bauwerke des Landes auf mich. Der berühmte Kehrtunnel der historischen Eisenbahnlinie von Telgárt ermöglicht den Höhengewinn der Strecke durch eine 360-Grad-Schleife im Berg. Zusammen mit den beiden markanten Steinviadukten gilt diese Ingenieurleistung bis heute als eines der bedeutendsten Eisenbahnbauwerke der Slowakei und als berechtigter Stolz des Landes. Die Kombination aus Natur, Brücken und Eisenbahn macht diesen Ort zu einem echten Höhepunkt der Reise.

    Anschliessend führt mich die Strasse über den Besník-Pass. Wenige Kilometer später mache ich noch einen kleinen Abstecher zum abgelegenen Kopanec-Pass. Viel Verkehr gibt es hier nicht – dafür umso mehr Ruhe und eine herrliche Landschaft. Danach fahre ich wieder zurück zur Hauptstrasse.

    Mein nächstes Ziel ist Dedinky. Der idyllisch gelegene Stausee strahlt eine angenehme Ruhe aus, obwohl an diesem warmen Sommertag zahlreiche Ausflügler unterwegs sind. Das klare Wasser und die umliegenden Berge machen den Ort zu einem beliebten Naherholungsgebiet.

    Am frühen Nachmittag erreiche ich Rožňava, wo ich mir eine verspätete Mittagspause gönne. Bei den mittlerweile hochsommerlichen Temperaturen tut jede Minute im Schatten gut.

    Frisch gestärkt geht es weiter über Nižná Slaná zu einem Aussichtspunkt hoch über Dobšiná. Von hier reicht der Blick weit über die umliegenden Berge und Täler – ein perfekter Ort für eine kurze Pause und einige Fotos.

    Einige Kilometer fahre ich nun auf meiner morgendlichen Route zurück. In Telgárt lege ich im originellen Depo Café noch einen letzten Halt ein. Bereits auf dem Parkplatz fällt mir eine Gruppe von fünf historischen Jawa-Motorrädern auf. Drei davon tragen sogar Zürcher Kontrollschilder.

    In der gemütlichen Lounge komme ich mit den Besitzern ins Gespräch. Alle stammen ursprünglich aus der Slowakei und sind gemeinsam auf dem Weg zu einem grossen Jawa-Treffen. Die Fahrer der Motorräder mit den Zürcher Kennzeichen leben bereits seit über zwanzig Jahren in der Schweiz. Sofort entwickelt sich eine herzliche Unterhaltung über Motorräder, Reisen und das Leben zwischen zwei Heimatländern. Nach einem gemütlichen Schwatz und einem gemeinsamen Gruppenfoto verabschieden wir uns. Jeder steigt wieder auf seine Maschine und setzt seine Reise fort – genau solche ungeplanten Begegnungen bleiben oft besonders lange in Erinnerung.

    Für mich sind es nun nur noch wenige Kilometer bis zu meinem heutigen Tagesziel in Brezno. Hinter mir liegt ein abwechslungsreicher Tag mit traumhaften Passstrassen, beeindruckender Eisenbahngeschichte und einer Begegnung, die den Reiz des Reisens einmal mehr unterstreicht.
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