• Tag 97: Eine Nacht in der Mescit

    September 7, 2024 in Turkey ⋅ ☁️ 14 °C

    Heute gefahren: 61km
    Bisher gefahren gesamt: 5.570km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 1.065hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 56.054hm
    Platte Reifen: 4
    Pausentage gesamt: 23
    Fahrtage gesamt: 74

    Ich hatte eine gute Nacht, bei Vincent war es sehr unruhig. Der Morgen ist schön, die Sonne geht auf und leuchtet die Berge an.
    Wir frühstücken in unserem kleinen Verschlag. Sehr praktisch. Da es etwas dauert bis die Sonne bei uns ankommt, dauert auch das Zusammenräumen und Trocknen länger.
    Der Besitzer des Grundstücks, Mahrid, kommt vorbei und macht Selfies mit uns. Wieder ein Mensch mit einer extrem freundlichen, glücklichen Ausstrahlung. Er hat seine Kuh auf die Weide gebracht, auf der wir schlafen. Wir und die Kuh. Sehr friedlich.
    Das Wetter ist gut, wir starten in den Fahrtag mit Steigung. Vincent geht es nicht besonders, er legt sich auf seine Isomatte, ruht etwas und nimmt eine Ibuprofen und das erste Espresso-Gel (was wir noch als Notration dabei hatten). Keine Übelkeit, eher Müdigkeit, Erschöpfung und ein dicker Hals. plagen ihn. 40mg Koffein und 20mg Sodium im Gel in Verbindung mit einer 400er Ibu bauen auf.
    Wir fahren langsam weiter, wir sind mittlerweile auf über 2000m. Die Landschaft ist viel grüner als die Tage zuvor, Kühe, Schafe und Ziegen weiden auf den Wiesen. Meist sind Hirten dabei und wirken zufrieden und glücklich. Die Einfachheit - auch die des Radfahrens - trotz aller äußeren Umstände und manchmal Schwierigkeiten, scheint mir ein guter Schlüssel zu sein für Zufriedenheit und Glück. Es braucht so wenig und die Wertschätzung, was über das Einfache hinaus geht steigt.

    Wir machen kurz Pause am Weg und sehen, wie eine Kuh einem Hirten ausbüxt und davon galoppiert. Er holt sie die 500m weiter ab und sie trottet hinter ihm zurück zur Herde.
    Dann fängt es das Regnen an, also ab auf die Räder, damit es nicht zu kalt wird. Gut, dass es bergauf geht.
    Bei der Abfahrt hab ich nochmal kurz Pech: Eine Wespe verfängt sich unter meiner Brille und Brillenbügel - ich will sie noch loswerden aber muss ja auch bremsen bzw. anhalten, also sticht sie mich direkt neben das Auge. Naja immerhin noch knapp daneben. Es tut höllisch weh, das Wespenhinterteil inkl. Stachel steckt noch in meinem Gesicht. Vincent holt es mit der Pinzette raus, ich hole währenddessen eine Zwiebel aus der Essenstasche und halte sie auf den Stich und nehme gleich eine Allergietablette.
    Naja wird schon wieder, weiter gehts.

    Langsam ziehen die angekündigten Gewitter auf. Immer rechts und links von uns mit Blitzen und Donner wie aus dem Bilderbuch.
    Irgendwann fängt es stark an zu regnen und die Gewitter sind direkt über uns. Wir wollten noch einen Pass fahren, aber ich möchte nicht weiter und halte bei einer kleinen Mescit.
    Mescit sind kleine Moscheen am Wegesrand, in denen es kein Freitagsgebet gibt. Sie begegnen uns immer wieder am Straßenrand und können zum Beten von Menschen auf der Straße genutzt werden - oder eben als Schutzraum für uns.

    Wir setzen uns erstmal auf die überdachte Bank und entscheiden die kleine Mescit als Unterschlupf für die Nacht zu nutzen. Es kommt noch ein Mann, der sein Gebet verrichtet, ansonsten sind wir allein.
    Wir richten uns häuslich mit unseren Matten und Schlafsäcken ein, kochen Tee und Essen, futtern Kekse und es geht uns etwas besser. Körperlich und moralisch. Den Mäusekot ignorieren wir.
    Wir hatten noch nie solches Wetter auf der Reise und sind froh um Regen- und Daunenjacke und den warmen Raum. Draußen regnet es sich ein, es blitzt und donnert.

    Im Gebäude hinter uns liegt ein kleiner Markt. Dankenswerterweise laden sie unsere beiden Powerbanks und Handys auf. Ausgerechnet seit einem Tag geht nur noch eine unserer Powerbanks. Obwohl sie neu waren, scheint eine kaputt zu sein.
    Hinzu kommt, dass das Solarpanel spinnt und Fehler anzeigt, bei Bewölkung ist es aber sowieso nicht zu gebrauchen und lädt nichts auf.
    Gerade kommt alles zusammen - achja und ein Teil meines Fahrradständers ist abgebrochen, sodass es nur noch rudimentär hält.
    Wir haben das Gefühl eine Pause zu benötigen. Aber vor uns liegen noch 4 Pässe bis wir an das Schwarze Meer kommen.
    Wir sind so kaputt, dass wir uns um 20 Uhr schlafen legen und 10 Stunden durchschlafen.
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