• Tag 101: Entspannung & Erdogan

    September 11, 2024 in Turkey ⋅ 🌙 25 °C

    Heute gefahren: 0km
    Bisher gefahren gesamt: 5.716km
    Heute Höhenmeter im Anstieg: 0hm
    Höhenmeter im Anstieg bisher: 59.759hm
    Platte Reifen: 4
    Pausentage gesamt: 24
    Fahrtage gesamt: 76

    Wir machen nichts.
    Rize ist unspektakulär, was gar nicht schlecht ist, denn so haben wir keinen Entdeckungsdrang und liegen auch einfach mal im Bett oder gehen spazieren.
    Und komisch: trotz Schwarzmeerküste gibt es keine Promenade, anscheinend wird aber gerade eine gebaut. Macht die Stadt dann vielleicht etwas attraktiver.
    An Besuchern mangelt es anscheinend nicht, denn unser Hotel ist voll mit türkischen, iranischen und arabischen Gästen. Unklar, warum die kommen? Einkaufen? Teeproben?

    Achja und überall Erdogan-überlebensgroß. Er kommt aus Rize und scheint trotz allem hier verehrt zu werden. Unverständlich. Gute Doku zu dem Thema: https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL3dkc…

    Und wenn wir über die Türkei und Erdogan reden, müssen wir auch über die Kurden sprechen. In Kurdistan - im Osten und Südosten der Türkei - haben wir ca 2 Wochen verbracht.

    Kurdistan erstreckt sich über Syrien, Iran, Irak und die Türkei. Im Irak ist Kurdistan als autonome Provinz anerkannt, in der Türkei gibt es das Gebiet offiziell nicht. Und das obwohl es ca. 13 Mio. Kurden in der Türkei gibt - bei einer Bevölkerung von ca. 85 Mio. Also ganz schön viele und keine so kleine Minderheit.
    Viele Menschen haben uns in diesem Gebiet auch mit „Willkommen in Kurdistan“ begrüßt und nicht mit „Willkommen in der Türkei oder Anatolien“. Die kurdische Identität mit Sprache und Traditionen ist stark ausgeprägt und wir erleben diese in der Gastfreundschaft, die definitiv nochmal ein anderes Level in diesen Gebieten erreicht - im Vergleich zum Rest der Türkei.
    Ich würde die Menschen schon fast als selbstlos bezeichnen, wie sie sich kümmern, bemühen und wie offen sie sind.

    Und dass obwohl sie in der Türkei strukturell benachteiligt bzw. unterdrückt werden. Es soll nur die türkische Identität geben, keine Kurdische. Wir haben sehr kritische Stimmen von Kurden gehört, die von Erdogan als „Hitler“ sprechen und sich selbst wie in einer „Nazi-Zeit“ und Türkei als „scheiße“ und „Land ohne Perspektive für sie“ bezeichnen. Sie bekommen zum Beispiel schlechter Arbeit und schon gar keine Jobs in besseren oder offiziellen Ämtern oder Behörden.
    Gewählte Bürgermeister von gemäßigten kurdischen Parteien werden einfach abgesetzt und durch Regierungsgetreue ersetzt.
    Erklärt wird offiziell alles mit der Nähe zur PKK, der kurdischen Terrororganisation, die auch von der EU als Terrororganisation eingestuft wird. Allerdings distanzieren sich die oppositionellen kurdischen Parteien sogar teilweise von der PKK. Nicht alles was kurdisch ist, ist gleichzeitig PKK.
    Der Konflikt ist wie so viele Konflikte in der Region komplex:
    https://www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/doss…

    Wie lange der Konflikt schon andauert - nämlich seit Aufspaltung des Osmanischen Reichs - zeigt sich auch an schrecklichen institutionellen Einrichtungen des türkischen Staates - z.B. das Gefängnis von Diyarbakır. Da wird nichts an Gräueltaten aufgearbeitet, sondern das Gefängnis besteht weiter: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gefängnis_…
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