Tag 139: Fürsorge
19 ottobre 2024, Corea del Sud ⋅ ⛅ 20 °C
Wir schlendern über den im Reiseführer beworbenen Markt und sind enttäuscht. Wir sind nicht die Zielgruppe für Damenkleidung (+50), importierten Schnaps oder Küchenartikel und weitere Alltagsdinge. Daher geht es weiter zum Rathaus. Ein imposantes Gebäude. Der vertikale Garten in der Eingangshalle fasziniert uns. Vor dem Rathaus ist der Zieleinlauf einer Ultra-Marathon-Veranstaltung (10km, 50km, 100km).
Zudem gibt es Sitzmöglichkeiten, um einfach Mal zu lesen. Eine Outdoor-Bibliothek. Toll. Nicht nur Bücher sondern auch Regenschirme, Sonnenschirme und Leselampen können ausgeliehen werden. Uns fällt auf, dass es in der Stadt immer wieder Inseln der Ruhe gibt. Die Stadt inklusive Großraum hat ca. 25 Millionen Einwohner. In den vergangenen Monaten waren wir in einigen großen Städten. In Istanbul, Belgrad, Sofia, Skopje, Tiflis oder auch die im Westen weniger bekannten Megacitys in der Osttürkei, alle wirkten oftmals wuseliger und waren für Touristen anstrengend. Hier in Seoul fehlt der Lärm. Hier gibt es Ruheinseln, Sitzmöglichkeiten und saubere Toiletten im öffentlichen Raum. Die Rad- und Fußwege sind ein Traum und auch Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen kommen problemlos in der Stadt voran. In Tiflis bspw. mussten wir offenen Gullideckeln ausweichen und bei Dunkelheit war der Spaziergang aufgrund der fehlenden Straßenbeleuchtung kaum möglich. In Istanbul und Belgrad gab es sehr viele Treppchen und Stufen, die Hölle für Menschen mit Gehbehinderung. Das alles gibt es hier in Seoul nicht. Vielleicht sind wir daher auch den gesamten Tag außer Haus und in der Stadt unterwegs. Die Stadt macht sich Gedanken und das ist toll.
Was uns auch auffällt: Überall im öffentlichen Raum gibt es, für alles, Informationsschilder. Hier eine Auswahl: 1. Lautsprecher können zu laut sein und die Ohren schädigen. 2. Ein Sturz auf einer Rolltreppe kann gefährlich sein. 3. In Fußgängerzonen mindestens von 1 Meter einhalten (Grund unklar) 4. Beim Laufen auf dem Gehweg nicht aufs Handy gucken. etc. Sehr fürsorglich!
In einer U-Bahn-Station hätte mich dann auch noch beinahe ein Sicherheitsmann niedergeknüppelt. Da sexuelle Belästigungen und Übergriffe von Frauen ein massives Problem in Korea sind, werden an öffentlichen Toiletten neben Notfallknöpfen auch Menschen die für die Sicherheit zuständig sind, positioniert. Wir stehen also vor den WCs (Herren/Damen) und bestaunen die Schilder und Notfallknöpfe, als ein Sicherheitsmann angerannt kommt und Kristina fragt ob es ein Problem gibt.
Wir spazieren durch die Fußgängerzone und streifen durch Geschäfte. Die Menschen hier scheinen das Leben zu genießen und wirken nach außen hin fröhlich und lebenslustiger als in der Türkei und im Balkan. Sie haben natürlich auch einen anderen Lebensstandard und Geld, um hip zu sein,das Wochenende draußen mit Kaffee und Kuchen (hip wie in Haidhausen) und shoppend zu verbringen. Wir fühlen uns wieder mal privilegiert.
Am Abend besuchen wir dann noch eine Tanzperformance und nehmen am kulturellen Leben teil. Mit einer Stunde und einer kleinen Einführung (es ging um das Leben eines Schmetterling alias Vergänglichkeit) sehr kurzweilig. Wir spazieren in unser kleines Verlies (fast fensterloses Zimmer) und essen auf dem Heimweg noch Dumplings beim Dumplingmann - lecker!
Mit ein paar Dumplings im Bauch und 25km Marsch in den Füßen endet ein weiterer toller Tag in Seoul.
Die Stadt gefällt uns so gut, dass wir unsere 2 Tage im Nationalpark gestrichen haben und länger hier bleiben. Obwohl die Stadt so groß ist, strengt sie uns nicht so an, weil leiser, mehr Platz und sauber. Flanieren ist möglich und wir saugen die Eindrücke auf.
Schade ist, dass wir bis auf Restaurantbestellungen keinen Kontakt zu Einheimischen haben und viele Fragen offen bleiben.Leggi altro























Viaggiatore
Denkt daran, dass ihr nicht mehr 20.000 Kalorien am Tag verbraucht 😄
ViaggiatoreIhr lobt die Schilder usw., aber ist das noch Fürsorge oder schon Bevormundung? 🤨
ViaggiatoreNoch fühlt es sich eher nach Fürsorge an aber wenn ich hier leben würde, vllt. Bevormundung