• Tag 142: Eindrucksvoll

    October 22, 2024 in South Korea ⋅ ☁️ 15 °C

    Heute soll es regnen. Wir verplanen uns daher mit Aktivitäten, die drinnen stattfinden. Die Auswahl in Seoul ist groß.

    Als erstes besuchen wir einen weiteren Palast. Dort gibt es verschiedene Pagoden, Häuser und einen großen Garten. Wir besichtigen ein Haus, dass nur für den diplomatischen Austausch gebaut worden ist (daher auch eher im westlichen Stil). Sehr interessant, Diplomatie hat in Korea ein lange Tradition, war und ist eine Priorität, um die Demokratie und Souveränität auch nach außen zu stärken - und die Fahnen gegen Nordkorea hochzuhalten. Die Aufbereitung der historischen Zusammenhänge ist hyper-modern, interaktiv und wieder sehr gut gemacht. Zudem ist es sehr aufwändig und schön hergerichtet.

    Als nächstes frühstücken wir: Reis mit Kimchi sowie Reis mit Thunfisch für Kristina, dazu gibt’s noch ein Süppchen vorneweg.
    Das Essen wird immer sehr heiß serviert, was uns extrem gut gefällt. Falls es zu heiß ist, hat man am Tisch ein kleines Schälchen und füllt sich zum Beispiel Nudeln aus der Suppe erst in das Schälchen, dann isst man sie daraus. Mit dem zusätzlichen Ablegen sind sie etwas abgekühlt. Achja und alles nur mit Stäbchen. Bei der Suppe gibt’s einen Löffel dazu.
    Es klappt manchmal mehr oder weniger gut, teilweise verkrampfen unsere Finger, weil wir diese feinmotorische Arbeit nicht gewöhnt sind. Und glitschige Nudeln, oder sogar die Gräten aus einem Fisch herauszuholen und zu essen ist für Fortgeschrittene. Unser Tisch sieht immer aus wie von Kleinkindern bespritzt.

    Gestärkt besuchen wir das Rathaus und nehmen dort an einer Führung teil. Sehr empfehlenswert! Wir sind die einzigen Teilnehmer. Ein freundlicher älterer Rentner führt uns in perfektem Englisch, mit Witz und Charme durch das Rathaus. Er „motiviert“ uns sehr die Fotopunkte wahrzunehmen. :)
    Und er beantwortet unsere Fragen, die wir mangels Kontakt noch niemanden stellen konnten.
    Z.B. was kostet eine Wohnung (3 Zimmer in einer normalen Gegend von Seoul ca. 800.000 Euro), was verdient man (er hat damals ca. 40.000 Euro brutto verdient), warum trinken alle iced coffee - auch im Winter: weiß er nicht aber früher hat man nach dem Essen in den (nicht elektrischen) angebrannten Reiskocher Wasser gefüllt und es aufgekocht = Reiswasser. Das ist gut für die Verdauung und reinigt den Mundraum.
    Wir haben es sogar einmal probiert - sehr gewöhnungsbedürftig.
    Er zeigt uns auch Aufnahmen, wie die Stadt vor 50 Jahren aussah - es ist unglaublich, welches schnelles Wachstum die Stadt und das Land hinter sich haben.

    Das Rathaus ist architektonisch extrem eindrucksvoll. Alte Gebäude wurden abgerissen, vom historische Rathaus die Fassade erhalten und 7 Stockwerke darunter gebaut. Heute ist das alte Rathaus die öffentliche Bibliothek, ist allen zugänglich mit herrlichem Dachgarten und eine interessante Ausstellung zur Entwicklung der Stadt.
    Die Form ist einem traditionellen Haus nachempfunden - das typisch gewölbte Dach (um Regen und Sonne abzuhalten).

    Im Rathaus von Seoul arbeiten 2.000 Menschen. Mega Stadt, mega Rathaus und es gibt noch zig andere Rathausgebäude. Eindrucksvoll! In den futuristischen Waben die im Dach vom Foyer hängen endet unsere Tour. Dort wird ein Café betrieben in dem Menschen mit Behinderungen arbeiten. Wir bleiben selbstredend und stärken uns erstmal mit einem Café Latte.
    Allgemein haben wir festgestellt: Café Latte kommt unserem Cappuccino sehr nahe. Wenn wir in Südkorea einen Cappuccino bestellen enthält dieser seeeeeehr viel Milch. Lieber weniger Milch und mehr Kaffee, also trinken wir Café Latte.
    Wir machen noch einen Abstecher zum Design Plaza - architektonisch wieder sehr beeindruckend, Ausstellungen interessieren uns nicht wirklich.

    Wir fahren zum War Museum Memorial. Die zerrissene, gebeutelte Geschichte von Korea. Erst die Besatzung durch Japan, dann der verheerende Koreakrieg, sind mal wieder gut aufbereitet.
    Wenn wir auch hinterfragen, ob denn auch die Gräultaten der Südkoreaner dargestellt und so transparent sind. Sie haben zwar ihr Land und Demokratie verteidigt aber auch unzählige Kriegsverbrechen begangen und waren nicht nur die „Guten“.

    Geblieben ist ein geteiltes Land. Eine Wiedervereinigung erscheint in weiter Ferne und auch die junge Generation interessiert sich kaum noch dafür. Für sie ist Nordkorea ein anderes Land und keine Brudernation oder die Bewohner Landsleute.
    Doch gibt es immer wieder Konflikte - vor allem entlang der Grenze im Wasser aber auch zuletzt gab es Sprengungen von Straßen auf der nordkoreanischen Seite entlang der Grenze.
    Die Grenze wurde (willkürlich?!) nach der Befreiung Koreas von den Japanern 1945 zwischen den Alliierten Russland und Amerika am 38.Breitengrad festgelegt.
    1950 kam es zu einem Überfall von Nordkorea (unterstützt und finanziert von der Sowjetunion und China) auf Südkorea. Südkorea konnte schließlich nur mit Unterstützung der Amerikaner und einer UN-Mission die Nordkoreaner zurückdrängen. Der Korea Krieg endete 1953 mit ca. 4 Millionen Toten.
    Alles ziemlich bedrückend, vor allem in Hinblick auf die aktuellen Kriege.
    Wir brauchen erstmal eine Dumpling-Suppe und Kimchi zur Aufmunterung!

    Nun endet unser Aufenthalt in Seoul. Die Stadt ist auf jeden Fall eine Reise wert und eine Woche kann man hier ohne Probleme verbringen.
    Morgen geht's weiter! Nächste Stadt auf unsere Reise: Busan im Süden Südkoreas.
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