• Tag 150: Make love in Hiroshima

    30 ottobre 2024, Giappone ⋅ ☁️ 21 °C

    Nagasaki bietet nicht viel und ist eine unspektakuläre Kleinstadt, daher nehmen wir einen früheren Zug. Unser nächstes Ziel: Hiroshima. Mit dem Shinkansen düsen wir diesmal in die richtige Richtung. Und Umsteigezeiten von 7 Minuten sind entspannt, denn alles ist pünktlich und organisiert. Zudem sind alle Durchsagen im Zug auch auf Englisch.

    Laut Reiseführer ist die Übernachtung in einem "Liebeshotel" ein Erlebnis, welches sich Rucksackreisende-Touristen nicht entgehen lassen sollten. Die Hotels sind für Paare konzipiert, die noch bei ihrer Familie leben und in den engen kleinen Wohnungen in Japan keine Möglichkeit haben, intim miteinander zu werden (oder Eltern, die ihre Ruhe haben möchten). Daher ist es gesellschaftlich vollkommen anerkannt und okay ab und an ein Liebeshotel zu besuchen. Die Zimmer sind auch geräumiger und bieten mehr Platz als in der für Japaner gewohnten engen Umgebung. Für die Diskretion ist der Kontakt zwischen Rezeptionistin und Gast nur durch ein kleine Lücke möglich. Niemand sieht sich und es wird nur Geld, gegen Zimmerschlüssel getauscht.

    Wer mag, kann sich auch noch ein Massageöl und/oder Badeschaum mitnehmen. Dem Liebespiel steht also nichts im Wege.

    In der Realität handelt es sich bei unserem Liebeshotel um ein wirklich widerliches Gebäude. Es riecht nach Raumspray, kaltem Zigarettenrauch und im Zimmer gibt es viele klebrige Flecken und Spritzer an Böden und Wänden. Es schimmelt in unserem Zimmer. Unser Bad gleicht einem Schlachthaus. Es gibt sogar einen Notfallknopf. Wir laden unsere Gepäck ab, schütteln uns, da es echt eklig ist und gehen in die Stadt.

    Bei herrlichem Wetter besuchen wir die Atombomben-Gedenkstätte in Hiroshima.

    Das Gelände ist weitläufiger und moderner als in Nagasaki. Im Museum werden ebenso Zeitzeugenberichte und Gegenstände gezeigt, welche die verheerende Wirkung der Atombombe über Hiroshima, erfahrbar machen.

    In Nagasaki haben die umliegenden Berge einen Feuersturm verhindert. In Hiroshima hingegen ist es flach und die Atombombe hat für starke Brände, auch noch Tage nach der Explosion, gesorgt. Neben der Detonation der Bombe, neben der Radioaktivität gab es also auch Brände die für enorme Hitze gesorgt haben. Das Museum zeigt, wie die verbrannten Menschen ihren Durst in den örtlichen Flüssen stillen wollten, dabei ertrunken sind und im Fluss umhertrieben. Es wurde auch gezeigt welche Auswirkungen Radioaktivität auf den menschlichen Körper hat. Unkontrollierter Wachstum einzelner Fingernägel oder Fußnägel, natürlich aber auch Haarausfall und verschiedene Krebsarten über Generationen hinweg.
    Atombombenopfer werden auch „Hibskusha“ genannt. Sie erhalten häufig vergünstigte Eintritte und kostenlose Krankenversorgung seitens der Regierung.
    Nach der Katastrophe wurden sie dennoch in der Gesellschaft aufgrund ihrer sichtbaren oder psychischen Schädigungen diskriminiert und ausgegrenzt.
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