• Tag 156: Buddha und Panasonic

    5 novembre 2024, Giappone ⋅ ⛅ 12 °C

    Die großen Rucksäcke packen wir in die Schließfächer am Bahnhof -es gibt super viele. Teilweise kann man mit Bargeld oder der Öffi-Karte (die wir in ganz Japan benutzen können) zahlen, was es sehr einfach macht.
    Danach geht’s mit leichtem Gepäck Richtung Nordosten in die Berge. Genauer gesagt zum heiligen Berg Koya-san. Zuerst mit dem Zug, dann mit einer Zahnradbahn und noch Bus.
    Mit uns im Bus sind viele japanische und westliche Touristen. Für die Japaner, die dem Shingon-Buddhismus folgen, ist Koyasan das wichtigste Pilgerziel. Das Gebiet wurde im Jahre 816 von dem buddhistischen Mönch Kūkai alias Kōbō Daishi erschlossen. Die Shingon Schule setzt auf Meditation und betet den kosmischen Buddah Vairocana an, denn der Kosmos bedingt alles.
    Die Japaner pilgern Stock und weißer Kleidung und schlafen in einem der unzähligen Tempel. Kobo Daishi wurde 835 auf dem berühmten und sehr schönem Friedhof Okuinon begraben.

    Der Friedhof ist der heiligste Ort und beherbergt auch Gräber von Bekannten Firmen z.B. Panasonic. Besonders verdiente MitarbeiterInnen erhalten eine Teilbestattung, d.h ein Teil ihrer Asche wird auf dem Okuinon bestattet, was eine große Ehre ist.
    Was allerdings „besonders verdient“ ist, konnten wir nicht herausfinden.
    Da es in Japan erstrebenswert ist, lebenslang in der gleichen Firma zu arbeiten, ist es vielleicht eine besonders lange Zugehörigkeit?!
    Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass ein Teil meiner Asche in einem Siemens-Grab landet…

    Doch nun zu unserer Tempel-Übernachtung: Es ist recht komfortabel (im Gegensatz zu einer spanischen Pilgerherberge): wir haben ein Schlaf- und ein Wohnzimmer im japanischen Stil, d.h mit Tatami-Matten ausgekleidet, den typischen Schiebtüren, die nur mit Papier beklebt sind und natürlich Futon Betten. Etwas dickere Matten auf dem Boden mit Kissen, die mit Getreide oder Bohnen gefüllt sind. Recht bequem.
    Wir spazieren am Nachmittag durch den Ort, erkunden die Schreine und andere Tempel. Die ersten wunderschönen Herbstfarben durch den Ahorn zeigen sich bereits.

    Ab 16 Uhr ist Badezeit, d.h. wir können ins Onsen!
    Es handelt sich um ein Gemeinschaftsbad, nach Geschlechtern getrennt. Man duscht sich gründlich (nicht die Haare) und steigt dann sauber und nackt ins warme Becken - bei uns waren es Innenbecken, manchmal gibt es auch Außenbecken. Es hat ca. 40-42 Grad und damit hält man es auch ca. nur 15min aus.
    Onsen gibt es häufig an Thermalquellen, ich glaube in Koyasan wird das Wasser nur so erhitzt. Eigentlich ist das Onsen wie die Sauna für uns. Danach wickelt man sich in seinen Yukata (eine Art Bademantel aber hier gibt es auch Vorgaben wie man ihn anzieht und bindet). Mit dem Yukata kam man auch zum Essen gehen und im Ort herumspazieren.
    Wichtig ist noch, dass Tatoos verboten sind, denn Menschen mit Tatoos gehören der japanischen Mafia an (Yazuka). Vincent war aber fast alleine und ist trotzdem rein.
    Es war herrlich entspannend. Nach dem Essen haben wir noch einen Badegang gemacht.

    Achja das Essen. Kurz gesagt, es war vegan, sparsam (hinsichtlich der Menge - eben asketisch, buddhistisch) aber sehr, sehr hochwertig und lecker! Es werden nur saisonale Zutaten verwendet.
    Uns hat fast alles geschmeckt. Nur ein Tofu war dabei, der wie ein Schwamm aussah und schmeckte.

    Bei der Zubereitung gibt es „fünf Geschmäcker“, „fünf Farben“ und „fünf Art und Weisen der Zubereitung“.
    Die „fünf Geschmäcker“ sind sauer, süß, scharf, bitter und salzig.
    Als „fünf Farben“ gibt es Grün, Rot, Gelb, Weiß und Schwarz; und die „fünf Zubereitungsweisen“ sind roh zubereitet, gekocht, gedämpft, frittiert und gegrillt. Wenn man diese jeweils fünf Vorgaben in einem ausgewogenen Verhältnis umsetzt, entsteht ein gutes Menü.
    Zum Abendessen wird man in andere Räume geführt, wir saßen mit 3 japanischen Pilger- Pärchen zusammen. Leider hatten sie keine Englisch-Kenntnisse, sodass es sich darauf beschränkt hat, über unser Lieblingsessen in Japan zu sprechen und sie haben erzählt, dass sie bereits in Neuschwanstein und auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt gewesen sind.
    Danach haben wir in unserem Zimmer erstmal den Heizlüfter angemacht. Wie in vielen japanischen Häusern gibt es natürlich auch in einem Jahrhunderte alten Tempel keine Zentralheizung. Vielleicht geht hierfür auch der hohe Übernachtungsbetrag drauf. Für Halbpension zahlen wir pro Person 93 EUR. Nicht günstig aber ein tolles Erlebnis, das wir sehr weiterempfehlen.
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