• Am Ende der Welt: 100km Torres del Paine

    6 marzo, Cile ⋅ ☀️ 10 °C

    Der letzte Tag im Torres del Paine begann überraschend gemütlich mit einem richtig guten Frühstück im Refugio Francés. Wenn man möchte, bereiten sie einem dort alles schon früher vor, damit man früh starten kann. Auch die Lunchbox lag schon bereit, liebevoll verpackt. Auf dem Papier war diesmal ein Specht abgebildet, einer der Vögel des Parks. Den echten hatte ich während der letzten Tage leider nur einmal ganz kurz gesehen, aber die kleine Illustration auf der Lunchbox war trotzdem eine schöne Erinnerung daran, wie vielfältig die Tierwelt hier ist.

    Ich wartete noch kurz auf den Sonnenaufgang, bevor ich schließlich loslief. Die ersten sieben bis acht Kilometer bis zur Paine Grande liefen sich erstaunlich entspannt. Der Weg führte wieder durch diese weite, offene Landschaft, und nach den intensiven Tagen zuvor fühlte sich das Gehen fast schon routiniert an. In Paine Grande, einer größeren Station, ließ ich meinen großen Rucksack zurück, schnallte mir meine Joggingschuhe an meinen kleinen Rucksack und machte mich mit leichtem Gepäck auf den Weg Richtung Grey-Gletscher.

    Der Abschnitt zwischen Paine Grande und dem Grey-Gletscher gehört landschaftlich definitiv zu den spektakulärsten Teilen des W-Trails. Man läuft dort an mehreren Seen vorbei, die alle eine völlig unterschiedliche Farbe haben. Manche schimmern tiefblau, andere eher türkis oder milchig grün, je nachdem, wie viel Gletscherwasser und Sediment darin ist und wie das Licht gerade fällt. Zusammen mit den Bergen im Hintergrund sieht das teilweise fast surreal aus.

    Dazu kam perfektes Wetter. Die Sonne schien fast den ganzen Tag, der Himmel war klar, und natürlich war auch wieder ordentlich Wind unterwegs. Der gehört hier einfach dazu. Teilweise pfiff er ziemlich kräftig über die offenen Flächen, aber genau das macht diese Landschaft auch so besonders. Man merkt ständig, wie rau und ursprünglich diese Gegend ist.

    Der Pfad führte am Lago Grey entlang, immer mit Blick auf diese dramatische Kulisse aus Bergen, Eis und Wasser. Viel „passierte“ eigentlich nicht auf dem Weg und gleichzeitig passierte alles. Ich sah wieder Albatrosse, kleine Vögel, einen Adler und weitere Greifvögel, die über den Hängen kreisten. Leider waren sie zu weit entfernt für gute Fotos, aber allein sie dort zu sehen, machte den Weg noch eindrucksvoller.

    Was mich am meisten faszinierte, war das massive Bergpanorama entlang der Strecke. Der höchste Gipfel dort ist etwas über 3000 Meter hoch, eigentlich gar nicht außergewöhnlich hoch. Aber durch den konstanten, extrem starken Wind sind die Gipfel komplett vereist. Immer wieder wurde Schnee und feiner Schneestaub von den Kämmen geweht und wie eine Art Nebel in die Luft getragen.

    Am Aussichtspunkt beim Grey-Gletscher angekommen, gönnte ich mir erst einmal eine kleine Pause, einen Burger und ein alkoholfreies Bier. Es war ein herrliches Skihütten feeling. Ich traf noch ein älteres Franz. Ehepaar, mit dem ich am ersten Abend am Tisch gesessen habe. Lange blieb ich allerdings nicht sitzen, denn ich wollte noch eine frühere Fähre erreichen. Also wechselte ich auf meine Joggingschuhe und machte mich in ziemlich zügigem Tempo wieder auf den Rückweg.

    Die rund zwölf Kilometer zurück nach Paine Grande legte ich fast im Laufschritt zurück. Am Ende kamen an diesem Tag etwa 35 bis 36 Kilometer zusammen, mit ungefähr 1500 Höhenmetern, also doch noch einmal eine ziemlich anspruchsvolle Etappe zum Abschluss.

    Gerade rechtzeitig erreichte ich die Fähre über den Lago Pehoé. Während der Überfahrt konnte ich noch einmal auf diese unglaubliche Landschaft zurückblicken. Am anderen Ufer nahm ich mir dann noch Zeit für einen Aussichtspunkt mit einem großen Wasserfall. Dort setzte ich mich hin, machte ein kleines Picknick und ließ die letzten Tage noch einmal Revue passieren.

    Auf der Rückfahrt aus dem Park gab es dann noch einmal zwei völlig unerwartete Highlights. Zuerst entdeckten wir Flamingos, die ruhig im Wasser standen ein ziemlich surrealer Anblick in dieser wilden Landschaft. Kurz danach sahen wir aus dem Bus in der Ferne noch einmal Pumas. Nicht nah, aber deutlich genug, um sie zu erkennen.

    Am Ausgang des Parks fiel mir dann noch etwas anderes auf: die erste Windturbine in Südamerika. Während der gesamten Reise hatte ich keine einzige gesehen. Erst ganz am Ende stand dort eine kleine Anlage in der Landschaft. Sie wirkte relativ kompakt vermutlich eine kleinere Turbine, vielleicht sogar ein Modell eines chinesischen Herstellers. Nach Tagen in völlig unberührter Natur war es fast ein bisschen witzig, wieder ein Stück arbeitsbezogene Technik zu sehen.

    Damit war die Tour dann endgültig vorbei: der W-Track im Torres del Paine rund 100 Kilometer durch eine der beeindruckendsten Landschaften, die ich je gesehen habe.

    Da ich relativ kurzfristig gebucht hatte, war ich während der Tour nicht im Zelt unterwegs, sondern in den Refugios, also in Hütten mit Betten und Verpflegung. Das war definitiv teurer als Camping, aber ganz ehrlich: Ich hätte auch das Zehnfache bezahlt, und es wäre immer noch jeden Cent wert gewesen.

    Es ist schwer, in Worte zu fassen, wie schön der Torres del Paine Nationalpark wirklich ist. Vielleicht sollte man es auch gar nicht versuchen. Ich bin einfach nur überwältigt und unglaublich glücklich, diese Tage dort erlebt zu haben.

    Von allen Wanderungen, die ich bisher gemacht habe, war das hier mit Abstand die spektakulärste. Die Landschaft, die Weite, die Tierwelt, die Berge, die Gletscher, alles zusammen ergibt etwas, das man kaum beschreiben kann. Man muss es einfach selbst erleben. So verabschiede ich mich mit einer großen Kuller Träne vom Torres del Paine. Im Hinterkopf bleibt der Gedanke den O-Track sobald wie möglich mit Oliv zu laufen 🫶🏽🤝🏽.

    Abends war ich dann auch froh in meinem Einzelzimmer zurück in Puerto Natales ins Bett zu fallen.
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