• Unterwegs nach Schleswig und Haithabu

    7 April, Jerman ⋅ ☀️ 9 °C

    Während die Familie sich heute ganz bewusst für einen entspannten Strandtag entschieden hat, zog es mich in eine andere Richtung: Kultur, Geschichte, ein bisschen Bewegung und ja, auch ein kleiner Perspektivwechsel. Meine Liebe für Geschichte und Kunst war jedenfalls von Anfang an hellwach und hat mich zuverlässig aus dem Bett getrieben.

    Der Tag begann früh. Um 6.20 Uhr nahm ich den Bus von Friedrichskoog nach Marne, weiter über Meldorf nach Heide und schließlich Richtung Husum. Dort dann die erste kleine Überraschung oder sagen wir: die gewohnte Herausforderung namens Deutsche Bahn. Anschluss verpasst. Also blieb Zeit für ein ungeplantes, aber durchaus angenehmes Frühstück in Husum, bevor es schließlich doch noch weiterging. Gegen 10 Uhr erreichte ich Schleswig. Eine kleine Weltreise, aber was tut man nicht alles.

    Mit dem Bus ging es direkt weiter nach Haithabu, meiner ersten Station. Das Museum war noch angenehm leer, sodass ich mir die Ausstellung in aller Ruhe anschauen konnte, genau die Art von Moment, in dem meine Begeisterung für Geschichte und ihre oft überraschend greifbaren Spuren voll zur Geltung kommt. Haithabu war im frühen Mittelalter einer der bedeutendsten Handelsplätze Nordeuropas, ein Knotenpunkt zwischen Skandinavien, dem Frankenreich und dem Ostseeraum. Im 11. Jahrhundert wurde die Siedlung schließlich zerstört und aufgegeben, heute sind es vor allem die Rekonstruktionen und archäologischen Funde, die diese Welt wieder lebendig machen. Ich musste schmunzeln, als mir einfiel, dass zu Hause noch der ausführliche Katalog im Regal steht, den ich mir vor Jahren gekauft habe. Einer dieser Schätze, die man sich unbedingt wieder vornehmen will. Draußen dann das eigentliche Erlebnis: Bei bestem Wetter spazierte ich über das Gelände von Haithabu. Hier und da noch Spuren eines gerade abgebauten Wikinger-Osterfestes.

    Immer wieder begegnet man auf den Wegen auch den Markierungen vom „Soulboy“ und seinem NST, ein Gedanke, der hängen bleibt. Vielleicht in ein paar Jahren, wenn die Kinder größer sind, wäre das tatsächlich einmal eine schöne Idee. Auf dem Steg blieb ich stehen, ließ den Blick über die Schlei schweifen und betrachtete die rekonstruierten Häuser. Geschichte zum Anfassen, und gleichzeitig diese Ruhe.

    Am Ufer der Schlei eröffnete sich dann ein wunderbarer Blick: das Schloss Gottorf, der majestätische Schleswiger Dom und die Altstadt. Ich umrundete ein Stück der Schlei und machte mich schließlich auf den Weg in die Altstadt – direkt zum Dom. Schleswig wird bereits im 9. Jahrhundert als „Sliaswich“ erwähnt. Wo genau der erste Dom stand, ist bis heute nicht eindeutig geklärt, vielleicht in Haithabu selbst oder bei der Haddebyer Kirche. Die Quellenlage ist, wie so oft, eher spärlich. Erstmals greifbar wird der Dom im Jahr 1134, als König Niels von Dänemark hier von aufgebrachten Bürgern getötet wurde, eine Folge der Ermordung von Knud Laward. Geschichte, die man zwischen den Mauern fast noch spüren kann. Dem Gebäude sieht man seine lange Baugeschichte an: Der mächtige Glockenturm stammt aus preußischer Zeit, der Lettner wurde in den 1930er Jahren aus Fragmenten rekonstruiert. Besonders beeindruckend ist der Bordesholmer Altar von 1521, ein echtes Kunstwerk, das meine Liebe zur Kunst einmal mehr bestätigt hat. Und dann dieser Kreuzgang, mit Malereien aus dem 14. Jahrhundert. Ich konnte nicht widerstehen und verließ den Dom schließlich mit zwei neuen Büchern: eines zur Baugeschichte, eines zum Altar. Manche Souvenirs sind einfach unvermeidlich.

    Der Spaziergang führte mich weiter durch die Altstadt, vorbei an schönen Häusern bis zum Holm, diesem malerischen Viertel mit seinen alten Fischerhäusern, die sich um Kapelle und Friedhof gruppieren. Ein Ort, der fast aus der Zeit gefallen wirkt. Ein kurzer Abstecher zum St. Johanniskloster, leider war die Kirche geschlossen. Also zurück zur Schlei. Dort setzte ich mich, genoss den Blick auf das andere Ufer und gönnte mir eine Kleinigkeit zu essen. Das Schloss ließ ich diesmal links liegen, ich war schon zweimal dort, und so sehr das Nydamboot auch beeindruckt, heute war der Tag für andere Entdeckungen reserviert.

    Der Rückweg stand an. Laut App lagen etwa drei Stunden vor mir, bis ich wieder in Friedrichskoog ankommen würde. Zeit genug, um die Eindrücke sacken zu lassen. Zu Hause in Bonn werde ich definitiv wieder ins Regal greifen, Haithabu, skandinavische Geschichte, all die Bücher, die darauf warten, erneut entdeckt zu werden. Die Familie meldet einen wunderbaren Strandtag. Und ich? Um 19 Uhr erreiche zufrieden Friedrichskoog. Ich bin ebenfalls mehr als zufrieden, ein Tag ganz im Zeichen von Geschichte und Kunst, genau so, wie ich ihn mir gewünscht habe.
    Baca selengkapnya