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Untere Moseltag

Unterwegs auf dem Moselsteig zwischen Löf und Kobern-Gondorf. Læs mere
  • Etappe 22 Moselsteig

    24. maj, Tyskland ⋅ ☁️ 28 °C

    Moselsteig Etappe 22: Löf - Kobern-Gondorf

    15,3 Kilometer, über 30 Grad, steile Weinberge und ein Tag, der sich gelohnt hat.

    Der Start in Löf ist unspektakulär, aber das ändert sich schnell. Schon früh wartet das erste große Highlight: die Doppelburg Thurant bei Alken. Heute geöffnet, also natürlich reinschauen. Wer die Geschichte der Burg kennt, schaut noch einmal anders hin. Im 13. Jahrhundert war Thurant eine pfalzgräfliche Burg, die den Erzbischöfen von Trier und Köln gehörig ein Dorn im Auge war. Sie belagerten sie gemeinsam und standen danach vor der Frage, wer die Burg nun bekommt. Die Lösung war so pragmatisch wie amüsant: eine Mauer quer durch die gesamte Anlage, jeder Bischof seine Hälfte. Zwei Herren, eine Burg, eine Mauer. Heute ist die Anlage liebevoll restauriert, mit einem gepflegten Garten und viel Geschichte zum Entdecken. Ein Besuch lohnt sich. Auch das Dorf Alken selbst hat einiges zu bieten und lädt zum Schlendern ein, wer Zeit hat, sollte sie sich nehmen. Besonders das Beinhaus in der Pfarrkirche hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Wurden die Gräber neu vergeben, ließ man die vorherigen Knochen unter der Kirche aufstapeln.

    Dann beginnt der Ernst des Tages. Es geht rauf auf den Bleidenberg, auf schmalen, schiefen Pfaden, in der prallen Hitze, ohne Abkürzung. Die Weinberge sind steil, der Schweiß kommt schnell, und der Weg verlangt Konzentration. Oben angekommen wartet die Wallfahrtskirche, still und sehenswert. Sie soll angeblich zur Erinnerung an die erfolgreiche Belagerung der Thurant erbaut worden sein, Geschichte und Glaube, eng miteinander verwoben. Was viele nicht wissen: der Bleidenberg war einst auch ein Oppidum der Treverer, eine keltische Siedlung. Man wandert hier buchstäblich durch Schichten der Geschichte, von der Keltenzeit über das Mittelalter bis heute. Wer innehält und sich das vorstellt, bekommt eine Ahnung davon, wie viel dieser Landstrich erlebt hat.

    Irgendwo auf dem Weg passiert etwas, das den Tag auf seine eigene Art bereichert. Ein Wanderer hat zu wenig Wasser dabei, in dieser Hitze kein Spaß. Ich gebe ihm eine Flasche ab. Er will sich revanchieren, ich lehne ab. Wir kommen ins Gespräch, reden über Wanderwege, die Mosel, irgendwann auch über Lothringen und die Wege dort drüben. Es ist eine dieser kurzen, zufälligen Begegnungen, die man nicht plant und nicht vergisst. Genau das macht das Wandern für mich aus, nicht nur die Landschaft, sondern auch die Menschen, die man unterwegs trifft.

    Weiter geht es runter nach Oberfell, dann wieder rauf Richtung Schildberg. Der Weg führt durch Wald und Flur, mal offen, mal schattig, und schließlich entlang einer beeindruckenden Felskante zur Röderkapelle. Von hier aus beginnt der Abstieg nach Kobern-Gondorf, die letzten Kilometer in praller Sonne, bei gefühlt über 30 Grad, ohne Schatten, dafür mit Blick auf die Mosel. Schön und anstrengend zugleich, wie so vieles an diesem Tag.

    Um 15 Uhr ist Kobern-Gondorf erreicht. Der Ort hat selbst einiges zu bieten, zwei Burgen thronen über dem Tal und winken von den steilen Hängen herunter. Ob ich noch raufsteige? Ich überlege kurz und entscheide mich dann doch dagegen. Die Beine haben heute genug geleistet, die Hitze tut ihr Übriges, und irgendwann weiß man einfach, wann es gut ist. Die Burgen laufen nicht weg.

    Stattdessen: Bahnhof, Zug, Klimaanlage. Und während der Zug die Mosel entlangrollt, gibt es Landjäger und Knäckebrot. Das verdiente Wanderessen, schlicht und gut.
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    Slut på rejsen
    24. maj 2026