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  • Day10

    Rotkäppchen

    September 1 in Germany ⋅ ☁️ 16 °C

    Heute haben wir die Sektkellerei Rotkäppchen besucht. Man konnte wegen Corona nur eine kleine Tour buchen, die war aber sehr interessant.
    Das Gebäude und die besichtigten Räumlichkeiten sind toll.
    Es lohnt sich auf jeden Fall.
    Während Dirk einkaufen war, ist Tina von der Burg Neuenburg im Nieselregen ins Tal gewandert.

    Die Traditionsfirma Rotkäppchen steht für eine wahre Erfolgsstory aus den neuen Bundesländern: Rotkäppchen ist eine der wenigen ostdeutschen Marken, die nach der Wende eine bundesweite Karriere starteten.
    Rund jede vierte Sektflasche, die zu Silvester in Deutschland geöffnet wird, kommt aus Freyburg. Mehr als 82 Millionen Mal wurde Rotkäppchen Sekt 2007 verkauft, was der Marke im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von gut 15 Prozent bescherte. Und ihr zudem einen nationalen Marktanteil von mehr als 26 Prozent sichert. So rosig fiel die Bilanz für die Sekt-Macher allerdings nicht immer aus. Vor fast zwei Jahrzehnten, im Wendejahr 1989, kamen 15 Millionen Rotkäppchen-Flaschen aus der Kellerei im Osten. Dann fiel der Absatz tief in den Keller: 1990 sank er auf nur 1,5 Millionen Flaschen.
    Im selben Jahr wurde das Unternehmen unter Führung der Treuhand in eine GmbH umgewandelt und 1993 durch ein Management-Buy-out der Geschäftsführung um Gunter Heise privatisiert. Mit der Übernahme des Betriebs durch Heise wendete sich das Blatt. Das Ruder herumzureißen, hatte allerdings seinen Preis: Ein Großteil der Mitarbeiter musste nach gehen, 33 Großbehälter für die Gärung bezahlt und Werbung finanziert werden. Der harte Einschnitt lohnte: Sieben Jahre nach der Privatisierung verkaufte Rotkäppchen 50 Millionen Flaschen im Jahr und stieg damit zum Marktführer in Deutschland auf.
    Der endgültige Durchbruch gelang, als die Firma im Osten zu Beginn des neuen Jahrtausends die Mumm-Standorte und die Geldermann Sektkellerei im Westen übernahm. Inzwischen gehört auch Eckes Spirituosen & Wein-Sortiment zur Rotkäppchen-Mumm Sektkellerei. Als Gruppe erwirtschaftete die Rotkäppchen-Mumm Sektkellerei mit rund 500 Mitarbeitern 2007 einen Umsatz von rund 710 Millionen Euro. Inzwischen ist das Unternehmen an vier Standorten - Freyburg, Hochheim, Eltville und Breisach - tätig.

    In Freyburg gründeten 1856 die Brüder Kloss und ihr Freund Foerster ein Weingeschäft und vergärten schon bald heimische Trauben zu Sekt. Das Ergebnis hieß zunächst "Monopol". Erst als das französische Champagnerhaus Heidsieck & Co Monopole 1894 gegen die Verwendung des Namens durch die deutschen Sekt-Macher protestierte, wurde der Schaumwein unter dem Markennamen Rotkäppchen verkauft - benannt nach der roten Kappe und nicht etwa nach dem bekannten Märchen.
    In den fünfgeschossigen, in einen Berghang gegrabenen Kellergewölben befinden sich die Rüttelpulte, auf denen heute noch kopfüber Sektflaschen stecken. Darin gärt eine erlesene Weinmischung ein zweites Mal. Täglich werden die Flaschen von Hand gerüttelt, bis die Hefe als Pfropfen im Flaschenhals sitzt. Der schießt dann, zuvor im Eisbad gefroren, durch den Innendruck heraus. Der Sekt bleibt bis zum Verkauf in ein und derselben Flasche.
    Besonders aufwendig reift in Freyburg der "Rotkäppchen Weißburgunder Extra trocken", von dem jährlich nur bis zu 40.000 Flaschen aus den besten Trauben von Deutschlands nördlichstem Weinanbaugebiet produziert werden. Für alle anderen Sorten reicht die Ernte an Saale und Unstrut nicht. Um die Nachfrage bedienen zu können, werden Weine aus dem Süden der Republik und aus Europa zugekauft. Bei Rotkäppchens Flaschengärung reift der Sekt zwar auch in Flaschen, zur Enthefung wird er aber in Tanks und danach erneut in Flaschen gefüllt. Der meiste Sekt gärt jedoch auch in Freyburg inzwischen in großen Tanks und wird nach sechs Monaten vollautomatisch abgefüllt.
    Von Großtanks und automatischer Abfülllinie bekommen Besucher kaum etwas zu sehen, dafür im Domkeller aber Deutschlands größtes geschnitztes Cuvée-Fass. Es wurde Ende des 19. Jahrhunderts aus 25 Eichen gefertigt und hat ein Fassungsvermögen von 120.000 Litern, ausreichend für gut 160.000 Flaschen Sekt. Bis 1935 wurden darin die Grundweine zur Cuvée gemischt, heute dient es als Touristenattraktion.
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