Medellín (2/3) - Comuna 13
Jun 1–6, 2024 in Colombia ⋅ ☁️ 30 °C
Die Comuna 13 damals…
Die Comuna 13, deren öffentliche Bezeichnung San Javier lautet, ist eine von 16 Comunas (= Stadtteile) in der zweitgrößten Stadt Kolumbiens Medellín. Medellín ist von Bergen umgegeben. Im Westen der Stadt schmiegt sich die Comuna 13 an die steilen Berghänge. Alles ist dichtbebaut und die Comuna 13 gilt als eine der am dichtesten besiedelten Stadtteile.
Durch ihre Lage war die Comuna 13 seit jeher wichtiger Dreh- und Angelpunkt. Egal was geschmuggelt werden musste, es kam über die Comuna 13. Durch den Zugang zu der Hauptroute, die zu den Häfen im Pazifik führt, war die Comuna 13 Gold wert – egal ob für den Drogen- oder Waffenhandel. Es scheint also nicht verwunderlich, dass das Viertel beliebt war unter den Drogenkartellen und co.
In den 80er Jahren herrschte der Drogenbaron Pablo Escobar über Medellín und insbesondere über die Comuna 13. Aufgrund der Beliebtheit des Viertels, herrschte ein ständiger Kampf zwischen den Drogenkartellen um die Vorherrschaft. Dies ging Hand in Hand mit Morden, Entführungen, Korruption und allgemeiner Gewalt. Die Zivilisten der Comuna 13 waren angsterfüllt, eingeschüchtert und trauten sich kaum auf die Straße. Die hohe Arbeitslosenquote machte es den Kartellen einfach junge Männer “anzuwerben” für das dreckige Geschäft. Sie arbeiteten dann als Drogendealer, Spitzel oder sogar Auftragskiller. Die Comuna 13 rutschte sozial immer weiter ab und an ein normales Leben war nicht zu denken.
Die Comuna 13 galt weltweit als eines der gefährlichsten Viertel in der gefährlichsten Stadt. Zwischen 1980 und 1991 verzeichnete Medellín mit knapp 400 Morden auf 100 000 Einwohner die angeblich höchste Mordrate der Welt.
Das Viertel war gefürchtet. Niemand kam es in den Sinn freiwillig in die Comuna 13 zu gehen. Leichen lagen einfach überall rum. Die Comuna 13 war ein Kriegsgebiet, in das sich schon bald nicht mal mehr die Polizei traute.
Nach Escobars Tod eskalierte die eh schon schreckliche Situation weiter. Die Guerilla, Paramillitärs und die Farc umkämpften das Gebiet extrem. Bis 2002 war die Guerilla dann in dem Stadtviertel präsent – das letzte Stadtviertel in ganz Kolumbien, welches noch von der Guerilla kontrolliert wurde.
Operación Orión
2002 wurde dann die wohl brutalste Militäroperation in der Comuna 13 durchgeführt. Ziel war es die Guerillakämpfer zu vertreiben und das Stadtviertel zu “reinigen”. Zwei Hubschrauber, mehrere Panzer und bis zum Hals bewaffnete Soldaten mit der Unterstützung des Paramilitärs nahmen das Viertel unter Beschuss. Es wurde auf alles geschossen, was sich bewegte. Vier Tage herrschte hier kompletter Ausnahmezustand und zu den Opfern zählten vor allem Zivilisten. Die Guerillakämpfer zogen sich bereits Tage vor dem Angriff in die Berge zurück. Was blieb waren mehrere Tote, unzählbar viele Verwundete und 300 Verschwundene, die bis heute vermisst werden.
Während der brutalen Auseinandersetzungen baten die Anwohner um eine Feuerpause. Sie schwangen weiße Bettlaken und Taschentücher doch der Albtraum sollte 4 Tage andauern und etliche Opfer fordern.
Um die Tötung der Zivilisten irgendwie rechtzufertigen, zogen die Soldaten den Leichen nachträglich die Uniformen der Guerillos an.
Die Leichen und auch die Verschwundenen werden auf einer Bauschuttdeponie, die vom Viertel aus gut zu sehen ist, vermutet. Sie liegt am Berghang und ist überall von der Comuna 13 aus gut sichtbar. Die Bewohner und Angehörigen kämpfen seit Jahren für eine Aufklärung – leider ist diese nicht in Sicht.
Die Comuna 13 heute…
Die Comuna 13 hat sich verändert und ist von einem der gefährlichsten Viertel zu einem Viertel im Aufschwung geworden.
Überall begegneten wir außerordentlich herzlichen Menschen, Kinder spielen Fußball zwischen den eng gebauten Häusern, irgendwo dröhnt laut Reaggemusik und bunte Graffitis schmücken die Häuserwände.Read more










