• Tag 20 Cacabelos - La Faba 33 km

    April 29, 2025 in Spain ⋅ ⛅ 21 °C

    Cacabelos - Villafranca del Bierzo - La Portela de Valcarce - Vega de Valcarce - La Faba 33 km. Carlos und ich waren gestern im selben Zimmer untergebracht. Zehn nach sieben stehen wir auf der Straße. Strom gibt's immer noch nicht. Wir kommen durch zwei kleine Orte, der dritte ist Villafranca del Bierzo. Das erste Haus am Ortseingang hat offensichtlich Bauarbeiter zu Gast. Ich sehe, wie sich ein Tor zum Grundstück automatisch schließt. Fünfzig Meter weiter sag ich zu Carl, ob ihm auch aufgefallen wäre, daß das Tor automatisch zuging. Und auch die Straßenbeleuchtung funktioniert plötzlich wieder. Da macht das Herz doch gleich einen Hüpfer. Am nächsten Café gibt es dann auch ein kleines Pilgertreffen. Endlich einen schönen Kaffee. Der Franzose aus Montpellier taucht natürlich auch dort auf. Ich soll ihn dann auch Abends in La Faba wiedersehen. Gleich neben dem Café ist die große Burganlage von Villafranco del Bierzo. Hier hat wohl fast jedes größere Dorf sein Castle. Erstmal geht es mit Carl weiter über mehrere kleine Bergdörfer. Im kleinen Dorf Pereje drückt es sich dem Pilger buchstäblich auf's Auge. Achtzig Prozent des Ortes sind bereits verweist und verfallen. Manchen Dörfern hilft eben auch der Camino nicht. Ich kann all die "se vende"-Schilder an den Häusern seit Beginn meines Caminos schon nicht mehr zählen. Nach ca. dreiundzwanzig Kilometern erreichen wir den kleinen Ort Ambasmestas. Laut Info-Tafel am Ortseingang soll es hier einen kleinen Supermercado geben. Also einen Tante-Emma-Laden. Tatsächlich, als wir davor stehen glauben wir es. Es wandern Apfel, Banane und Schokokekse als Wegzehrung an den Mann und weiter geht's. Wird nicht mehr lange dauern, dann ist mit den sterbenden Dörfern hier auch dieser, von einer alten Frau geführte Laden, weg. Es geht weiter über Vega de Valcarce und fast der ganze Weg heute führt zusammen mit einer großen Autobahnbrücke durch ein Tal, und hoch hinaus. Habe versucht, es mit ein paar Bildern einzufangen. Auf ebener Wegstrecke zu gehen kostet natürlich nicht so Kraft wie über Geröllhalden. Wir sind heute beide mal ganz froh über diese unromantische aber gelenkschonende Wegführung. Nach Las Herrerias trennen sich unsere Wege. Carl bleibt auf dem Rad-Camino. Er möchte fünf Kilometer mehr machen als ich für heute. Ich kann ihn verstehen, er wäre gerne am Sonntag Vormittag in Santiago de Compostela. Er möchte sehen, wie der "Botafumeiro", der 53 kg schwere und 1,50 Meter hohe Weihrauchkessel geschwungen wird. Das soll mittlerweile nicht mehr täglich der Fall sein. Für mich ist La Faba heute die Endstation. Ich kann und werde meinem Körper täglich nicht mehr abverlangen, als er zu geben bereit ist. Und wir waren jetzt zwanzig Tage ein super Team. Wer kennt mich besser als mein Körper und wen kenne ich besser, als meinen Körper. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, daß mir noch Mal fünfundvierzig Minuten lang alles abverlangt wird am Ende dieses Tages. Es geht noch einmal nur steil nach oben, und nach oben und nach oben, ca. 450 Meter. Gestartet bin ich heute morgen bei 486 Höhenmetern, am Ende des Tages befinde ich mich auf 923 Höhenmetern. Ja, und warum unbedingt La Faba? In La Faba gibt es eine vom deutschen Verein "Ultreia" betriebene Albuerge. Und es hat dann heute tatsächlich gepasst, daß ich hier lande. Sie ist bereits sehr voll, da ich ja spät ankomme. Registrieren und dann bekomme ich ein Bett im "Souterrain", sprich, ich bin heute "Kellerkind" hinter dicken Felssteinmauern. Die Herberge find ich klasse. Der Hospitalero sagt mir, daß es dann morgen als erstes gleich weitere 400 Höhenmeter nach oben gehen wird und ich gut daran getan habe, La Faba zu wählen.Read more