• Tag 23 Morgade - Palas de Rei 35 km

    May 2, 2025 in Spain ⋅ ☁️ 16 °C

    Morgade - Portomarin - Ligonde - Palas de Rei 35 km. Es hat die ganze Nacht geregnet. Laut Wetterbericht soll es gegen acht aufhören. Ich stehe kurz nach halb sieben auf dem Weg und es scheint sich beruhigt zu haben. Und weil noch so viele Wolken am Himmel hängen geh ich fast im Dunkeln los. Auch hier gilt die Mitteleuropäische Sommerzeit und die Sonne geht hier ca. eine Stunde und zehn Minuten später auf als bei uns. Nach vier Kilometern, im kleinen Ort Moimentos, steht er, der Stein mit den 100,000 Kilometern. Man beachte die auf den Meter genaue galizische Pingeligkeit. Hier müssen sie wirklich einen Vermesser rumgeschickt haben, der alles "abgeradelt" hat. In allen anderen Regionen hatte ich mich bisher nur über die spanischen "Schätzkilometer" geärgert. Im selben Ort befindet sich auch in einer Nische ein Automat. Soll das die Zukunft des Caminos sein? Selbstbedienungsautomaten statt persönlicher Gastfreundlichkeit? Meine Freude, daß mir das galizische Wetter doch hold sein könnte, währt immerhin zweieinhalb Stunden. Kurz nach neun und kurz vor dem Ort Portomarin ist Schluss. Der Himmel öffnet seine Schleusen. Die Gamaschen sind natürlich im Rucksack. Regenponcho hab ich an, aber es dauert nicht lange und bei jedem Schritt quitschert und quatschert es in meinen Schuhen. Es ist nicht kalt und das ist mir jetzt auch egal. Ich gehe einfach weiter wie viele andere auch. Der Weg ist stellenweise voller bunter Regenponchos. Kurz nach zwölf und nach achtzehn Kilometern erreiche ich den Ort Gonzar. Hier gibt es eine Einkehrmöglichkeit. Ich mußte heute morgen wieder ohne Kaffee und jeglichem Frühstück starten. Außer einem Apfel habe ich seit mehr als fünf Stunden nix im Magen. Das Angebot hier ist dürftig. Die wissen wohl, daß sie auf weiter Flur keine Konkurrenz haben. Ich hole mir einen Kaffee und im Rucksack schleppe ich schon seit zu Hause noch ein paar Müsli-Riegel mit mir rum. Drei davon esse ich jetzt. Ich schau mich um. Ganz schönes Camino-Wuling geworden. Eine ganze Schulklasse scheint auch unterwegs zu sein. Die Sonne lässt sich mal kurz sehen. Ich sehe, wie andere ihre nassen Schuhe und nassen Sachen wechseln. Das werde ich nicht tun. Dann sind alle Sachen nass und ich hab gar keine trockenen mehr. Kurz nach halb eins geht es weiter. Ich soll Recht behalten. Es dauert nicht lange und der nächste Regen kommt. Nach zwei Stunden, im kleinen Ort Ligonde, kommt noch einmal eine Einkehrmöglichkeit. Hier ist auch das Video entstanden. Ich warte und warte, Nase voll vom Regen. Mir schräg gegenüber sitzen zwei deutsche Frauen. Sie brechen im strömendsten Regen wieder auf. Es ist aber schon abzusehen, daß sich der Horizont aufhellt. Ich warte noch eine Kaffee-Länge und das soll sich auszahlen. Bis kurz vor meinem Zielort lacht die Sonne. Es geht noch durch mehrere kleine Orte und ich mache endlich mal ein Photo von diesen komischen gemauerten Dingern in den Gärten hinter den Häusern. Es sind schmale, hochgemauerte, enge Hohlräume. Die sind mir schon lange aufgefallen. Die Steine sind immer so gesetzt, daß der Wind hindurchpfeifen kann, also die Hohlräume der Steine sind sichtbar. Hinter mir kommt eine Frau, ich Frage sie, ob sie mehr weiß als ich. "It is to dry the grain to put it in the ground." Hm, ..., ... ein anderer Pilger kommt, ja, die Funktion hat irgendwas mit Korn trocknen zu tun, Saatgut oder sowas. Es geht weiter, ich will heute endlich an's Ziel. Eine Stunde vor Palas de Rei treffe ich auf die beiden deutschen Frauen. Ich kann wieder voll mein Talent, ins Fettnäpfchen zu treten, ausspielen. Ich lasse mich darüber aus, daß seit Sarria der Camino kein Camino mehr wäre da ja jetzt die ganzen 100-km-Touristen da wären. Leider sind auch sie solche - autsch. Gleich die erste Herberge in Palas de Rei bei der ich es versuche hat Platz für mich und - das wollte ich schon lange mal wieder, ein Drei-Gänge-Pilger-Menü. Tagelang ohne richtiges Essen macht auch keinen Spaß. Schuhe sind mit Zeitung ausgestopft. Jetzt ist es zehn nach neun und für heute verschwinde ich im Bett.Read more