• Tag 22 Triacastela - Morgade 29 km

    May 1, 2025 in Spain ⋅ ☁️ 17 °C

    Triacastela - Sarria - Morgade 29 km. Einen Apfel und eine Banane in den Magen geschoben und kurz nach sieben geht es los. Gestern Abend, ca eine Stunde nach meiner Ankunft hat es nur noch geregnet. Ich fühlte mich gleich von Galizien begrüßt. Hier soll man ja einhundert verschiedene Begriffe für "Regen" haben. Kurz hinter Triacastela gabelt sich der Weg. Es gibt eine kurze, direktere Variante nach Sarria und einen ca. acht Kilometer längeren Weg über Samos. Ich hatte gestern schon für mich beschlossen, die kürzere Variante zu nehmen. Wenn man über Samos geht gibt es wohl ein kleines landschaftliches Highlight, der Weg ist derart mit Bäumen und. Sträuchern zugewachsen, daß man wie durch einen großen Hohlweg geht. Ich verzichte und wie ich sehe, alle anderen Pilger vor mir auch. Die Strecke führt nocheinmal nach oben, durch Reste übriggebliebener Bergdörfer. Gleich als erstes kommt so etwas wie eine umfunktionierte Kirche. Von weitem denkt man beim goldenen Kreuz auf dem Dach an eine solche. Dann entpuppt sich das Ganze aber als Museum gedacht. Ich mache ein Photo durch die offene Türluke. Drinnen hängen Gemälde. Daneben steht ein Auto mit UK- Kennzeichen. Vielleicht hat er Glück mit seinem Projekt. Es geht weiter. Auf ca. halber Strecke, in Fontearcuda, stehen plötzlich Hoftore offen und hier ist eine Food-Oase aufgebaut, die keine Wünsche offen lässt. Auch das Interieur ist beeindruckend. Für Donativo kann man hier eine Pause einlegen. Tatsächlich geht es gleich viel leichter weiter. Vom Berghang aus hat man irgendwann einen Blick auf eine größere Stadt. Das kann ja nur Sarria sein. Kurz vor Sarria überholt mich Sebastian aus Kolumbien. Mit dem hätte ich die letzten Tage ja nun gar nicht mehr gerechnet. Wir unterhalten uns vielleicht zehn Minuten. Dann kann ich mit seinem Schritt nicht mehr mithalten. Er bleibt in Sarria, ich will noch ein Stück weiter. Ziemlich am Ortseingang kommt auch gleich das Tourismusbüro, welches gleichzeitig als Pilgerbüro fungiert. Ich hole mir also einen Stempel und ab jetzt sind mindestens zwei pro Tag Pflicht. Der Ort ist nicht mein Tagesziel, also durch. Ab jetzt wird das "ruhige und sorglose" Pilgern wohl eh vorbei sein. Es geht noch Mal ordentlich bergan. Und auf den nächsten zwölf Kilometern merke ich schon, daß es ab jetzt voller werden wird. Normalerweise war ich bisher ab fünfzehn Uhr fast alleine. Jetzt sind viele junge, dynamische unterwegs, die grad erst in Sarria gestartet sind, denn man braucht ja für die Compostela nur die letzten einhundert Kilometer. Auch viele Gruppen. Also Zeit, meinen Weg auf dem Camino zu Ende zu bringen. Viele Menschen sind nicht meins. Eigentlich sollte die Anzahl der noch zurückzulegenden Kilometer heute Abend zweistellig sein. Hab ich wohl um zwei Kilometer verfehlt. Ich lande in Morgade. Eine schöne Herberge. Ich bin der letzte im Fünfbettzimmer. Auch daran merkt man, es wird voller.Read more