Tag 13 – Sonne, Küste und ganz viel Neufundland
August 13 in Canada ⋅ ⛅ 16 °C
Heute hieß es wieder früh raus aus den Federn, denn eine längere Tour stand auf dem Programm. Um 7:30 Uhr ging es los – und Neufundland meinte es richtig gut mit uns: viel Sonne, wenige Wolken, dafür ordentlich Wind. Perfektes Wetter für einen Roadtrip.
Noch schnell unseren persönlichen Reisebegleiter – eine Freundin von Emma – eingesammelt und dann ging es auf den Trans-Canada Highway 1. Der Highway führt einmal quer über Neufundland von St. John's bis nach Port aux Basques im Westen und ist die wichtigste Straßenverbindung der Insel. Ein Teil davon wird uns später noch auf unserem Weg Richtung Norden begleiten.
Nach rund 130 Kilometern erreichten wir Carbonear, für neufundländische Verhältnisse schon eine etwas größere Stadt – sogar mit Krankenhaus. Wir schauten uns den Hafen an, besuchten natürlich einen Souvenirshop und die Mädels holten sich erst einmal einen Kaffee.
Danach ging es zu einem Ort, den ich unbedingt sehen wollte: Heart's Content. Hier kam 1866 das erste dauerhaft erfolgreiche Transatlantik-Telegraphenkabel aus Valentia in Irland an. Nachrichten zwischen Europa und Nordamerika, die vorher mit dem Schiff viele Tage unterwegs waren, konnten plötzlich innerhalb kürzester Zeit übertragen werden. Wenn man die damalige Technik in der alten Kabelstation sieht, ist es beeindruckend, wie revolutionär das gewesen sein muss.
Zum Mittagessen fanden wir einen Platz mit herrlichem Blick auf das teilweise türkis schimmernde Wasser. Frisch gestärkt ging es anschließend noch zum Lighthouse. Die Drohne durfte kurz raus – und genauso schnell wieder rein. Einfach zu viel Wind!
Winterton stellte sich für uns als kleiner, verschlafener Ort heraus, deshalb ging es direkt weiter zum Hant's Harbour Lighthouse. Dieser versteckt sich auf einem kleinen Hügel und ist nicht direkt mit dem Auto erreichbar. Also Wanderschuhe für gefühlt unglaubliche 60 Meter geschnürt. 😁 Oben angekommen war aber sofort klar: Was für ein Ort! Hier könnte ich einfach sitzen bleiben und stundenlang aufs Meer schauen.
Beim nächsten Blick auf die Karte entdeckten wir Grates Cove. Also natürlich hin! Auch hier musste der Weg zum Lighthouse wieder zu Fuß zurückgelegt werden. Aber genau diese kleinen Orte und Aussichtspunkte machen unsere Touren inzwischen aus.
Am Ende der Halbinsel erreichten wir schließlich Bay de Verde. Der kleine Ort liegt exponiert auf einer schmalen Landzunge zwischen Conception Bay und Trinity Bay und ist seit Jahrhunderten eng mit der Fischerei verbunden. Auch nach dem Ende der großen Kabeljaufischerei 1992 blieb die Fischverarbeitung wichtig – heute vor allem mit Schneekrabben und Garnelen.
Eigentlich sollte es jetzt zurück nach Mount Pearl gehen. Aber da war ja noch Harbour Grace – also noch ein letzter Zwischenstopp.
Und der hatte einiges zu bieten. Im Hafen liegt seit 1967 die SS Kyle, die während eines Sturms von ihren Liegeplätzen losgerissen wurde und seitdem dort auf Grund sitzt. Besonders spannend: Unser persönlicher Reiseführerin erzählte uns, dass ihr Großvater damals selbst an Bord gewesen sein soll.
Harbour Grace hat außerdem eine beeindruckende Luftfahrtgeschichte. Von hier startete Amelia Earhart 1932 zu ihrem berühmten Solo-Flug über den Atlantik. In der Vergangenheit wurde eine Statue der Amelia Earhart dort zeitweise gestohlen bzw. beschädigt und später wieder ersetzt. Heute erinnert unter anderem die ausgestellte DC-3 Spirit of Harbour Grace an diese Zeit und die Bedeutung des Ortes für die frühe transatlantische Luftfahrt.
Jetzt aber wirklich nach Hause! Noch einmal 130 Kilometer vor uns – und wieder kein einziger Elch. Dafür gab es einige Straßenabschnitte, auf denen wir uns nicht so ganz sicher waren, wie schnell man eigentlich fahren darf.
Gegen 20 Uhr zurück in Mount Pearl wurden die Kinder samt zwei Freundinnen von Emma erst einmal bei einer Eisdiele abgesetzt. Für uns ging es zusammen mit Heather und Fred in eine Brauerei.
Und dort lernte ich: Bier muss man hier nicht unbedingt einzeln im Glas bestellen. Man kann auch einfach einen großen Krug auf den Tisch stellen. Bei den vielen Gesprächen war der erstaunlich schnell leer – also musste Nachschub her. Fred bekam von mir natürlich noch ein Bier tschechischer Machart spendiert.
Für den nächsten Besuch steht der Plan jedenfalls schon: einmal die linke Seite und einmal die rechte Seite der Bierkarte durchprobieren. 😁
Gegen 23 Uhr waren wir endlich wieder zu Hause. Aber wie so oft gab es noch so viele Gespräche und Themen, dass erst gegen Mitternacht wirklich Schluss war.
Was für ein langer – aber richtig schöner – Tag.Read more

























