Tag 22 – Keine Wale, dafür plötzlich Fischer 🎣🐋
August 22 in Canada ⋅ ☀️ 19 °C
Heute hieß es gemütlich gegen 8:30 Uhr aufstehen. Und tatsächlich gab es heute eine Premiere auf unserer Reise: Zum ersten Mal frühstückten wir direkt in unserer Unterkunft. Danach ging es nach St. Anthony, denn heute stand etwas auf dem Programm, auf das wir uns schon richtig gefreut hatten – unsere Bootstour mit Iceberg Alley Boat Tours.
Im Office wurden wir herzlich begrüßt und plauderten erst einmal eine Weile, bis unser Kapitän Keith eintraf. Noch einmal schnell zur Toilette und dann runter zum Hafen. Ein weiterer Gast gesellte sich zu uns und auch die Chefin stieg – mit einer Tablette gegen Seekrankheit intus – mit ins Boot. 😁 Vorher war klar abgesprochen: Sollte das Meer auf den ersten Kilometern zu unruhig werden, drehen wir wieder um.
Aber das Meer meinte es zunächst gut mit uns und so konnte es losgehen.
Unser erster Stopp führte uns zu einer Höhle, zu der Keith eine unglaubliche Geschichte erzählte. Vor Jahrzehnten soll dort ein Mann namens Billy mit seinem Ruderboot gekentert sein und sieben Tage in dieser Höhle ausgeharrt haben, bevor er gerettet wurde. Seine Hilferufe wurden von vorbeifahrenden Booten offenbar lange nur für ein Echo gehalten. Allein mit unserem kleinen Boot vor dieser Höhle zu liegen und sich das vorzustellen, war schon ziemlich beeindruckend.
Dann ging es hinaus aufs offene Meer.
Ab jetzt hieß es: Horizont beobachten! Irgendwo musste doch eine Fontäne auftauchen. Denn wo Wasser in die Luft schießt, könnte unser ersehnter Wal sein. 🐋
Wir schauten, warteten – und froren. Aber keine Fontäne.
Keith entschied deshalb, die Stelle zu wechseln und mit uns in ein Gebiet zu fahren, in dem sich momentan mehr Fisch aufhalten sollte. Schließlich folgen auch die Wale ihrer Nahrung. Doch auch dort blieb der Horizont trotz angestrengter Beobachtung verdächtig ruhig.
Also änderte unser Kapitän kurzerhand das Programm: Dann gehen wir eben angeln!
Keith zeigte uns, wie es funktioniert – und keine zwei Minuten später hing der erste Fisch an der Angel. Nach zwei oder drei Demonstrationen durften wir selbst ran. Paul legte gleich ordentlich vor und zog eines der größten Exemplare aus dem Wasser. Besonders die Oberfläche und Zeichnung der Fische fand er faszinierend.
Dann war ich dran. Meine Aufgabe schien allerdings eher die Nachwuchsabteilung zu sein: Ich war für die kleinen Fische zuständig. 😂 Aber auch die wurden natürlich verwertet.
Bei unseren Fischen handelte es sich sehr wahrscheinlich um Atlantischen Kabeljau – Atlantic Cod. Die gesprenkelte Färbung, der kräftige Körper und die deutlich erkennbare helle Seitenlinie sind typisch für diese Art. Kabeljau ist für Neufundland weit mehr als einfach nur ein Fisch: Über Jahrhunderte prägte die Fischerei Wirtschaft, Küstenorte und das Leben der Menschen auf der gesamten Insel.
Nach ungefähr 15 bis 20 Fischen war unsere kleine Fangaktion beendet und Keith machte sich mit uns auf den Rückweg.
Jetzt zeigte der Atlantik allerdings etwas mehr von sich. Die Wellen waren teilweise ungefähr einen Meter hoch und unser kleines Boot bewegte sich deutlich stärker als auf der Hinfahrt. Auch das Spritzwasser nahm ordentlich zu und eine Sitzbank wurde kurzerhand geräumt, weil dort regelmäßig eine ordentliche Portion Meerwasser ankam.
Nach einer beherzten und schnellen Hafeneinfahrt endete unser Abenteuer nach etwa 27 Kilometern und zweieinhalb Stunden auf dem Wasser wieder in St. Anthony.
Wale haben wir leider keine gesehen. Dabei gilt gerade die Region rund um St. Anthony an der Great Northern Peninsula als ein guter Ausgangspunkt für Walbeobachtungen im Norden Neufundlands. In den Gewässern vor der Küste und Richtung Strait of Belle Isle können unter anderem Buckelwale, Zwergwale und andere Walarten vorbeiziehen – besonders wenn sich genügend Fische in der Gegend aufhalten. Aber Natur bleibt eben Natur: Eine Garantie gibt es nicht, und heute wollten sich die Wale vor St. Anthony einfach nicht zeigen. 🐋
Wir hätten unsere frisch gefangenen Fische sogar filetiert mitnehmen und später in unserer Cabin zubereiten können. Dafür hätten wir allerdings noch einiges an Zutaten kaufen müssen und der Aufwand war uns dann doch etwas zu groß.
Und trotzdem waren wir uns alle einig: Die Tour war richtig klasse! Keine Wale, keine Eisberge – dafür eine kleine persönliche Bootstour, Geschichten von Keith, Angeln mitten auf dem Atlantik und eine Erfahrung, die wir so schnell nicht vergessen werden. Beim nächsten Besuch auf Neufundland würden wir das definitiv wieder machen.
Danach brauchten wir erst einmal etwas Festes unter den Füßen – und natürlich Tim Hortons. Eine Kleinigkeit essen, etwas trinken und den Magen wieder vollständig davon überzeugen, dass sich der Boden jetzt nicht mehr bewegt. 😁
Anschließend wartete noch ein echtes Stück Weltgeschichte auf uns: L’Anse aux Meadows National Historic Site.
Hier an der äußersten Nordspitze Neufundlands wurden 1960 die Überreste einer etwa 1.000 Jahre alten nordischen Siedlung entdeckt. Sie gilt als frühester gesicherter Nachweis europäischer Anwesenheit in Nordamerika und als einzige eindeutig belegte Wikingersiedlung auf dem Kontinent. Die Nordmänner errichteten hier Gebäude aus Holz und Torf und verarbeiteten sogar Eisen. Seit 1978 gehört L’Anse aux Meadows zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Natürlich konnten wir einen solchen Ort nicht einfach nur anschauen – eine Wanderung musste auch noch sein. Nach rund 3,4 Kilometern waren wir wieder zurück. Und zum Glück hatte sich inzwischen auch der Magen nach unserer Bootstour wieder vollständig beruhigt.
Auf dem Rückweg ging es noch in ein Restaurant zum Essen und danach direkt zurück in unsere Cabin. Warum auch immer – plötzlich waren wir alle ziemlich müde. Zweieinhalb Stunden auf dem Atlantik scheinen doch mehr Energie zu kosten, als man denkt.
Ich schaute noch einmal nach, ob wir irgendwie auf die gegenüberliegende Insel kommen könnten, um von dort den Sonnenuntergang besser zu sehen. Das stellte sich allerdings als nicht wirklich machbar heraus.
Also blieb es bei drei Runden Kartenspielen und einem gemütlichen Abschluss unseres Tages.
Gegen 22:30 Uhr war dann endgültig Feierabend.
Morgen heißt es wieder Sachen packen und ab ins Auto. Denn jetzt wartet unser letztes großes Highlight dieser Reise:
der Gros-Morne-Nationalpark. ⛰️Read more




























