• Cartagena

    Nov 8–12, 2025 in Colombia ⋅ ⛅ 29 °C

    Reisetage fühlen sich manchmal wie verschwendet an. Die Buslinie P500 fährt direkt vor unserer Haustür in Bogota zum Flughafen. Allerdings steht nicht mal in der offiziellen App, wann. Also stehen wir etwa eine halbe Stunde an der Haltestelle. Dann sitzen wir etwa eine Stunde im Bus. Und dann etwa 2 Stunden am Flughafen. Dann nochmal 2 Stunden im Flugzeug. Und dann? Sitzen wir eine halbe Stunde im Uber nach Getsemani, einem lebendigen Stadtteil von Cartagena. Wir fahren an der karibischen Küste entlang, die Sonne geht langsam unter. Gegen 18 Uhr ist sie verschwunden und wir sind endlich in Gestsemani. Um den Sonnenuntergang gebührend zu genießen, sind wir zu spät. Die Luft ist warm, die Farben strahlen abends intensiv. Ein Tag wie ein Ladebalken, der sich aber gelohnt hat. Wir verrückt, sich auf einmal in beschwingter Stimmung bei 30°C durch die Gassen zu schwitzen.  

    Unseren ersten vollen Tag lassen wir entspannt angehen. Wir schlafen aus, schauen uns den sky-scrapigen Teil der Stadt an (muss man nicht machen) und versuchen unser Glück mit dem Sonnenuntergang auf einem Catamaran (ich würde von mäßigem Erfolg sprechen).

    Tja, und jetzt kommt der unerfreulichste Teil unserer Reise (bis jetzt). "Natürlich" nehmen wir uns einen unserer Tage auch für die Inseln in der Karibik vor Cartagena. Tierra Bomba und so weiter. Für sowas muss man sozusagen eine Tour buchen. Leider findet sie in unserem Fall im unbequemsten Boot in dem wir je saßen statt. Die Schnorchel sind in einem hygienisch inakzeptablen Zustand (und das Korallenriff ist tot, aber das ist bei dem Publikum eigentlich ein Pluspunkt). Das Ganze ist eher eine Kaffeefahrt. Wir werden an verschiedene Strandbars gekarrt (wegbewegen schwierig) und für umgerechnet 40€ hätten wir noch mit Delfinen schwimmen können. Da stellt sich die Frage, wofür GetYourGuide überhaupt gut ist, wenn DAS die Top-Empfehlung ist. Für ein Gratisgetränk werden wir am Ende der Tour dazu aufgefordert, die Tour direkt zu bewerten. Die Leute machens, was für Idioten. Ich weiß nicht, ob die einfach nicht verstanden haben, dass sie verarscht wurden oder ob sie es sich nicht eingestehen wollen.

    Naja, ein paar schöne Momente gibt es an dem Tag. Eine Strandbar ist nicht total verranzt und wir gönnen uns einen Cocktail. Außerdem sehen wir Pablo Escobar's Inselunterkunft. Am Abend fressen wir uns durch unser Viertel und obwohl der Tag scheiße war fühle ich mich das erste Mal richtig angekommen. Der Jetlag ist langsam überwunden und Deutschland wirklich einen Ozean entfernt.

    Unser Hostel ist wirklich schön. Man weiß nicht ganz, wer zum Personal und wer zu den Gästen gehört. Das Frühstück ist liebevoll zubereitet und es gibt (one - two - three -- five - six - seven) sogar eine abendliche Salsastunde. An die TikTok-Fähigkeiten unserer Lehrerein kommen wir nicht ran, aber wir beherrschen den Grundschritt. Und wir lernen beim Tanzen Luigi kennen, einen italienischen Koch (ja, wirklich), der in Kanada wohnt. Er absolviert einen Teil der Stunde rauchend vor dem Tor des Hostels. Gemeinsam mit Fanny, einer jungen chilenischen Lehrerin verleben wir unseren schönsten (und leider auch letzten) Tag in Cartagena. Wir schlendern durch die Innenstadt, besorgen mir eine neue Sonnenbrille (meine alte ist vom Salzwasser beschädigt worden), probieren Mamoncillos (eine Frucht irgendwo zwischen Litschi und Kirsche), trinken wirklich wundervolle Limonada de Coco (Luigi bestellt zwei) und genießen den letzten Abend in Getsemani mit all der Kunst, dem Kaffee, dem Leben (und der 🤖 very - very - delicous Ice. Cream. 🤖).

    Mir wird an diesem Tag fünf (!) Mal Kokain angeboten. Ein Typ läuft 50 Meter neben mir her und zeigt mir Whatsapp-Videos mit kiloweise Ware. Einer bietet uns wahlweise eine Kutschenfahrt oder Weed an, aber wir lassen beides. Kleiner Bonus an dem Tag mit Fanny und Luigi: Sie sprechen immer mal wieder einen Mix aus Englisch und Spanisch und meine Sprachkenntnisse verbessern sich.

    Mit Dana zu reisen ist schön. Sie ist manchmal ein bisschen langsam und ich manchmal ein bisschen genervt, aber es ist wie im Alltag. Alleine auf Reisen heißt auch oft Einsamkeit. Und scheinbar sind wir ja auch in der Lage, so liebe Menschen wie Fanny und Luigi kennenzulernen. Nur meine alte Reisebegleitung, die Musik, kommt ein bisschen zu kurz. DO IT von Kanye West bringt mich wann immer ich will zurück auf die Straßen von Chiang Mai. Kolumbien hat bisher noch keine Musikkapsel.
    Read more