• Bogota: GameZone

    Nov 17–19, 2025 in Colombia ⋅ ☁️ 14 °C

    Eigentlich ist die Bogota relativ teuer, wenn man auf der Calle 85 nächtigt. Im Gegensatz zum überwiegenden Rest der Stadt kann man sich hier als weißer Europäer relativ angstfrei auch noch am späten Abend bewegen. Selbst im südlicheren La Candelaria, in dem sämtliche nennenswerten Touristenattraktionen aufgereiht sind, meidet man ab Einbruch der Dunkelheit lieber die Straßen.

    Das JOY Hostel bietet seine Betten in Kapseln an und kostet uns beide insgesamt 50€ für zwei Übernachtungen, Wäsche von ~5kg und den Shuttletransport zum Flughafen. Die Kapseln sind eine Zukunftsvision, die wahrscheinlich seit Beginn des Sci-Fi-Genres existieren. Die Vision bezieht sich dabei eher auf die Unterbringung auf Reisen, die hunderte Lichtjahre gehen und nicht auf Budget-Backpacking in Südamerika. Aber - sie ist genau dort Realität geworden. Pro Schlafkapsel ein Volumen von ~6m³, insgesamt sind sie viergeschossig gestapelt. Durchnummeriert, mit entsprechender Keycard, 2 Personen können in einer Kapsel schlafen. Es gibt verschiedene Dimmstufen für die Beleuchtung drinnen, einen Fernseher und einen Lüfter, der die ganze Nacht durchläuft. Weißes Rauschen, ist okay. Man fühlt sich ein bisschen wie im Innern eines Rechners. Der Platz ist kapselmaximal genutzt, es gibt nicht mal Platz für den Rucksack, der steht in einem Extraraum beim Eingang. Optisch erinnert das Ganze an einer Lasertagarena oder ein Quake-Level. Direkt im ersten Gang sitzt einer mit einem Gaming-Laptop und spielt League of Legends, wie passend.

    Wir müssen *richtig* früh raus, unser Flug nach Buenos Aires geht um 07:15 Uhr. Das bedeutet um 3 Uhr aufstehen, hatte ich beim Buchen nicht auf dem Schirm. Wir schaffen unsere Habseligkeiten aus der Kapsel und dem zugehörigen Spind, holen unsere Rucksäcke aus dem Rucksackraum und packen im Frühstücksraum unseren Kram zusammen. Im Frühstücksraum steht eine Palme, die durch ein Loch in der Plexiglasdecke wächst. Passt nicht so richtig, denn der Frühstücksraum ist irgendwie auch in die Egoshooterhaftigkeit eingebettet. Man kann die Kapselgänge auch von dort aus sehen. Die Böden der Zwischengeschosse sind schwarze Gitter, sieht aus wie ein 3D-Modell, in dem die beiden Polizisten da durch die Gänge leuchten. Ja genau, es sind heute Nacht Polizisten im Kapselhostel unterwegs. Sie grüßen freundlich und durchsuchen das Wireframe argwöhnisch. Einer verschwindet in die Küche, dann verduften beide.

    Inzwischen ist Sandro, unser Fahrer, aufgetaucht. Überpünktlich, 20 Minuten vor der Zeit. Ich muss Dana ein bisschen stressen, auch wenn es mir leid tut. Eine Frau in schwarzen Lederhosen kommt in den Frückstücksraum, überrascht, uns zu sehen. "Aeropuerto?" fragt sie und lächelt "Si!" sage ich und lasse gestisch ein Flugzeug abheben. Sie verschwindet in die Küche. Hai, ich bin jetzt ein *wirklich* harmloser Tourist, so einen harmlosen Touristen habt ihr noch nicht erlebt. Dana ist immer noch nicht fertig mit packen und lässt mich spüren, dass sie gestresst ist. Aber da müssen wir jetzt durch. Pünktlich um 03:45 sitzen wir im Shuttle. Dana sitzt angesäuert, ihren kleinen Rucksack in den Armen auf dem linken Rücksitz neben mir. Die Polizisten sind wieder da drehen eine weitere Runde durchs Hostel. Wäre ich die Frau mit der schwarzen Lederhose gewesen, ich wäre einfach in meiner Kapsel geblieben. Es sind ja immerhin überall Kameras installiert, wie in einer echten Lasertagarena. Was auch immer da gelaufen ist, ich stecke den Polizisten lieber nix. Wir müssen schließlich unseren Flug nach Buenos Aires bekommen.
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