• Buenos Aires: Drehkreuz

    Nov 19–25, 2025 in Argentina ⋅ ☀️ 22 °C

    Hach, ich liebe gute Taxifahrer. Ich erinnere mich noch an meine erste Ankunft in Südamerika, La Paz 2023. Keine Fahrt, eine Jagd. Unser Fahrer jagt nun durch die Straßen Buenos' Aires, sein Ziel die Villa de la Cultura, seine Beute 20% Trinkgeld, muchas gracias. Betrunken ist man spendabel.
    Wir kommen gerade vom Asado. Das ist traditionelles argentinisches Barbeque, ausgiebig gefeiert im Freundes- und Familienkreis. Mein Kollege Lucas hat uns auf seine Dachterasse eingeladen. Kiloweise Fleisch, ich sags euch. Wahnsinnig lecker. Höchster Stellenwert für Argentinier.
    "He's one of the cool kids. He's tall and... You know, pretty handsome. But with the mean jokes, its too much. Its too much.". Lucas hat einen Becher Wein in der Hand, es ist 02:15 und er träumt laut von seinem Sohn Matteo. Seine Frau Amy kommt dazu und amüsiert sich darüber, dass es ihm vielleicht doch nicht too much ist mit den mean jokes in der Schule.

    Buenos Aires, das bedeutet: Abgefuckte Hochhäuser, dazwischen Tango, Taschendiebstahl, Tortenbäcker und Villen. Unser Host Marcus - Schweizer, Tangolehrer, Architekt und gelernter Zimmerkellner - ist seit 2018 Besitzer einer dieser Villen. Naja, oder zumindest der 2 wesentlichen Wohnungen ebenjener. Von der Dachterasse aus kann man den Congreso sehen. Bei Kaffee und Kuchen erzählt er uns vom Haus und seinem Weg hierher. Gabriela sitzt auch mit am Tisch. Ich weiss immer noch nicht so genau, ob sie auch Gast in der Villa ist oder (so halb) die Partnerin von Marcus. Auf jeden Fall spricht sie fast nur spanisch, unterhält sich aber dafür sehr viel mit uns. Eine sehr liebe Frau, auf Dauer ist es aber ein bisschen anstrengend, die Gespräche zu dechiffrieren.

    Um die Ecke gibts ein sehr bemerkenswertes Restaurant. El Espanol. Kiloweise Fleisch, mal wieder. Und literweise Bier. Sehr sehr gut und auch sehr günstig. Wir gehen da dreimal essen und die Tage fließen recht träge vor sich hin. Es ist langsam wirklich genug Stadt. Städte sind dann doch irgendwie gleichförmig. Plätze, Kirchen, Museen, Streetart, Cafes, puh. Fühlt sich manchmal an, als wäre man die ganze Zeit in einem *Drehkreuz*. Die ~bunte Künstlerstrasse~ El Caminito, versteckt im kriminellen Viertel La Boca, hat ihre Seele vollständig an Souvenirshops verloren. Ich hab unten 2 Spiele aufgeführt, die man spielen kann, wenn einem beim Städtetrip langweilig wird.

    Es gibt aber zumindest noch den Tango. Den kann man entweder im Rahmen einer Dinnershow betrachten oder zum Beispiel im MARABU, einem Tangoclub. Eintritt liegt bei 5€, dafür wird man abschätzig beäugt. Aber es gibt sogar noch Leute in schlimmeren Wanderklamotten, einer hat eine knallgrüne Hose an. Die Atmosphäre hier - irgendwas zwischen Altersheim und Galaabend. Ein glattgestriegelter Typ macht sich erfolglos an die beiden Schweizerinnen am Nebentisch ran.
    Aber dann nimmt der Abend aufeinmal Fahrt auf. Livemusik, wirklich gut, schmissig moderiert. Und dann tanzen 2 Paare einen Showblock. Gleiten, wirbeln, schillern. Haben wir unseren Abend wohl doch nicht versehentlich in eine 3/4 Stunde Amateurtanz versenkt.

    Davon abgesehen sind wir jetzt aber natürlich auch in Argentinien. Das bedeutet einmal ein höheres Sicherheitsgefühl, aber gleich zwei Knappheiten: Käse und Bargeld. Den Käse spricht man glaube ich eher nicht an, Argentinien ist da recht stolz. Und auf der Pizza gibt es nach wie vor absurde Mengen Käse, so viel, dass es wirklich keinen Spaß mehr macht.
    Beim Bargeld geht es schon in eine gute Richtung. Der Blue Dollar - ein inoffizieller Wechselkurs - ist inzwischen Geschichte und man kann problemlos mit Kreditkarte zahlen. Also zumindest in der Großstadt. Aufm Land siehts anders aus, da geht nur effectivo - cash. 800€ abheben im Reichenviertel Palermo wird doch wohl gehen, oder? Nope. Ich probier 10 Banken durch, maximal 80€. Man muss allen Ernstes Geld an SICH SELBST verschicken. Das geht mit Western Union und ist unnötig kompliziert, ich spar mir die Details.

    Tja, ansonsten waren wir im schönsten Buchladen der Welt. Ich würde sagen, unfaires Spiel. Die haben einfach ein sehr schönes Theater in einen Buchladen umgewidmet. Ich kauf mir trotzdem Julio Cortázars "Bestiario" (auf spanisch), das ist wohl relativ einfach zu lesen. Die ersten 3 Sätze hab ich schon.

    Wegen dem Bargeld und Western Union sind wir fast zu spät am Flughafen. Ich freu mich auf Ruhe und Capybaras. Adios Staub, adios Diesel, adios Drehkreuz. Wir sehen uns in Santiago de Chile nächstes Jahr wieder.

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    Spiel #1: Verstecken in der Kirche

    In dem Spiel versteckt man sich in einer Kirche. Allerdings hockt man sich am besten nicht hinter irgendeinen Altar, sondern versucht sich bestmöglich staunend oder betend in die Masse einzufügen. Bonus ist: Man entdeckt beim Suchen viel und im Versteck findet man ggf. zu Gott.

    Spiel #2: Bemerkenswerte Dinge

    In dem Spiel sitzt man z.B. im Bus oder geht eine Strasse entlang. Bis zur nächsten Haltestelle oder Kreuzung gilt es, das Bermerkenswerteste zu finden. Das kann ein komisch platzierter Mülleimer, ein schönes Haus oder eine cool angezogene Person sein. Man muss den anderen darauf hinweisen, was man Bermerkenswertes sieht und am Ende wird der Gewinner der Runde bestimmt.
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