• Mendoza: 2 Filler-Tage

    Dec 14–16, 2025 in Argentina ⋅ ⛅ 17 °C

    Nachtbus-Fahrten sind Tupfer von Schweißgeruch und Erschöpfung - aber die lassen einen eins werden mit der Reise. Es ist ein Stück Lebendigkeit, das Bufftuch über die Augen zu ziehen, um doch bei jedem Dorf-Terminal aus dem Schlaf gerissen zu werden. Die Sitze in Südamerika sind bequem, man hat seinen eigenen Liegesessel. Das macht das Ganze erträglich. Und wenn man ankommt, erwacht auch der Busbahnhof gerade zum Leben.

    Um 07:40 ist es soweit: Mendoza. Bevor wir nach San Rafael sind, haben wir hier schon einmal eine Übernachtung eingeschoben. Diesmal schlafen wir im Lyon Hostel. In Hostels kann man eigentlich immer sein Gepäck abgeben. Meistens geht auch duschen. Beim Lyon stehen wir erstmal vor veschlossenen Türen, dürfen aber eine halbe Stunde später sogar schon unser Zimmer beziehen. Den Vormittag unverhofft durchnappen, damit fühlt man sich dann auch körperlich wieder lebendig.

    Mendoza ist wirklich eine schöne Stadt. Ich würde sagen, bisher mein Liebling in Argentinien. Es ist freundlich und aufgeräumt, aber nicht verschlafen.
    Wir verbringen den angebrochenen Tag mit Essensbeschaffung und der Suche nach einer Bialetti. Ich hab keinen Bock mehr auf Beutel-Kaffee. Eigentlich find ich Bialettis ein bisschen aufwändig. Man braucht einen Herd und muss sich noch extra Wasser aufkochen, wenn man nicht grad einen Espresso möchte. Aber der Kaffee schmeckt und eine kleine Bialetti bekommen wir im Gepäck unter.

    In Mendoza starten wir auch ein kleines Pen&Paper-Abenteuer. Eine KI ist Spielleiter und bekommt den Auftrag, uns durch eine postapokalytische Kanalisationswelt zu führen. Wir spielen zwei Ratten namens Johnny und Mausezahn und schwingen uns mit Enterhaken und taktischen Spielzügen schnell in ein Spezialkommando der Rebellion. Wir rauben erfolgreich die Waffenkammer der Oberweltratten aus, platzieren einen Doppelagenten und wehren den geplanten Vernichtungsschlag von General Eisenklaue erfolgreich ab. Es macht echt Spass, ich kanns empfehlen.

    Aber genug von Ratten. Einen unserer Tage hier widmen wir dem Wein. Mendoza ist nämlich Weinland. Nicht nur die Stadt, die gesamte Region. Wir verkosten insgesamt 5 Weine in 2 Weingütern. Manuel, der Besitzer des ersten Guts erzählt uns von seinen deutschen Vorfahren namens "Fuchs". Ich entgegne, dass die meisten Fuchs nach dem Krieg ins Ausland seien. Findet er nicht lustig. Das Gut ist aber wirklich schön und der Crazy-Horse-Wein ist tatsächlich mal was neues. Leicht, fruchtig und rot, aber trotzdem ein richtiger Wein. Der Tag ist ein bisschen grau und viele Güter haben geschlossen, weil Sonntag ist. Deshalb nehmen wir noch eine Flasche mit ins Hostel und trinken sie mit Selene leer, einer Mitbewohnerin im Hostel Lyon. Selene ist 25 und frustriert über die Entwicklungen in Argentinien, aber sie liebt Land und Landschaften.

    Von Selene bekommen wir auch noch einen Tipp für den nächsten Tag - Mendoza hat einen riesigen Stadtpark (laut Selene den größten Argentiniens), der auch über einen Berg verfügt. Und es IST ein Park, ich will es nicht abstreiten. Aber die riesige Fläche ist eher von Autos zu durchqueren als von Fußgängern. Es gibt einen Golfplatz und allgemein eine nennenswerte Zahl größerer nicht-passierbarer Grundstücke. Wir gehen die ganze Zeit an einer Straße entlang, stoßen irgendwann auf eine Baustelle und schlängeln uns zwischen Walzen und Baggern durch. Was für ein verrückter Weg, um den Aufstieg auf den Stadtberg starten zu können. Der Ausblick - naja - aber dafür steht auf dem Gipfel ein wirklich wunderschönes, massives Denkmal. Manche Figuren treten aus ihrem Relief heraus, welches schemenhafte Geschichten erzählt. Gekrönt wird das Ganze von irgendeiner heroisch stürmenden Figur mit Pferd und allem. Irgendwann beschäftige ich mich mal damit, an wen das erinnern soll. Für den Rückweg nehmen wir uns ein Uber. Mit dem passieren wir auch das ~bekannte Tor~ des Stadtparks. Man kommt auch hier quasi nur mit dem Auto durch.

    Tja, und nach diesen zwei Filler-Tagen geht es erneut in den Nachtsbus. Diesmal 18 Stunden, nach Bariloche. Bufftuch, Schweiß, Liegesessel. Hach, aber die Belohnung heißt Patagonien - Wir kommen!
    Read more