• Bariloche: Frey zwischen hohen Zinnen

    Dec 16–20, 2025 in Argentina ⋅ ⛅ 20 °C

    Bariloche ist endlich mal ein Ort mit richtigem ÖPNV. Für jeden, der einen längeren (stationären) Urlaub plant, wirklich eine Top-Empfehlung. Die Stadt liegt an einem riesigen See und ist umgeben von malerischen Nationalparks, schroffen Gipfeln und Panoramen, an denen man sich nicht sattsehen will.

    Um etwa 14 Uhr checken wir in unserer Unterkunft ein. Wie man die klassifizieren will - keine Ahnung. Ein in die Jahre gekommenes 2-Sterne Hotel, das aber nichts an Stolz einbüßen wollte? Die Küche darf man auf jeden Fall nicht mitbenutzen und im Frühstückssaal darf wirklich nur gefrühstückt werden. Die Teppiche müffeln daneben vor sich hin. Schön und zuvorkommend ist es hier trotzdem. Die hochgewachsene Rezeptionistin gibt uns direkt Wanderempfehlungen. Wir fragen explizit noch nach "real hikes". Kriegen wir - die Wanderung zum Refugio Frey.

    Bevor wir uns auf zum ersten patagonischen Naturerlebnis machen, gehts zum Asado. Diesmal in ein Restaurant, rein aufs Essen fokussiert. Und man muss schon sagen - der Asador blickt uns zu Recht voller Stolz in die Augen, wenn er die nächste Platte erstklassigen Grillguts serviert. Den Floh hat uns Selene in Mendoza ins Ohr gesetzt.

    Wir lassen es seicht angehen mit Patagonien. Den ersten Tag füllen wir mit zwei kleinen Touren. Die erste führt uns steil auf den Cerro Campanario und belohnt uns mit einem atemberaubenden Panorama. Es ist schwer zu begreifen, man will in diesem Panorama schwimmen und Teil davon sein. Ich beneide mal wieder die Vögel, die hier ihre Kreise drehen. Aber naja: Apfelstrudel, Postkarten, dann Seilbahn zurück zur Bushaltestelle. Ein paar Haltestellen weiter geht es in den Llao Llao Nationalpark. Ein Wald, in dem Otto Walkes seine Zwergenfilme hätte drehen können. Er knarzt wie ein alter Schaukelstuhl, kleine Häuschen zieren die Wege. Manche Bäume tragen ein Wurzelkleid.
    Wir treffen auf einen See und spazieren an seinem Strand entlang, auf der anderen Seite thront ein beachtlicher Berg. Windstöße entfachen Wellenschüsse, bei denen man nicht sicher ist, ob darunter vielleicht ein Fischschwarm durchs Wasser jagt.

    Es ist schon ein bisschen später am Nachmittag, aber wir gehen trotzdem eine größere Runde durch den Park. Und werden nochmal belohnt, mit einem Mirador über einen weiteren See. Was für ein Blick! Auf den Berg Llao Llao schaffen wirs nicht mehr. Aber das ist auch nicht schlimm, ab nach Hause. Denn am nächsten Tag wartet schon unser Real Hike. Nach einem Burger finden wir heraus, dass wir schon um 07:15 an der Zentralhaltestelle sein sollten, um genügend Puffer zu haben.

    6 Stunden Schlaf und dann mehrfach die Erkenntnis, dass um diese Uhrzeit wirklich noch kein Bäcker oder Imbiss aufhat. Das Frühstück unserer Unterkunft hat die Dimension eines Kaffees mit einem Kekstütchen. Zumindest Wasser bekommen wir bei einem Kiosk. Den 4-stündigen Aufstieg bestreiten wir mit den Nusssnacks, die Dana noch aus Buenos Aires hat.

    Es ist ein schöner Aufstieg. Die ersten Kilometer ziehen sich etwas öde an einem Berg entlang, ein bisschen bouldern ist aber auch wieder dabei. Dann führt uns ein Flüsschen dem Refugio entgegen. Wasserfälle, hämmernde Riesenspechte (wir hören sie nur) und veträumte Lichtungen im Wald. Später wird es schroffer, steiler, sandiger. Links und rechts Hänge mit Geröll. Die Sonne steuert auf ihren Zenit und wir sehen das Refugio inzwischen schon. Es ist bewirtschaftet und wir gönnen uns eine Pizza. Hinter dem Refugio liegt ein malerischer Bergsee, eingekesselt zwischen Abhängen, die in Steinzinnen münden. Wow. Ein Weg führt einmal um den See herum, es ist wirklich malerisch. Wir laufen an Moosen und Pflänzchen vorbei, die allem hier eine Farbenpracht verleihen. Über uns die Zinnen und dazu dringt hier kein Laut aus der Außenwelt durch.

    Nach 2 Stunden an diesem Ort machen wir uns auf zum Rückweg. Mein Knie fängt an zu schmerzen. Aber es geht, gerade so. Ich lass Dana beide Stöcke, ansonsten bekomm ich stattdessen Probleme mit den Ohren (hö. hö.). Dana ist nämlich sowieso schon gereizt wegen einer Bremse, von der sie belagert wird. Nach einem kurzen Wutanfall muss sie wieder lachen, als ich ihr versichere, das Bremsenthema unbedingt beim nächsten Elternabend anzusprechen.

    Der letzte Tag ist Pausentag. Mein Knie muss sich regenerieren, aber es scheint zum Glück nichts ernstes zu sein. Ganz normale Abstiegsschmerzen. Schon mal üben für die deutsche Wirtschaft, wenn wieder zuhause sind (ha. ha.). Also: Käffchen trinken. Und dann: Aufteilen, wegen Weihnachten. Das ist dieses Jahr speziell, aber ein bisschen Bescherung muss schon sein. Ich besorge für Dana eine vollständige Mate-Ausrüstung, das ist ja voll ihr Ding. Ausserdem noch ein paar Capybara-Spaßartikel aus einer Art Japan-T€Di namens Fukuoka. Witzig, denn Fukuoka ist auch auf unserer Route in Japan schon fest eingeplant.
    Dana ist schneller fertig und wartet in einem okulten Kaffee auf mich. Sie hat ein Ausmalbild bekommen, um generationale Traumata zu bewältigen. Ich bekomme auch eins. Das Wasser wird mit Kristallen serviert, wegen den Energien.

    Und das wars auch schon mit Bariloche. Hier hätten wir länger bleiben können. Das letzte Frühstück in unserer Unterkunft ist an einem Samstag. Aus irgendeinem Grund bedeutet das ein weitaus großzügigeres Aufgebot, wir bekommen sogar Honig. Der ist in Patagonien was ganz anderes. Er ist schärfer und schmiert sich eher wie feine Marmelade. Leggor.
    Read more