El Bolson: Die Raucherlunge Patagoniens
Dec 20–25, 2025 in Argentina ⋅ 🌧 17 °C
Nur 2 Stunden dauert die Fahrt von Bariloche nach El Bolson. Es war nicht ganz klar, ob wir hier überhaupt einen Stop einlegen. Immer wieder wüten hier Waldbrände. Beim Start unserer Reise waren gerade die Aufräumarbeiten des verheerenden Januar-Brandes abgeschlossen.
Die Nerven hier liegen blank, mein Gefühl. El Bolson ist angewiesen auf Tourismus. Erst schreiben mir unsere Gastgeber, ich solle die Booking.com-Buchung stornieren (Kosten sparen), in der nächsten Nachricht werde ich angepampt, warum ich so kurzfristig absage. Nach der Klarstellung gelangt das Handy auf der anderen Seite wieder in die Hände von Sabrina, die auch die erste Nachricht geschrieben hat. Statt des kleinen Zimmers im Dachgeschoss dürfen wir in einem Containerhäuschen unterkommen. Den Start wieder geradebiegen? Da sagen wir nicht Nein. Eigenes Bad, eigenes Wohnzimmerchen, mehr Privatsphäre.
El Bolson ist bekannt als Hippie-Städtchen mit ~Vibes~. Vielleicht ist es meine FDP-Vergangenheit, vielleicht mein Alter. Aber irgendwie kann ich dem ganzen nicht mehr so viel abgewinnen. Jonglierende Leute mit Clownsnase die auf happy machen und dutzende Perlenketten-Ständchen. Passt irgendwie nicht dazu, dass es hier regelmäßig brennt.
Ansonsten ist die Stadt ist umgeben von Bergen, direkt neben unserer Unterkunft ragt der Cerro Amigo empor. Verrückt, permanent von Felstwänden umgeben zu sein. Ich besorg mir noch Wanderstöcke, damit mein Knie nicht doch noch einknickt (funktioniert hervorragend).
Unsere erste Wanderung geht zum Cajon Azul. Eine bläulich schimmende Schlucht, durch die ein Fluss strömt. Der Bus fährt um 8 Uhr morgens an der Hauptstraße ab, das Ziel heißt "Wayton", 20km. Die Busse fahren nur 3 Mal täglich, kein Bariloche-Kompfort. Auf der Fahrt öffnet sich links ein verbranntes Tal, aus dem ein riesiger Regenbogen ragt. Es ist absolut verrückt, dass es Regenbogen überhaupt gibt. Das wird mir nochmal neu klar. Warum ist es bunt und zusätzlich auch noch ein Bogen? Egal.
Am Waldeingang wachen permanent Ranger, wir müssen uns registrieren. 2 Stunden geht es vorbei an Kohlenwäldern, dann der Rio Azul und wieder grün. El Bolson ist deutschen Siedlern zu verdanken. Und sie haben die Berghüttenkultur mitgebracht. Wir trinken Kaffee in einer dieser Hütten und gehen dann weiter den Fluss entlang. Vor uns zeichnet sich schon die Schlucht ab. Weiter und weiter bis zu Hinweisschildern, dass wir ab hier extrem vorsichtig sein sollen. Enge Pfade schlängeln sich direkt an der Schlucht entlang. Ist echt nicht ganz ohne. Wir legen unsere Brotpause an einem Vorsprung ein und werden von einem mageren Bettel-Hund belagert.
Und ziemlich bald sind wir wieder im Wald, erkunden noch eine Höhle und machen uns auf den Heimweg. Wir sagens beide nicht, aber besonders schön ist die Wanderung nicht. Muss man vielleicht aber auch mal sehen, ich weiß es nicht. Der Cajon Azul selber ist natürlich wunderschön.
Wir nehmen Thomas aus den Niederlanden im Uber mit, weil der nächste Bus erst in 2.5 Stunden kommt. Der ist einfach nach Südamerika GESEGELT. Abends Burger und Kartenspiel mit Thomas.
Eine weitere Wanderung geht zum Enchanto Blanco. Wir sind die einzigen Wanderer auf dem Weg. Das erklärt sich nicht wirklich, weil die Wanderung wirklich 10 Mal schöner ist als die zum Cajon Azul. Der Weg ist markiert, allerdings blockiert ein riesiger Baumstamm unseren Weg nach 20 Minuten. Also biegen wir einfach rechts ab und schlagen uns 1.5 Stunden durch morastige Gauchopfade, die nicht mal auf OSM verzeichnet sind. Es ist ein ziemlich enges Netz, irgendwann sind wir wieder auf einem westlich erschlossenen Weg. Hier kommen kaum Wanderer hin, Geäst auf steilen Hängen. Und dann sind wir endlich am Fluss. Fast 4 Stunden ist er unser Begleiter, wir überqueren eine Hängebrücke, Indiana Jones-Romantik. An einem Refugio begrüßt uns ein Kater, der dringend Streicheleinheiten einfordert. Der Ort könnte "Pettersson und Findus" entstammen, wir sind hier aber die einzigen Menschen. Brotzeit. Den Rückweg gehen wir nicht über die Gauchopfade, irgendwie kommt man am Baum vorbei. Spart man halt auch viel Zeit und man weiss, dass man ankommt.
Heiligabend kochen wir Risotto, braten ein Entrecote, telefonieren mit unseren Familien, dann Bescherung. Ich bekomme einen Alpakapulli und einen Rubics-Cube.
Tja, und am ersten Weihnachtsfeiertag startet um 10 Uhr unser 25-Stunden Bus nach El Chalten. Wenn El Bolson die Raucherlunge Patagoniens ist, ist El Chalten das gesunde Herz.Read more
























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