Colombey - les - Deux - Eglises
January 2 in France ⋅ ☁️ -1 °C
(English Version Below)
Der zweite Morgen. Wieder ist die Windschutzscheibe gefroren. Obwohl die Temperatur nur um ein Grad unter Null gefallen ist, nachdem der Himmel sich am Abend mit dunklen Wolken überzogen hat.
Der erste Tag im neuen Jahr war voller Schmerzen. Rücken. Knie. Irgendwann ist mir Hilde auf die Hand getreten, jetzt ziert ein Pflaster den Handrücken. Abends habe ich eine zweite halbe Ibu genommen, weil ich nicht mehr sitzen konnte.
In der Nacht habe ich vom König geträumt, der über mein Leben bestimmt wegen einer Handvoll Bananen, die für ein kleines Kind gekauft wurden. Hoch über den Ort thront ein doppeltes Kreuz, das Memorial "Charles de Gaulle", eine Gedenkstätte der Franzosen.
Es ist verborgen hinter den Bäumen und den Häusern des Ortes Colombey-de-deux-Eglises, der auf zwei versteckten Ebenen, umrandet von Kiefern dem Camper einen kostenlosen Schlafplatz bietet.
Es war schon dunkel, als wir ankamen, ein paar Lichter zur Straße hin, ein beleuchtetes Haus zwischen den Ebenen, der Garten geschmückt von Weihnachten her. Frankreich bietet dir alles zum Anfang des Jahres. Der Aufbruch, die Ankunft, der Lichterglanz, die Einsamkeit.
Im Dunkeln sehe ich eine junge Frau auf dem Trottoir, die Jacke am Hals festhalten wegen dem kalten Wind, geht sie nahe der Mauern an den Häusern entlang. Ich sehe nicht ihr Gesicht, aber sie strahlt eine Anmut aus, alleine aus der Tatsache, wie verloren sie zwischen den Häusern wirkt.
Ein Zug im Sonnenuntergang, der nirgendwo mehr hinfährt, eine alte Papierfabrik, durch deren Fenster das Licht hindurch scheint. Eine unbewohnte Leere.
Das alte Château Bussy-Rabutin hinter Mauern verborgen, auf denen der Schnee der letzten Nacht überdauert. Wir fahren kleine Straßen zwischen Feldern hindurch, kleine Orte mit Schatten voller Eis, eine gefährliche Kurve, ein steiler Hang, unten eine Kreuzung, ich versuche vorsichtig bergab zu fahren, ohne zu rutschen. Schweiß auf der Stirne, wir halten kurz an, der Weg ist frei.
Das ganze Land ist voller Erinnerungen, Kreuze und Kriege, Denkmäler und Weihnachtsdekoration, da ist jemand geboren, viele gestorben, heute meint man manchmal, das kaum noch einer hier lebt. Mit Fensterläden verschlossene Häuser, vernagelte Türen, fröhliche Weihnachten.
"Ici on ecrit votre histoire". Hier wird unsere Geschichte geschrieben, steht an einem alten Haus. Vor der Mairie, dem Haus des Bürgermeisters, eine bunt blinkende Weihnachtsgeschichte. Nicht die der Bibel, eher der Phantasie von Geschichtenerzählern entsprungen.
Viel Lichter, blinkende Lichter, beleuchtete Fenster und Bäume, Kircheneingänge, Kreuzungen. Ich liebe es, in dieser Zeit in Frankreich unterwegs zu sein. Ein bisschen Märchen, ein Hauch Paradies, eine Messerspitze Wahrheit, und über allem der kalte Wind.
Das Eis an der Frontscheibe ist getaut, schemenhaft die Lichter an der Rue de Pisseloup, wo der Bürgermeister wohnt. Wenn du dort bergauf gehst, da oben auf dem Berg, da lebt der Geist des Generals, der tief im Tal, versteckt hinter Häusern, an denen gerade der Morgen in den Fenstern erwacht, den blauen Bus entdecken würde, der uns Schutz in der Nacht geschenkt hat.
Hilde schläft unter der Decke, dieses Mal halte ich die Wacht.
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The second morning. Again the windshield is frozen. Even though the temperature has only dropped by one degree below zero, after the sky became overcast with dark clouds in the evening.
The first day of the new year was full of pain. My back. My knee. At some point, Hilde stepped on my hand, and now a bandage adorns the back of it. In the evening, I took another half-tablet of ibuprofen because I couldn't sit anymore.
During the night, I dreamt of the king who holds my fate in his hands because of a handful of bananas bought for a small child. High above the town stands a double cross, the Charles de Gaulle Memorial, a French monument.
It's hidden behind the trees and houses of Colombey-de-deux-Églises, a town that offers campers free sleeping quarters on two secluded levels surrounded by pine trees.
It was already dark when we arrived, a few lights facing the road, one illuminated house nestled between the levels, the garden decorated for Christmas. France offers you everything at the beginning of the year: the departure, the arrival, the glittering lights, the solitude.
In the darkness, I see a young woman on the sidewalk, clutching her jacket around her neck against the cold wind, walking close to the walls of the houses. I can't see her face, but she radiates a grace, simply from the fact that she seems so lost among the buildings.
A train at sunset, going nowhere, an old paper mill with light filtering through its windows. An uninhabited emptiness.
The old Château Bussy-Rabutin, hidden behind walls where the snow of the previous night lingers. We drive along small roads between fields, through small villages with shadows filled with ice, a dangerous bend, a steep slope, an intersection below, I try to drive carefully downhill without slipping. Sweat on my forehead, we stop briefly, the way is clear.
The whole country is full of memories, crosses and wars, monuments and Christmas decorations, someone was born here, many died, today you sometimes get the feeling that hardly anyone lives here anymore. Houses closed with shutters, nailed-shut doors, merry Christmas.
"Here our story is written," it says on an old house. In front of the Mairie, the mayor's house, a brightly flashing Christmas story. Not the one from the Bible, but rather one born of the imagination of storytellers.
Lots of lights, flashing lights, illuminated windows and trees, church entrances, intersections. I love being in France at this time of year. A touch of fairy tale, a hint of paradise, a pinch of truth, and above it all, the cold wind.
The ice on the windshield has melted, the lights on Rue de Pisseloup, where the mayor lives, are shadowy. If you walk uphill there, up on the hill, the ghost of the general lives, who, deep in the valley, hidden behind houses where morning is just beginning to break through the windows, would discover the blue bus that gave us shelter in the night.
Hilde is asleep under the covers; this time I'm keeping watch.Read more


























TravelerGute Besserung dir! Das klingt ja nicht so gut… Fahr außerdem vorsichtig, aber das machst du ja sowieso…