Lorsch
January 24 in Germany ⋅ ⛅ 0 °C
(English Version Below)
Kaum, dass du aus Kraftsolms raus fährst, findet sich gleich links der Abzweig zu einem koptischen Kloster bei Kröffelbach. Ich bin da noch nie abgebogen, und auch heute muss ich erst durch den Ort fahren, um beim Tennisplatz erstaunt anzuhalten.
Von einem Moment zum anderen meine ich, mich über Grenzen hinweg versetzt zu haben. Nicht das Märchenschloss aus Tausendundeiner Nacht, aber doch ein Gebäude mit einer besonderen Stimmung, zumal die Sonne gerade übers Dach lugt.
Wir sind mitten in Hessen und begegnen koptischen Christen, da muss ich erstmal überlegen, um eine Verbindung herzustellen, zumindest zum Hintergrund.
"Koptische Christen sind die Ureinwohner Ägyptens, die der koptisch-orthodoxen Kirche angehören, einer der ältesten Kirchen der Welt, gegründet vom Apostel Markus. Sie sehen sich als direkte Nachfahren der alten Ägypter, haben eine einzigartige Kultur mit koptischer Sprache und Traditionen und feiern Weihnachten am 7. Januar. Weltweit gibt es etwa 15 Millionen Kopten." (KI)
Auf ihrer Homepage sagt die hiesige Niederlassung, "Es ist ein Haus des Gebetes und der Meditation und bietet eine Herberge für die Mönche...Sep. 2002 Gründung des Instituts für Koptisch- Orthodoxe Theologie. Die Studienzeit beträgt 4 Jahre. Mittlerweile studieren in Kröffelbach 50 Frauen und Männer."
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Wir haben uns noch von unserer Leserin verabschiedet, die auf ihre Art ebenfalls dauerhaft unterwegs ist, wenngleich sie in einem Wohnwagen lebt und arbeitet. Zum Abschied schenkt sie mir ein leckeres Stück Kuchen und eine kleine, persönliche Erinnerung, die uns auf den Reisen beschützen soll.
Diese Begegnungen tragen eine besondere Tiefe in sich. Manchmal bleiben sie einmalig in meinem Leben, ein anderes Mal führen sie zu einem Wiedersehen, manchmal zu einer freundschaftlichen Verbindung, oder gar zu einer gemeinsamen Reise.
Immer sind sie überraschend, denn in Mitteleuropa sind wir es nicht so gewohnt, einander einladend zu begegnen. Und ich weiß nicht, bei wie vielen Reisenden in anderen Kontinenten die Erfahrung der einladenden Begegnungen auch dazu führt, dass sie nach der Rückkehr in Europa diese Kultur in ihr Leben übernehmen.
Wann hast du deinen türkischen Nachbarn, den arabischen Arbeitskollegen oder die afrikanische Besucherin in deine Wohnung zum Tee eingeladen!
Wir fahren durch den kalten Taunus. Zum Freitag ist viel Verkehr, jeder hat's eilig. Irgendwann auf der Höhe von Pfungstadt finden wir einen Feldweg, an dem wir parken können. Die Sonne hat den Boden aufgeweicht, der sich gleich an Hilde's Fersen hängt, sodass wir den ganzen Abend miteinander beschäftigt sind, zwischen den Ballen den Lehm und die kleinen Steine zu entfernen.
Keine ungefährliche Arbeit für meine Hände, denn die Hilde hat die Lefzen oben und knurrt permanent. Aber der Ton ist anders, als wenn ich ihr einen Knochen wegnehmen will, sodass ich ruhig weitermache.
Wir übernachten in Lorsch, auf dem bezahlten Stellplatz stehen ein dutzend Fahrzeuge, die Nacht ist feucht und kalt, der Morgen erwacht mit Sonnenschein und einem kleinen Spaziergang.
Wir frühstücken, Hilde legt sich wieder schlafen, ich schreibe eine Geschichte. Die Augen jucken, der erste zarte Hauch von Haselnusspollen und Erle ist in der Luft, fast könnte man ahnen, der Frühling habe den Winter satt.
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As soon as you leave Kraftsolms, you'll find the turnoff to a Coptic monastery near Kröffelbach on the left. I've never turned there before, and even today I have to drive through the village first to stop in surprise at the tennis court.
From one moment to the next, I feel as if I've been transported across borders. Not the fairytale castle from One Thousand and One Nights, but a building with a special atmosphere, especially as the sun peeks over the roof.
We're in the heart of Hesse and encountering Coptic Christians, so I have to think for a moment to make a connection, at least to their background.
"Coptic Christians are the indigenous people of Egypt who belong to the Coptic Orthodox Church, one of the oldest churches in the world, founded by the Apostle Mark. They see themselves as direct descendants of the ancient Egyptians, have a unique culture with a Coptic language and traditions, and celebrate Christmas on January 7th. There are approximately 15 million Copts worldwide." (KI)
On its website, the local branch states, "It is a house of prayer and meditation and provides accommodation for monks... The Institute for Coptic Orthodox Theology was founded in September 2002. The course of study lasts four years. Currently, 50 women and men are studying in Kröffelbach."
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We said goodbye to our reader, who, in her own way, is also constantly on the move, even though she lives and works in a caravan. As a parting gift, she gave me a delicious piece of cake and a small, personal memento meant to protect us on our travels.
These encounters have a special depth to them. Sometimes they remain a one-off in my life, other times they lead to a reunion, sometimes to a friendship, or even to a trip together.
They are always surprising, because in Central Europe we aren't so accustomed to welcoming one another. And I don't know how many travelers on other continents, after experiencing these welcoming encounters, adopt this culture into their lives upon returning to Europe.
When was the last time you invited your Turkish neighbor, your Arab colleague, or your African visitor into your home for tea?
We drive through the cold Taunus region. It's Friday, and there's a lot of traffic; everyone's in a hurry. Somewhere near Pfungstadt, we find a dirt track where we can park. The sun has softened the ground, which immediately clings to Hilde's heels, so we spend the whole evening together removing the clay and small stones from between her hooves.
It's not exactly safe work for my hands, because Hilde has her lips curled back and is constantly growling. But the sound is different from when I'm trying to take a bone away from her, so I calmly continue.
We spend the night in Lorsch. There are a dozen vehicles in the paid parking area. The night is damp and cold, and the morning dawns with sunshine and a short walk.
We have breakfast, Hilde goes back to sleep, and I write a story. My eyes itch, the first delicate scent of hazel pollen and alder is in the air—you could almost sense that spring has had enough of winter.Read more












TravelerSehr interessant, das koptische Kloster! 👍👍👍
TravelerDir noch alles Gute beim Beseitigen der restlichen Lehmspuren…
TravelerDas mit der einladenden Gastfreundschaft und Freundlichkeit fällt uns auch immer wieder so auf… An Silvester haben wir zum Beispiel mit italienischen Nachbarn auf dem Platz gefeiert, weil sie sehr einladend und kontaktfreudig waren und uns mit einbezogen haben. Unsere deutschen Nachbarn haben wir gar nicht gesehen.