• Parapente déco Brehec

    March 6 in France ⋅ ☁️ 10 °C

    (English Version Below)

    Die Stimmung, mit der ich morgens aufbreche, bestimmt meine Wahrnehmung von Bildern, die ich aufnehme. Vermutlich ist das von außen nicht zu spüren, möglicherweise denkst du, es habe keine anderen Motive gegeben. Aber dem ist nicht so. In gewisser Weise spiegele ich mich, zumindest am Anfang, in den Aufnahmen.

    Heute bin ich unruhig. Wir nähern uns dem Wochenende, das Wetter ist im Umbruch, die Städte um Paimpol und Saint-Brieuc liegen vor uns, dazwischen eine Menge größere Orte. Also eine ganz andere gesellschaftliche Stimmung als in den Tagen, wo Lannion der fixe Punkt im Landesinnere war.

    Es sind mehr Menschen unterwegs. Letztens haben wir einen deutschen Camper gesehen, heute einen Van aus Irland. Sonst reisen nur Franzosen, ich habe seit der Begegnung mit Thomi vor einer Woche keinen einzigen grammatikalisch richtigen Satz gesprochen, weil mein Französisch einfach zu rudimentär ist, und weitestgehend ungeübt.

    Ich treffe keine guten Entscheidungen, abends muss ich erneut wegen dem Schlafplatz zwanzig Kilometer zurückfahren, weil der beste Platz dort liegt. Zuviel Fahren, da kommt Hilde zu kurz, weil ich keinen geeigneten Strand finde, und als wir endlich gehen können, kann ich auf dem linken Fuß kaum auftreten, quäle mich unter Schmerzen den steinigen Weg entlang.

    Wenn ich abends den Verband am Arm wechsele, blutet es immer noch, die Wunden heilen schlecht. Mir fallen Menschen anders auf, wenn das Meer sich zurückzieht, wird der Strand wie eine große Wunde. Austernfischerei hat etwas Stoisches, Grobes, Gewaltsames an sich, wenn die Fischer ihre Arbeit durchführen.

    Eine Weile folgen wir der Tour de Falaise, die zu vielen Aussichtspunkten führt. Wer sich mehr Background zu der Gegend wünscht, durch die wir reisen, für den habe ich einen interessanten Link.
    Geschichte auf der Klippe - dokdoc.eu https://share.google/6sMb3L6QcCBOOy3UO

    Als wir am Pointe de Bilfot stehen und über den Atlantik schauen, der sich hier als unermesslich große Weite an Wasser präsentiert, schreibt mir unerwartet ein sehr lieber Mensch. Sie steht auch gerade am Atlantik in Brasilien, und wenn wir ein bisschen mit den Augen zwinkern, dann meinen wir den anderen erkennen zu können.

    Achttausend Kilometer ist die Luftlinie zwischen uns, achttausend Kilometer Atlantik liegen uns zu Füßen. Und trotzdem fühlen wir uns sehr nahe. Für mich, der ich nie in einem Flugzeug gereist bin, ist das eine unermessliche Entfernung, die ich nur in Monaten bewältigen könnte. Für sie ist es just ein längerer Flug.

    Heute Nacht stehen wir wieder an einem dunklen Platz. Gestern schien wenigstens der helle Mond, aber dieser Stellplatz hier hat nicht mal das. Fünf Plätze, fünf Camper, acht Franzosen und wir, stehen auf einer Aussichtsplattform oberhalb des Ortes Bréhec, knapp fünfzig Meter über der Wasseroberfläche.

    Der blaue Bus ist wie eine Nussschale für uns. Als ich heute übers Wasser schaue, fährt dort ein kleines, weißes Boot, das ich erst kaum erkennen kann. Da fällt mir das Bild mit der Nussschale das erste Mal auf. Und jetzt wiederholt es sich.

    Merkwürdige Bilder. Heute gibt Meer, Kirchen, Blumen und Leuchttürme, die wie Raketen auf der Abschussrampe stehen. Es gibt Statuen wie das Croix de Veuves, das Witwenkreuz, zu dem die Frauen der Fischer wohl gegangen sind, um Ausschau nach ihren Männern zu halten, von denen so mancher nicht zurück gekommen ist.

    Es gibt das Bild mit den beiden Raben, die übers Meer fliegen. Später kreisen dort zwei Möwen. Immer ist es ein Paar, immer wirken sie ganz friedlich. Es gibt noch mehr Bilder. Die brauchen deine Phantasie. Lass dich einfach treiben.
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    The mood I'm in when I set off in the morning determines my perception of the images I take. This is probably not noticeable to others; you might think there were no other motives. But that's not the case. In a way, I see myself reflected in the photographs, at least initially.

    Today I'm feeling restless. We're approaching the weekend, the weather is changing, and the towns around Paimpol and Saint-Brieuc lie ahead, with a number of larger towns in between. The atmosphere is completely different from the days when Lannion was our fixed point inland.

    There are more people on the road. We saw a German camper van the other day, and today a van from Ireland. Otherwise, it's mostly French people traveling. Since meeting Thomi a week ago, I haven't spoken a single grammatically correct sentence because my French is simply too rudimentary and largely unpracticed.

    I'm not making good decisions. In the evening, I have to drive back 20 kilometers again to find a place to sleep, because the best spot is there. Too much driving means Hilde isn't getting enough attention because I can't find a suitable beach, and when we can finally leave, I can barely put weight on my left foot and struggle along the stony path in pain.

    When I change the bandage on my arm in the evening, it's still bleeding; the wounds aren't healing well. I notice people differently when the sea recedes, and the beach becomes like a large wound. There's something stoic, rough, and violent about oyster fishing as the fishermen go about their work.

    For a while, we follow the Tour de Falaise, which leads to many viewpoints. For those who would like more background information about the area we're traveling through, I have an interesting link:

    History on the Cliff - dokdoc.eu https://share.google/6sMb3L6QcCBOOy3UO

    As we stand at Pointe de Bilfot, gazing out over the Atlantic, which here presents itself as an immeasurably vast expanse of water, a very dear person unexpectedly writes to me. She's also currently on the Atlantic coast in Brazil, and if we blink a little, we think we can see each other.

    Eight thousand kilometers as the crow flies separate us, eight thousand kilometers of Atlantic lie at our feet. And yet we feel very close. For me, who has never traveled by plane, it's an immense distance that I could only cover in months. For her, it's just a long flight.

    Tonight we're in a dark spot again. Yesterday at least the bright moon shone, but this campsite doesn't even have that. Five pitches, five campers, eight French people and us, are parked on a viewing platform above the town of Bréhec, almost fifty meters above the water's surface.

    The blue bus is like a nutshell to us. When I look out over the water today, there's a small, white boat sailing there, which I can barely make out at first. That's when I first noticed the image with the nutshell. And now it keeps repeating itself.

    Strange images. Today there's the sea, churches, flowers, and lighthouses that stand like rockets on a launchpad. There are statues like the Croix de Veuves, the Widows' Cross, where the fishermen's wives probably went to look out for their husbands, many of whom never returned.

    There's the image of the two ravens flying over the sea. Later, two seagulls circle there. It's always a pair, always they seem so peaceful. There are more images. They require your imagination. Just let yourself drift.
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