Nienhagen
Mar 24–25 in Germany ⋅ ☁️ 12 °C
(English Version Below)
Wir übernachten gegenüber einem Altenheim in Nienhagen, um sieben Uhr abends gehen die Lichter in den Zimmern an, und für einen kurzen Moment sehe ich zu, wie sich jemand kümmert um einen alten Menschen, mit eben dieser Freundlichkeit, die im Geben liegt.
Nach seinem Urlaub muss mein Sohn auch heute wieder arbeiten, die alten Menschen freuen sich auf ihn, da bin ich sicher. In den letzten Tagen hat er sich um mich gekümmert, die Tage vorher die Tochter, aber pflegen wird mich keiner von Beiden. Das möchte ich auf gar keinen Fall, dafür gibt es auch den Plan C.
Aber noch bestaune ich das Wunder, leben zu dürfen. Fünfundsiebzig Jahre alt zu sein, das ist nicht selbstverständlich heute. Besonders, wenn ich meine Geschichte anschaue. Gestern habe ich ein neues Kapitel aufgeschlagen. Ich bin im Bus gestürzt.
Dumm, einfach dumm. Das weiß man immer gleich danach. Die rechte Hand war noch nass, an der Ablage vom früheren Herd bin abgerutscht, als ich nach hinten steigen wollte. Halt verloren und mit Schwung auf den Ventilator geknallt. Dem war das ganz egal, allerdings meinem Rücken nicht. Und interessanterweise meiner linken Seite auch nicht. Denn plötzlich habe ich weder Schmerzen in der Hüfte noch im Bein. Eine Nacht lang. Zumindest.
Gestern und heute versorgen mich die Kinder, unterwegs muss ich mir anderweitig Hilfe holen, denn alleine kann ich die Wunde nicht versorgen, die heute morgen sich schon mal in ein Kleid blauer Flecken geschwungen hat. Aber alles nicht so schlimm, sagt der Doktor, ist nur oberflächlich.
Innerlich habe ich allerdings auch was abbekommen, denn so eine Aktion geht nicht spurlos an mir vorbei. Ein Gemisch von Dankbarkeit und Glücksgefühl, gepaart mit diesen unsicheren Gedanken, wie kann so was passieren oder wie schnell.
Mittlerweile ist es dunkel, hinter den erleuchteten Fenstern mag jede Art von Emotion leben, vielleicht wird das Ende des Lebens warten, oder aber das Glück einer Auferstehung. Das ist im blauen Bus nicht anders. Nur vielleicht ein bisschen stiller.
Gestern Nacht waren wir auf der Schaffarm, Hof in Greth, wo wir gerne übernachten, Milch und Joghurt kaufen. Vor ein paar Tagen hat unser lieber Elektriker wieder mal dem blauen Bus ein paar Lichter besorgt, wir haben abends zusammen gesessen, und lange erzählt, vorm Haus übernachtet. Eine Nacht am Angelsee, zwei Nächte bei der Tochter, heute Abend auf einem gut besuchten Stellplatz.
Wir sind zufrieden, ein bisschen müde, aber guter Dinge miteinander.
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We are staying opposite a retirement home in Nienhagen; at seven o'clock in the evening the lights in the rooms come on, and for a brief moment I watch as someone takes care of an old person with precisely that kindness that lies in giving.
After his vacation, my son has to go back to work today, and I'm sure the elderly people are looking forward to seeing him. He's been looking after me these past few days, and my daughter did the days before that, but neither of them will be my primary caregiver. I absolutely don't want that; there's always Plan C.
But for now, I'm still marveling at the miracle of being alive. Being seventy-five years old isn't something to take for granted these days. Especially when I look at my past. Yesterday, I turned a new page. I fell on the bus.
Stupid, just plain stupid. You always know that right afterward. My right hand was still wet, and I slipped on the counter of the old stove when I tried to climb to the back. I lost my footing and slammed into the fan. It didn't seem to mind at all, but my back did. And interestingly, neither did my left side. Because suddenly, I have no pain in my hip or leg. For one night, at least.
Stupid, really. Yesterday and today, the children are taking care of me. I have to get help elsewhere while I'm out, because I can't tend to the wound on my own—it's already turned into a dress of bruises this morning. But it's nothing serious, the doctor says; it's only superficial.
Inside, though, I've been affected too, because something like this doesn't leave me untouched. A mixture of gratitude and happiness, coupled with these uncertain thoughts: how could something like this happen, or how quickly?
It's dark now, and behind the lit windows, every kind of emotion seems to reside—perhaps the end of life awaits, or perhaps the joy of resurrection. It's no different in the blue bus. Only perhaps a little quieter.
Last night we were at the sheep farm in Greth, where we like to stay overnight and buy milk and yogurt. A few days ago, our dear electrician once again got some lights for the blue bus. We sat together in the evening, chatted for a long time, and spent the night in front of the house. One night at the fishing lake, two nights at our daughter's, and tonight at a busy campground.
We are content, a little tired, but in good spirits.Read more
























TravelerGute Besserung,
TravelerVon mir auch gute Besserung!
TravelerGute und rasche Besserung dir! 🙏
TravelerSolche Gedanken wie du habe ich auch recht oft. Als uns neulich während des Rollerfahrens ein Auto links überholt hat und volle Kanne gegen unseren Roller geschrammt ist, hätte das sehr schnell auch ganz anders ausgehen können...