Tag Sechs
Apr 24–25 in France ⋅ 🌙 14 °C
(English Version Below)
Tag 3.587
24/04/2026
Coincourt -
Bezange-la-Grande -
Lachausée
Als ich die Seitentür öffne, um die Sonne herein zu lassen, eröffnen die Vögel ihr morgendliches Konzert. Wir spazieren über die Wege an noch nassen Gräsern entlang, der Wasserfall ist deutlich lauter als gestern.
Kurz nach halb elf hat die Sonne schon richtig an Kraft gewonnen, sodass wir abfahren. Hilde sieht sehr erschöpft aus, dass ich mir sofort Sorgen mache, und die Kühlung anschalte, um ihr Entspannung zu verschaffen.
Sie liegt zwischen den Sitzen, atmet ruhiger, und auch ich beruhige mich. In den letzten Tagen sammeln sich Träume in meinen Morgenstunden, die meine Schwächen und Ängste berühren.
Das ist ungewöhnlich, weil es auch so geballt erscheint und gleichzeitig immer sehr detailliert, fast lebensechte Berührungspunkte hat.
Tatsächlich kann ich mich beim Aufwachen auch kaum aus der Umklammerung lösen, muss bewusst dagegen arbeiten, um mich nicht abziehen zu lassen.
Wir fahren durch kleine Dörfer, die oft von Rapsfelder umgeben sind. Einsame Gehöfte, der Bauer auf einem lehmigen Feld, das bis zum Horizont zu reichen scheint. Staub hinter dem Traktor, der von Vögeln begleitet wird.
Hinter einem kleinen Wäldchen finden wir eine Sackgasse an einem schmalen Flusslauf, der lustig über ein Hindernis gurgelt. Zeit zum Spaziergang über eine grüne Wiese voll mit Löwenzahn, seitlich vom Wasser.
Ein weitläufiges Getreidefeld führt hoch zum Dorf, auf dem anderen Hügel wächst Raps. Wir nehmen uns Zeit für ein Gespräch, die Hunde erfreuen sich an ihrer Zwischenmahlzeit.
Die Luft ist voll mit Leben, im Wäldchen muss Wild sein, weil beide Hunde die Nase recken. Eine Hummel verirrt sich im Bus. Das ist keine lustige Situation, auch wenn mir jeder erklärt, wie harmlos sie sind.
Der freundliche Mensch, mit der wir reisen, holt die Hummel dann ganz einfach raus. Ich bin ihr sehr dankbar. Ich überlege, woher all diese Ängste kommen, und vermute, es gäbe da ne Menge blinder Flecken in meiner Kindheit. Das schreckt mich jetzt im Alter auf.
Über kleine Straßen reisen wir in nordwestlicher Richtung zwischen den Städten Metz und Nancy hindurch. Ein Hase hoppelt über die Straße in ein hohes, grünes Gras hinein, just in dem Moment als von dort ein weißer Schmetterling auffliegt.
Der erste Grasschnitt liegt zum Trocknen auf dem Feld. In einem kleinen Wäldchen halten wir im Halbschatten, als ein Auto neben uns parkt, und eine alte Frau einen, von tiefen Lehmspuren schwerer Lastwagen ausgefahrenen Weg unter den Bäumen entlang geht.
Windstill. Grün und Blau. Vogelgezwitscher. Mein Blick aus dem Bus. Ein großer Lastwagen hält vor uns. Der Fahrer klettert raus, setzt sich hinten an sein Arbeitspult und lädt große Baumstämme aus dem Wald ein.
"Campagne Service" steht auf der Front, sein Sohn sitzt auf dem Beifahrersitz, während der Laster im Schwung des Greifarmes wackelt. Vollbeladen. Der Fahrer, der mich mit seinem langen Bart eher an einen Motorradrocker erinnert, steigt ein. Wir winken uns zu.
Hilde hat es eilig, wir parken an einer Kuhweide, das weiße Viehzeug rennt wild los. Eins bleibt stehen und muht uns ärgerlich an. Nicht das erste Mal, dass Hilde für Aufruhr sorgt, ein Bauer meinte, es könnte an ihrem Fell und dem Gang liegen, dass sie meinen, ein Wolf wäre in der Nähe.
Am Ortsanfang von Ville-au-Val beginnt der Chemin de la Côte über eine alte Brücke, neben der ein altes Haus steht, dessen Dach schon vom Winde verweht ist.
Wir parken auf einem großen Platz vor dem Ort Lachausée, der am gleichnamigen Étang liegt. "Das regionale Naturschutzgebiet Lachaussée ist ein bevorzugter Ort für das Nisten, Überwintern und Rasten von Vögeln auf dem Zug. Von der Sternwarte aus sehen Sie im Frühjahr in den Schilfgürteln die Rohrdommel oder die Zwergdommel. Die Rohrweihe und die Kornweihe oder Wiesenweihe. Das Ballett der Haubentaucher oder Schwarzhalstaucher, Reiher und Silberreiher. Vom Deich aus sieht man Reiher- und Tafelenten, Krickenten, Stockenten und Blesshühner."
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Laut der App soll das Übernachten hier erlaubt sein, auch wenn es sich eher um eine Art Freizeitgelände handelt, das im Wachsen begriffen ist. Die knapp dreihundert Einwohner des Ortes würden ihrer Infrastruktur sicherlich einen Gefallen tun, wenn der Tourismus dadurch belebt würde, dass hin und wieder Camper hier übernachten.
Andererseits verhindert das parkähnliche Gelände vielleicht den Vandalismus, der sich auf schönen, freien Plätzen oft genug schnell einschleicht.
Die Aussicht und das Vogelgezwitscher, von vorn nähert sich ein Heißluftballon. Pferde und in der Ferne weiße Kühe, ab und an ein Auto, die Straße ist eine Sackgasse.
Ein unermüdlicher Kuckuck, Hilde schnarcht, der leichte Wind in den Bäumen, durch die die Sonne scheint, uns ist der Schatten der Weidenkätzchen gegönnt.
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Day 3,587
April 24, 2026
Coincourt - Bezange-la-Grande - Lachausée
As I open the side door to let in the sun, the birds begin their morning concert. We stroll along the paths beside still-wet grasses; the waterfall is noticeably louder than yesterday.
Shortly after 10:30, the sun had already gained considerable strength, so we set off. Hilde looked so exhausted that I immediately worried and switched on the air conditioning to help her relax.
She lay between the seats, her breathing becoming more tranquil, and I calmed down as well. For the past few days, dreams have been accumulating in my mornings, touching on my weaknesses and anxieties.
This is unusual because they seem so concentrated and yet always incredibly detailed, almost lifelike.
In fact, when I wake up, I can barely break free from their grip; I have to consciously work against them to avoid being swept away.
We drove through small villages, often surrounded by fields of rapeseed. Isolated farmsteads, the farmer in a clay field that seems to stretch to the horizon. Dust trailed behind the tractor, accompanied by birds.
Beyond a small grove of trees, we found a dead end by a narrow stream that gurgled merrily over an obstacle. Time for a walk across a green meadow full of dandelions, to the side of the water.
A sprawling field of grain leads up to the village; on the opposite hill, rapeseed grows. We take our time to chat, the dogs enjoying their snack.
The air is full of life; there must be wildlife in the small wood because both dogs are sniffing. A bumblebee gets lost on the bus. It's not a funny situation, even though everyone tells me how harmless they are.
The friendly person we're traveling with simply takes the bumblebee out. I'm very grateful to her. I wonder where all these fears come from and suspect there are a lot of blind spots from my childhood. It frightens me now in my old age.
We travel northwest along small roads between the cities of Metz and Nancy. A hare hops across the road into tall, green grass, just as a white butterfly takes flight from there.
The first cutting of grass lies drying in the field. We stop in the dappled shade of a small grove of trees when a car pulls up beside us, and an old woman walks along a path rutted with deep mud tracks left by heavy trucks.
Still wind. Green and blue. Birds chirping. My view from the bus. A large truck pulls up in front of us. The driver climbs out, sits down at his workbench in the back, and loads large logs from the forest.
"Campagne Service" is written on the front; his son sits in the passenger seat as the truck rocks with the swing of the grapple. Fully loaded. The driver, whose long beard reminds me more of a biker, gets in. We wave to each other.
Hilde is in a hurry; we park by a cow pasture, and the white cattle bolt wildly. One stops and moos angrily at us. This is not the first time Hilde has caused a stir; one farmer suggested it might be her fur and gait that made people think a wolf was nearby.
At the edge of Ville-au-Val, the Chemin de la Côte begins, crossing an old bridge next to which stands an old house, its roof already blown away by the wind.
We park in a large square before the village of Lachaussée, situated on the Étang of the same name. "The Lachaussée Regional Nature Reserve is a favorite nesting, wintering, and resting place for migratory birds. From the observatory, you can see the Eurasian bittern or little bittern in the reedbeds in spring. Marsh harriers and hen harriers or Montagu's harriers. The ballet of great crested grebes or black-necked grebes, herons, and great egrets. From the dike, you can see tufted ducks and common pochards, teal, mallards, and coots."
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According to the app, overnight stays are permitted here, even though it's more of a developing recreational area. The town's nearly three hundred residents would certainly benefit from increased tourism thanks to occasional campers staying overnight.
On the other hand, the park-like setting might deter the vandalism that often creeps into attractive, open spaces.
The view and the birdsong, a hot air balloon approaching from the front. Horses and, in the distance, white cows, the occasional car, the road is a dead end.
A tireless cuckoo, Hilde snoring, the gentle breeze in the trees through which the sun shines, we are blessed with the shade of the pussy willows.Read more
























Traveler
Ein UFO 🤭
TravelerDas war ein Vogel
TravelerWeiß ich doch… 😁 Eine gute Aufnahme!
TravelerDanke schön