• Tag Vierzehn

    May 2–3 in Germany ⋅ ☁️ 17 °C

    (English Version Below)

    Tag 3.595
    02/05/2026
    Rechtern -
    Meerbach -
    Hagenburg

    Beim Löschen der Beiträge auf Facebook bin ich gerade auf einen Post gestoßen, an dem wir Mitte November 2021 den Reisekilometer 222.222 erreicht hatten. Das ist sehr lustig, weil wir vor wenigen Tagen 444.444 km auf unserer Lebensreise mit dem blauen Bus unterwegs sind.

    Fünfeinhalb Jahre für die erste Hälfte, viereinhalb für den zweiten Teil. Man sieht also, dass wir deutlich längere Strecken fahren bzw viel weniger längere Aufenthalte einlegen.

    Heute morgen sind wir auf der Suche nach einem Frühstücksplatz am Kirchplatz von Drebber gewesen, der mir aber zu offen war. Fünfzehn Kilometer weiter stehen wir an einer Kanueinsatzstelle der Hunte in Rentern, wo ein Camper aus Bremen übernachtet hat.

    Selbst um zehn Uhr sind die Vorhänge zu, während die Sonne ziemlich heftig uns in ihrem Blick hat. Eine Wespe hat ein ähnliches Ansinnen und möchte gerne in den Bus rein, der ihr so im Wege steht.

    Ihre Bewegungen sind heftig und schnell, ihr Schatten geistert durch den Innenraum. Auf der anderen Seite der Straße geht ein Weg in den Wald, der komplett im Schatten liegt. Dorthin verändern wir jetzt mal unseren Standort.

    Irgendwann kamen die Angler, und wir sind zu einem anderen Weg im Halbschatten gefahren, zwischen einem leichten Wald und den bewegten Halmen eines grünen Getreidefeldes. Hier sind wir ungestört, können einen schönen Spaziergang machen, bevor wir weiterfahren.

    Ich lösche Facebook - Beiträge und denke mir öfter mal, was ich da für einen Mist gepostet habe. Jetzt habe ich die Quittung und muss das alles einzeln löschen, um den Account für mich privat zu nutzen, so wie er früher mal gedacht war.

    Bisschen Familie und die Menschen im Ausland, die man so trifft, die nur über Facebook verfügen. Also tatsächlich eine Art Freundeskreis im ursprünglichen Sinn.

    Kontakte hat der Mensch heute viele, aber wie nah sind sie sich denn eigentlich. Das ist mir heute aufgefallen. Und dass ich von vielen gar nichts weiß, so wie sie von mir persönlich, selbst wenn sie meine Geschichten lesen.

    Über 'Broadcast' bei WhatsApp schicke ich einen kleinen Text an etwa 70 Kontakte und bin überrascht über die vielen, oft sehr ausführlichen Antworten, die ich bekommen habe. Da ist soviel passiert, dabei wissen wir gar nichts voneinander.

    Dabei taucht die Frage auf, was der Reisetitel auf Findpenguins bedeutet, den ich jetzt auch über den Text setze. Bisher war es so, dass wenn einer von uns geht, die Spaziergänge mit Hilde zuende sind, es also auch keine weiteren Beiträge gibt.

    Vor vierzehn Tagen ging es Hilde abends nicht gut, und obwohl ich mit der Situation lebe, war ich den Tränen nahe. Würde sie gehen, wäre das auch ein kleiner Tod in mir.

    Aber ich will nicht so denken, ich lebe in dem Bewusstsein, dass in jedem dunklen Tunnel am Ende Licht ist. Daran habe ich mein Leben lang geglaubt, auch in den Zeiten, in denen um mich herum nur Nacht war.

    Mein Leben ist ein Pilgern. Innen und außen bin ich auf einem langsamen Weg, dessen Ziel das Leben ist. Egal was kommt. Natürlich ist es der Weg eines Christen, ins ewige Leben zu gehen, aber das habe ich nicht gemeint, es ist sozusagen ein Nebeneffekt.

    Es ist mir klar geworden, dass ich solange schreiben werde, bis ich den Stift aus der Hand legen kann. Und dass ich damit die Erinnerung wach halte an uns Drei.

    Ich fahre immer zwischendurch ein Stück. Jetzt stehen wir an einem Rapsfeld bei Meerbach. Leichter Wind, Wolken die am Himmel hochziehen, hin und wieder Autoverkehr. Gleich ist Abendessenzeit, den süßlichen Geruch des Raps in der Nase, den der Wind durch die Seitentür hineinweht.

    Der letzte Spaziergang ist an einem Feld, wo es nach Mäusen riecht. Zwei Buddelaktionen führen zu einer dreckigen Zunge, dreckigen Pfoten, einem staubigen Fell, denn natürlich eignet sich so ein Lehmweg hervorragend zum Wälzen.

    Und ganz nebenbei ist sie völlig erschöpft, sozusagen on top auf die Hitze, denn nachdem wir um zehn Uhr 26°C hatten, ist es am Abend auch nicht bedeutend kühler.

    Auf dem ziemlich vollen, aber kostenlosen Stellplatz in Hagenburg sitze ich deshalb leicht bekleidet mit halb offener Tür bei einem leichten Lüftchen im Wind und höre Musik von Gram Parsons, der schon immer mein Lebensgefühl gut getroffen hat, auch wenn ich weiß, wohin ich geh.

    https://youtu.be/98Ow_Jav_eo?is=1ru_U3Ki7LMgmfxB
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    Day 3,595
    02/05/2026
    Rechtern -
    Meerbach -
    Hagenburg

    While deleting posts on Facebook, I just came across one where we reached 222,222 kilometers in mid-November 2021. That's funny because just a few days ago we traveled 444,444 km on our journey through life in the blue bus.

    Five and a half years for the first half, four and a half for the second. So you can see that we're driving significantly longer distances and making far fewer extended stops.

    This morning we were looking for a place to have breakfast at the church square in Drebber, but it seemed too exposed. Fifteen kilometers further on, we're parked at a canoe launch on the Hunte River in Rentern, where a camper from Bremen spent the night.

    Even at ten o'clock, the curtains are drawn, while the sun beats down on us quite intensely. A wasp has a similar ambition and wants to get into the bus, which is in its way.

    Its movements are rapid and intense, its shadow flickering through the interior. On the other side of the road, a path leads into the woods, completely in shadow. We'll move our camper there for a bit.

    Eventually, the anglers arrived, and we drove to another path in the dappled shade, between a light forest and the swaying stalks of a green grain field. Here we are undisturbed and can take a nice walk before we continue our journey.

    I delete Facebook posts and often think to myself what kind of rubbish I've posted. Now I'm paying the price and have to delete everything individually to use the account privately, as it was originally intended.

    A bit of family and the people abroad you meet who only have Facebook. So, actually a kind of circle of friends in the original sense.

    People have many contacts these days, but how close are they really? That struck me today. And that I know absolutely nothing about many of them, just as they know nothing about me personally, even if they read my stories.

    Using 'Broadcast' on WhatsApp, I send a short text to about 70 contacts and am surprised by the many, often very detailed, replies I receive. So much has happened, yet we know nothing about each other.

    This leads to the question of what the travel title on Findpenguins means, which I'm now also placing above the text. Until now, if one of us passes away, the walks with Hilde end, and there are no further posts.

    Two weeks ago, Hilde wasn't feeling well in the evening, and although I'm used to the situation, I was close to tears. If she were to pass away, it would be a small death inside me, too.

    But I don't want to think that way; I live with the awareness that there is light at the end of every dark tunnel. I've believed that all my life, even in times when all around me was night.

    My life is a pilgrimage. Inwardly and outwardly, I'm on a slow path whose destination is life itself. No matter what comes. Of course, the path of a Christian leads to eternal life, but that's not what I meant; it's a kind of side effect.

    It's become clear to me that I will write until I can put down the pen. And that in doing so, I keep the memory of the three of us alive.

    I always drive a bit in between. Right now, we're standing by a rapeseed field near Meerbach. A light breeze, clouds drifting across the sky, the occasional car passing by. It's almost dinnertime, the sweet scent of rapeseed in my nostrils, carried in by the wind through the side door.

    The last walk is by a field that smells of mice. Two digging sessions result in a dirty tongue, dirty paws, and dusty fur, because, of course, a muddy path like this is perfect for rolling around in.

    And on top of that, she's completely exhausted, which is just another side effect of the heat, because after having 26°C at 10 a.m., it's not significantly cooler in the evening.

    So, sitting in the rather crowded but free parking area in Hagenburg, I'm lightly dressed with the door ajar, enjoying a gentle breeze and listening to music by Gram Parsons, who has always perfectly captured my outlook on life, even though I know where I'm headed.

    https://youtu.be/98Ow_Jav_eo?is=1ru_U3Ki7LMgmfxB
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