Tag Fünfzehn
May 3–4 in Germany ⋅ ☁️ 18 °C
(English Version Below)
PILGERREISE INS LEBEN
Tag 3.596
03/05/2026
Wichtringhausen -
Sehnde -
Söhlde
Morgenspaziergang auf unserem bekannten Weg außerhalb von Hagenburg. Gerade plane ich, Hilde einfach loszulassen, da hoppeln die ersten Hasen so unbekümmert übers Feld, als seien sie alleine auf der Welt.
Hilde hat sie nicht gesehen, aber ihre Nase verrät ihr alles. Die fünfzehn Meter der Leine wird bis zum Ende ausgenutzt, ich halte mit dem Stock mein Gleichgewicht und lasse sie hin und her rennen. Wenn sie durch ein Gebüsch mit Gräsern läuft, staubt es gewaltig um sie herum, und ein Geruch von Rauch und Schwefel steigt mir in die Nase.
Zurück zum Bus läuft sie leichten Fußes mit so einem gewaltigen Grinsen im Gesicht, dass ich spüre, wie glücklich sie ist.
Auf dem Parkplatz gegenüber sitzen wir zu meinem Frühstück im Schatten der hohen Bäume. Der Ventilator läuft, Porridge und Tee. Heute morgen habe ich mit einem lieben Menschen halbstündige Sprachnachrichten ausgetauscht, während ich mich angezogen habe.
Erstmal ist die Reinigung des Bus angesagt. Hilde hatte wieder gehaart und in einigen Tagen ist es in dem kleinen Quadrat schnell voller Schmutz, den ich zumindest ausklopfen und wegkehren kann.
Ein Gartenbesuch steht an, zu Gebäck und Tee mit einem netten Gespräch unterm Sonnenschirm. Hilde darf buddeln und ist völlig erschöpft. Wir sitzen im Schatten und meiden die Sonne.
Aber trotzdem sind wir beide so müde, dass wir auf dem nächsten Parkplatz ein Schläfchen machen. Bei Wichtringhausen machen wir einen Spaziergang. Als ich aus dem Bus schaue, sehe ich die Erinnerung an einen Toten. Für immer Dein und Wir vermissen Dich. Die Schrift verblasst, das Leben geht weiter. Und das ist auch gut so. Man darf nicht stehen bleiben, der Mensch ist für die Bewegung gemacht. Und wenn jemand diese für sich stoppt, dann dürfen wir anhalten und trauern, aber nicht dem Leben versagen.
Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es wunderbar, wenn die Menschen in bunter Bekleidung zu meiner Beerdigung kommen, und am Grab fröhlich darüber tanzen, dass wir uns im Leben begegnet sind. Und eigentlich würde ich gerne mitfeiern.
Der Himmel ist leicht bewölkt, die Luft voll mit so einem Fliegzeug, das träge im Wind hängt. Hilde liegt auf meinem Bauch und schaut aus dem Fenster, den Kopf auf der Tür. Ein Lieblingsplatz, so wie die Oma am Küchenfenster zur Straße hinaus schaut.
Abends auf dem Schafhof in Söhlde. Hier sind wir immer willkommen. Die nächsten Tage gibt es frische Milch, und unser Joghurtbestand ist aufgestockt.
Ein fremdes Huhn strolcht über den Hof und weckt den Jagdinstinkt einer der Katzen, die sich aber auch nicht sicher ist, wie gefährlich der Zweibeiner sein könnte.
Auf der Weide sind heute Schafe, das liebe ich ja. Und Hilde respektiert ihre Anwesenheit auch durchaus. Aber als ich die Tür öffne, bewegen sie sich ein bisschen. Und jetzt sieht das ganz anders aus. Sie bellt, die Schafe rennen weg, kommen dann aber wieder zurück.
Hilde ist müde heute, aber sie möchte nach der Ankunft mit mir knuddeln. Nicht mehr so wild, wie vor einigen Wochen, eher eben sehr erschöpft, aber dennoch glücklich, dass wir in unserem blauen Bus Zuhause sind.
Der Himmel ist bewölkt und die Temperatur sinkt in angenehme Grade. Ich habe eine Allergieattacke, die Augen brennen und tränen, als würde ich über jemanden weinen. Wer weiß das schon, was morgen ist.
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PILGRIMAGE INTO LIFE
Day 3,596
03/05/2026
Wichtringhausen -
Sehnde -
Söhlde
Morning walk on our familiar path outside of Hagenburg. I was just about to let Hilde go when the first hares hopped across the field, so carefree, as if they were the only ones in the world.
Hilde didn't see them, but her nose tells her everything. She uses the full fifteen meters of the leash, keeping her balance with the stick as she runs back and forth. When she runs through a thicket of grasses, a huge cloud of dust swirls around her, and a smell of smoke and sulfur fills my nostrils.
She trots back to the bus with such a light step and such a huge grin on her face that I can feel how happy she is.
In the parking lot across the street, we sit in the shade of the tall trees for my breakfast. The fan is running, and I have porridge and tea. This morning, I exchanged half-hour voice messages with a dear friend while I got dressed.
First things first: cleaning the bus. Hilde has been shedding again, and in a few days, the small square will quickly be full of dirt that I can at least shake out and sweep away.
A visit to a garden is on the agenda, with pastries and tea and a pleasant chat under the parasol. Hilde gets to dig and is completely exhausted. We sit in the shade and avoid the sun.
But we're both so tired that we take a nap in the next parking lot. We go for a walk near Wichtringhausen. When I look out of the bus, I see the memorial for someone who has died. Forever Yours and We Miss You. The writing fades, life goes on. And that's a good thing. We mustn't stand still; humans are made for movement. And if someone stops moving, then we may pause and grieve, but not turn our backs on life.
If I could have one wish, it would be wonderful if people came to my funeral in colorful clothes and danced joyfully at the grave, celebrating the fact that we had met in life. And actually, I'd like to join in the celebration.
The sky is lightly clouded, the air filled with the scent of an airplane, hanging lazily in the breeze. Hilde lies on my stomach, looking out the window, her head resting on the door. A favorite spot, just like Grandma used to look out the street from the kitchen window.
Evening at the sheep farm in Söhlde. We're always welcome here. Fresh milk will be available in the next few days, and our yogurt supply has been replenished.
A strange chicken wanders across the yard, triggering the hunting instinct of one of the cats, who isn't quite sure how dangerous the two-legged creature might be.
There are sheep in the pasture today, which I love. And Hilde certainly respects their presence. But when I open the door, they stir a little. And now it's a completely different story. She barks, the sheep run away, but then come back.
Hilde is tired today, but she wants to cuddle with me after we arrive. Not as wild as she was a few weeks ago, just very exhausted, but still happy that we're home in our blue camper van.
The sky is overcast and the temperature is dropping to a pleasant level. I'm having an allergy attack; my eyes are burning and watering as if I'm crying over someone. Who knows what tomorrow will bring?Read more













