• Tag Sechzehn

    May 4–5 in Germany ⋅ 🌧 16 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.597
    Salzgitter -
    Wolfenbüttel -
    Braunschweig

    Hilde spürt die Unruhe des Vormittags. Erst fahren wir zum Rastplatz in Salzgitter, damit sie spazieren gehen kann, ihre Medizin bekommt.

    Doch anstatt dort zu bleiben, geht's weiter nach Braunschweig, wo ich frühstücke und bei meinem Sohn Sachen abhole, die die Post in der Zwischenzeit geliefert hat.

    Gerade als sie es sich beim nächsten Parkplatz bequem gemacht hat, kommt die Nachricht, dass unsere Hundesitterin jetzt Zeit hat.

    Hilde ist begeistert und geht fröhlich mit. Ich fahre zu meinem Arzttermin. Urologe ist unsicherer geworden, nachdem der PSA Wert von Mal zu Mal sich erhöht hat, ohne dass der Arzt einen Handlungsbedarf sieht.

    Man muss Vertrauen können, aber er kennt mich lange genug, denn ich habe schon seit vielen Jahren eine Verhärtung der Prostata.Ein Zufallsfund nach Fahrradunfall mit Lenkstangenberührung.

    Wie das Leben so spielt. Und so kennen wir uns jetzt schon seit über zwanzig Jahren, der Doktor und ich. Er wandert gerne, läuft alleine durch die Berge. Keine Menschen zu treffen, sei für ihn das Schönste, nur die Natur um sich.

    Die Sonne scheint. Mir gegenüber sitzt eine ungeduldige Patientin, schräg von uns blättert ein Herr durch den Stern, schaut auf seine Uhr. Auch er wartet. Vermutlich sind beide vor mir dran, man kann nichts ändern. Kommt ein Notfall rein, dauert es eben noch länger.

    Dieses Mal gehe ich nicht so entspannt aus der Praxis, ich möge nicht so weit weg fahren, es gäbe noch die Notwendigkeit für weitere Untersuchungen.

    Erst Hilde, dann der Bus, jetzt ich. Für alles gibt es kausale Zusammenhänge. Ich versuche, nicht weiter zu denken, und doch muss ich vielleicht irgendwann einiges organisieren. Das wird nicht einfach.

    Gottvertrauen bekommt da einen ganz anderen Stellenwert. Wo ich doch immer gerne alles selber in der Hand habe.

    Ich hole Hilde ab, sie freut sich sehr und räumt erstmal im Bus auf. Dann ein Leckerli, und zuletzt ein Schläfchen. Wir fahren auf einen kleinen Parkplatz unter einen Baum, der genügend Schatten uns gibt.

    Es ist schon nachmittags um vier und ich habe den ganzen Tag nichts gegessen. Während der Mahlzeit lösche ich Beiträge bei Facebook. Ich bin im Sommer 2020, kurz nach dem letzten Lockdown.

    Es ist ein merkwürdiges Unterfangen, mich im Rückwärtsgang aus dem Netz zu nehmen. Auf eine Art die Reise nochmal stichpunktartig wahrnehmen. Im Überflug sozusagen.

    Wir besuchen einen lieben Menschen, den wir fast ein Jahr nicht gesehen haben. Hilde erkennt den Ort sofort, erobert den Garten in Windeseile. Freut sich riesig, hier zu sein.

    Sitzen bis zu den ersten Regentropfen draußen, bisschen französisches Abendessen mit deutscher Schafsmilch. Vor dem Haus baue ich den Bus um, lasse die Vogelstimmen durch die leicht geöffnete Tür hinein kommen. Hilde fährt langsam runter, ich gähne mich ein, muss den Tag sacken lassen, um schlafen zu können, mich aus den Gedanken zu befreien.

    Regentropfen auf den nackten Oberschenkel, es hat gut getan, zusammen zu reden, auch mein lieber Reisedoktor hatte sich gleich gemeldet, um die Sorgen aufzufangen.

    Noch ist ja nichts passiert.
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    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,597
    Salzgitter -
    Wolfenbüttel -
    Braunschweig

    Hilde senses the restlessness of the morning. First, we drive to the rest stop in Salzgitter so she can go for a walk and get her medication.

    But instead of staying there, we continue on to Braunschweig, where I have breakfast and pick up some things from my son that the mail has delivered in the meantime.

    Just as she's settled down comfortably at the next parking lot, I get a message that our dog sitter is now available.

    Hilde is thrilled and happily goes along. I drive to my doctor's appointment. The urologist has become more uncertain after my PSA level has increased each time, without the doctor seeing any need for action.

    You have to be able to trust him, but he's known me long enough, as I've had an enlarged prostate for many years. It was discovered by chance after a bicycle accident where I touched the handlebars.

    That's life. And so, the doctor and I have known each other for over twenty years now. He enjoys hiking, walking alone through the mountains. For him, the best thing is not to encounter anyone, just nature all around.

    The sun is shining. An impatient patient sits across from me, and a man at an angle flips through a magazine, checking his watch. He's waiting too. They're probably both ahead of me; there's nothing I can do about it. If an emergency comes in, it just takes even longer.

    This time, I don't leave the doctor's office feeling so relaxed. I'd rather not drive so far; there's still a need for further examinations.

    First Hilde, then the bus, now me. There are cause and effect for everything. I try not to think about it too much, but I might have to organize some things at some point. That won't be easy.

    Faith in God takes on a whole new meaning here. Especially since I always like to be in control of everything myself.

    I pick up Hilde; she's very happy and immediately starts tidying up the bus. Then a treat, and finally a nap. We drive to a small parking lot under a tree that provides us with enough shade.

    It's already four in the afternoon and I haven't eaten all day. During my meal, I delete posts on Facebook. It's summer 2020, shortly after the last lockdown.

    It's a strange undertaking, taking myself offline in reverse. A kind of snapshot of the trip. A kind of flyover, so to speak.

    We're visiting a dear friend we haven't seen for almost a year. Hilde recognizes the place immediately and conquers the garden in no time. She's overjoyed to be here.

    We sit outside until the first raindrops fall, enjoying a bit of French supper with German sheep's milk. In front of the house, I rearrange the campervan, letting the birdsong drift in through the slightly open door. Hilde slowly winds down, I yawn, needing to let the day sink in before I can sleep, before I can clear my mind.

    Raindrops on my bare thigh; it felt good to talk together. My dear travel doctor also contacted me right away to address my concerns.

    Nothing has happened yet.
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