Tag Zweiundzwanzig
May 10–11 in Germany ⋅ ☁️ 17 °C
(English Version Below)
PILGERREISE INS LEBEN
TAG 3.603
10/05/2026
CALVÖRDE
Erst der völlig überraschende, grandiose Sonnenuntergang, nachdem eigentlich schon die dunklen Wolken den Himmel verdeckt hatten. Dann die erste Nacht auf der neuen Matratze.
Ich kann nicht einschlafen. Meine Situation hält mich in Gedanken fest. Ob ich nochmal den Bus reparieren und durch den Tüv bringen soll, und ihn dann fahre, bis er seinen motorischen Geist aufgibt oder das Getriebe. Auch wenn vielleicht noch etliche kleinere Reparaturen anfallen.
Oder ob ich die Reise jetzt beende, sesshaft werde, ein anderes, gebrauchtes Auto kaufe, um tagsüber wegfahren zu können. Um halb zwei schaue ich das letzte Mal auf den Wecker und wache vor sechs Uhr auf.
In der Nacht war es ziemlich kalt, aber die Sonne ist schon aufgegangen und erhellt meinen Morgen. Um viertel nach sieben kommt Cronos angerannt, dem kurze Zeit später direkt vor seiner Nase ein Hase entlang läuft.
Er verliert schnell das Interesse und kommt zurück, aber als Hilde an die Stelle kommt, schreit ihre Nase 'Hurra, was haben wir denn da Feines', und dicht am Boden folgt sie der Zick-Zack-Spur, die sie irgendwann auch verliert.
Oder sie hat plötzlich festgestellt, dass ich so weit weg bin. Sie stromert durch die Gründüngung, ist die ganze Zeit voll beschäftigt, und komplett nass, als wir zum Bus zurückkommen.
Während meines Frühstücks schaue ich gerne eins der Wandervideo eines jungen Mannes an, der Skandinavien durchquert. Mich selber nicht bewegen zu können und bewegte Bilder zu sehen, das ist nicht einfach für mich.
https://youtube.com/@finniangarvey?si=nJ5v-A3J_…
Heute morgen haben wir die Stühle hinten aus der Heckklappe genommen, damit ich mich immer mal nach draußen zu den Pferden setzen kann. Warum beide Stühle, fragt er mich. Vielleicht kommt ja jemand vorbei und setzt sich zu mir.
Erstmal werde ich ein kleines Schläfchen machen, muss dafür Hilde kurz von hinten weglotsen, die natürlich den besten Platz sich genommen hat.
Als ich eine Stunde später aufstehe, hat uns die Sonne voll im Griff. Doch die offene Tür zeigt die Realität, ein kühles Lüftchen trifft nackte Oberschenkel und Arme. Hilde macht ne Spazierrunde um den Bus, kommt zurück und ist durstig.
Die Familie lädt uns ein zu einem Spaziergang am Mittag. Als ich auf halben Wege umdrehe, ist Hilde sofort dabei. Grade bevor die Schmerzen im Rücken stark werden, sind wir zurück am Bus.
Während wir uns noch erholen, kommt eine junge Frau auf dem Rad über den Feldweg gefahren. Hilde stoppt sie. Ihr altes Pferd steht hier auf dem Hof, und manchmal, wenn sie aus der Stadt kommt, besucht sie es.
Wir kommen ins Gespräch, ich erzähle von unseren Geschichten und Büchern. Vom zweiten Band sind nur noch einige Dutzend da. Vielleicht die Gelegenheit, jetzt eins zu kaufen, und da ich gerade bei der Versandstelle bin, sogar mit Widmung, wenn gewünscht. Den ersten Band gibt es als PDF gratis dazu.
Es ist ein schönes Gespräch, so eins das man manchmal als Geschenk so im Vorbeigehen bekommt, an einem unscheinbaren Tag wie Heute. Ich bin sehr dankbar.
Wir sitzen an der Koppel, die Sonne im Gesicht. Hilde hat sich unterm Stuhl eingerollt, die Pferde schauen hin und wieder über den Zaun. Ich höre Musik. Schöne Frauenstimmen. Country Melodien.
Bin erinnert an meine Jugend in Hessen mit dem amerikanischen Soldatensender AFN, dessen Songs in den stillen, einsamen Nächten mich hinweg ge
tragen. Vielleicht bin ich auch gar nicht mehr so richtig zurück gekommen. Denke ich mir manchmal.
Hilde geht es heute nicht gut. Sie hechelt und fiept viel, wenn ich nicht bei ihr bin. Also lege ich mich zu ihr. Und es ist ganz emotional. Ich denke daran, wie Blacky in meinen Armen gestorben ist, und Tossi, als mein Sohn grade sieben Jahre alt war, kurz nach der Trennung von meiner Ex-Frau. Das ist jetzt dreißig Jahre her.
Aber wie das so ist mit Erinnerungen. Sie brauchen einen Anstoß und dann sind sie gleich wieder lebendig. Ich lasse Hilde aus ihrer Kiste fressen, worauf sie Hunger hat. Dann trinkt sie und springt aus dem blauen Bus, und will mit mir Bällchen spielen.
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PILGRIMAGE INTO LIFE
DAY 3,603
May 10, 2026
CALVÖRDE
First came the utterly surprising, magnificent sunset—appearing after dark clouds had seemingly already obscured the sky. Then, the first night on the new mattress.
I cannot fall asleep. My situation holds my thoughts captive. Should I repair the bus once more, get it through its technical inspection, and then drive it until its engine finally gives up the ghost—or the transmission fails? Even if that means facing quite a few minor repairs along the way.
Or should I end this journey now, settle down, and buy a different, used car just so I can still get out and drive around during the day? At half-past one, I check the alarm clock for the last time; I wake up before six.
It was quite cold during the night, but the sun has already risen and brightens my morning. At a quarter past seven, Cronos comes running up—only for a hare to dash right across his path, directly under his nose, just moments later.
He quickly loses interest and comes back; but when Hilde reaches the spot, her nose practically screams, "Hurray! What delicious scent have we here?" With her nose held low to the ground, she follows the zigzagging trail—a trail she eventually loses as well.
Or perhaps she suddenly realized just how far away I am. She roams through the green manure crop, keeping herself fully occupied the entire time—and ends up completely soaked by the time we return to the bus.
While having my breakfast, I enjoy watching one of the hiking videos made by a young man who is traversing Scandinavia. Being unable to move myself while watching moving images—that isn't easy for me.
https://youtube.com/@finniangarvey?si=nJ5v-A3J_…
This morning, we took the chairs out of the back compartment so that I could sit outside with the horses whenever I felt like it. "Why both chairs?" he asked me. "Well, maybe someone will stop by and sit down with me."
First, though, I’m going to take a little nap; to do so, I have to briefly coax Hilde away from the back of the bus—where she has, naturally, claimed the very best spot for herself.
When I get up an hour later, the sun has us completely in its grip. Yet the open door reveals the reality: a cool breeze brushes against my bare thighs and arms. Hilde takes a quick stroll around the bus, comes back, and is thirsty.
The family invites us to join them for a midday stroll. When I turn back halfway through, Hilde is right there with me. Just before the pain in my back becomes too intense, we are back at the bus.
While we are still catching our breath, a young woman comes riding down the dirt track on her bicycle. Hilde stops her. Her old horse is stabled here on the farm, and sometimes, when she comes out from the city, she stops by to visit him.
We strike up a conversation; I tell her about our stories and books. We have only a few dozen copies left of the second volume. Perhaps this is the perfect opportunity to buy one—and since I happen to be right here at the "shipping department," I can even include a personal dedication, if she wishes. The first volume is included as a free PDF download.
It is a lovely conversation—the kind of gift one sometimes receives quite unexpectedly, almost in passing, on an otherwise unremarkable day like today. I feel deeply grateful.
We sit by the paddock, the sun warming our faces. Hilde has curled up beneath my chair, while the horses occasionally peer over the fence. I am listening to music—beautiful female voices, country melodies.
I am reminded of my youth in Hesse, and of the American Forces Network—AFN—whose songs carried me away during those quiet, lonely nights. Perhaps, in a way, I never truly came back. That is what I tell myself sometimes.
Hilde isn't doing well today. She pants and whimpers a lot whenever I’m not right there with her. So, I lie down beside her. And it feels quite emotional. I think back to how Blacky died in my arms—and Tossi, too, back when my son was just seven years old, shortly after my separation from my ex-wife. That was thirty years ago now.
But that is the nature of memories: they need only a nudge, and suddenly they spring back to life. I let Hilde eat straight out of her crate—whatever she happens to be in the mood for. Then she has a drink, hops out of the "blue bus," and wants to play ball with me.Read more














TravelerIch wünsche dir, dass du die - für dich - richtige Entscheidung triffst. 🙏
TravelerJa, das wünsche ich mir auch, Peter, wobei Sesshaft zu werden für mich nahezu undenkbar ist. Lediglich, wenn ich in einem Pflegeheim ankommen würde, könnte ich das annehmen.