Tag Siebenunddreißig
May 25–26 in Germany ⋅ ☀️ 26 °C
(English Version Below)
PILGERREISE INS LEBEN
Tag 3.618
25/05/2026
Calvörde
Es würde dich langweilen, wenn ich dir wieder erzähle, wie mein Morgen verlaufen ist, oder die letzte Nacht. Meine Tochter meint beim Spaziergang, dass es jetzt nicht mehr viel länger als eine Woche ist, bis wir abreisen.
Ich glaube, sie sind ganz froh, wenn wir wieder unterwegs sind. Hilde reagiert Cronos gegenüber nicht mehr so gereizt, solange er nicht dem Bus zu nahe kommt. Das ist schön. Und auch ich genieße die Tage hier im Rahmen meiner Möglichkeiten.
Es gibt Vorteile und Nachteile. So ist das immer, wenn sich das normale, das gewohnte Leben verändert. Selbst in der Eigenbestimmung ist das so. Und natürlich auch von außen betrachtet gäbe es immer einen Anlass zur Kritik, Vorschläge für Verbesserungen, gut gemeinte Ratschläge.
Aus meiner beruflichen Tätigkeit heraus habe ich mir angewöhnt, lediglich vorsichtige Hinweise zu geben, um meinem Gegenüber die Entscheidung selber zu überlassen.
Wenn du mich um Rat fragst, dann kann ich mir überlegen, wie weit ich mich einlassen möchte. Meist unterhalten wir uns einfach, und am liebsten erfreue ich mich an der Situation, die ich vorfinde. Auch wenn man das ein oder andere besser, anders machen könnte.
Aber letztendlich ist jeder seines Glückes Schmied. Und oft genug kann man froh sein, wenn die eigenen Umstände es ermöglichen, mit dem Geschenk des Lebens zufrieden zu sein.
Es ist eine Freude, dass wir hier leben können, und ich die Familie mal länger erleben kann. Aber genauso schön wird es sein, wenn jeder wieder seines Weges geht, und wir uns aus der Ferne zuschauen.
Die Pferde stehen wieder vor uns auf der Weide im hohen Gras. Der Wind ist noch da, aber er bewegt die Gräser heute vorsichtiger. Doch sein sanftes Wehen ist noch kühlend, wenn es die nackte Haut berührt.
Mein Frühstück findet erst Mittags statt, und passend dazu bekomme ich noch ein leckeres Stück von der Philadelphiatorte, die meine Tochter vorbereitet hat.
Der letzte Markknochen kommt für Hilde grade richtig nach dem Spaziergang. Sie liegt in dem kleinen Schatten vom Bus und arbeitet voller Energie, während ich in der Seitentür sitze, bis mir der Hintern weh tut, und ich auf das Polster vom Bett wechsele.
Die Sonne zieht mir sämtliche Energie raus. Ich bin nicht in der Lage, irgendwas zu tun, außer hin und wieder eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken, mal aufs Handy zu gucken, ein kurzes Schläfchen zu machen.
Wir hängen komplett durch. Liegen hier und da rum, machen das gleiche mit Sitzen. Einer im Bus, der andere in dem kleinen Schatten, den er wirft. Oder unterm Bodenblech im kühlen Lehm. Selbst die Vögel haben keinen Bock zu fliegen. Außer den Schwalben, die können nicht ruhig sitzen.
Den Nachmittag sitzen wir im Halbschatten und schauen der Familie zu, die an den Boxen bauen. So gibt es hin und wieder einen kleinen Schwatz, und ich bewundere die Beiden über ihre Energie an so einem heißen Tag.
Meine Tochter schlägt mir vor, bei der Hitze wieder im Haus zu schlafen, was wir dankbar annehmen. Die liebe Enkelin bringt unsere Sachen rüber, und dann ist der blaue Bus alleine.
Du magst mich für skurril erklären, aber ich habe ein Gefühl für ihn, wenn er ohne uns einschlafen muss. Später steht er noch eine halbe Woche ohne uns bei Alex, es wird eine große Freude sein, wenn wir uns wiedersehen.
Als ich endlich meine Füße bade, kommt auch Hilde im Haus an. Sie rollt sich ein. Meine Beine zucken vor Erschöpfung, denn die letzten drei Nächte habe ich sehr wenig und sehr schlecht geschlafen. Mal sehen, dass ich hier langsam runterfahren kann.
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PILGRIMAGE INTO LIFE
Day 3,618
May 25, 2026
Calvörde
It would bore you if I were to tell you again how my morning went—or last night, for that matter. During our walk, my daughter remarked that it is now no longer much more than a week until we set off again.
I think they are quite glad that we will soon be back on the road. Hilde is no longer reacting so irritably toward Cronos—at least as long as he doesn't get too close to the bus. That is nice. And I, too, am enjoying my days here, to the best of my ability.
There are pros and cons. That is always the case when one’s normal, accustomed life undergoes a change. This holds true even when one is living life on one’s own terms. And, of course, when viewed from the outside, there would always be grounds for criticism, suggestions for improvement, or well-intentioned advice.
Drawing upon my professional background, I have made it a habit to offer only gentle pointers, thereby leaving the final decision to the other person.
If you ask me for advice, I can then consider to what extent I wish to get involved. Usually, we simply chat, and what I enjoy most is simply appreciating the situation as I find it—even if one thing or another could perhaps be done better or differently.
But ultimately, everyone is the architect of their own fortune. And often enough, one can simply be grateful when one’s own circumstances allow for finding contentment in the gift of life.
It is a joy that we are able to be here, and that I can spend an extended period of time with the family. Yet it will be just as lovely when everyone goes their separate ways again, and we watch over one another from a distance.
The horses are once again standing before us in the pasture, amidst the tall grass. The wind is still present, though today it stirs the grasses more gently. Yet its soft breeze remains cooling as it touches the bare skin.
My breakfast doesn't take place until noon—and, fittingly enough, I am treated to a delicious slice of the Philadelphia cheesecake my daughter prepared.
The last marrow bone comes at just the right moment for Hilde after our walk. She lies in the small patch of shade cast by the bus, working away at it with boundless energy, while I sit in the side doorway—until my backside starts to ache, at which point I move to the bed cushions.
The sun drains every last ounce of energy from me. I am incapable of doing anything at all, save for grabbing a bite to eat or a sip to drink every now and then, glancing at my phone, or taking a short nap.
We are completely lethargic. We lie around here and there—and do much the same when sitting. One of us is inside the bus, the other in the small patch of shade it casts. Or else we’re down by the metal floor plate, in the cool clay soil. Even the birds can’t be bothered to fly—except for the swallows; they simply can’t sit still.
We spend the afternoon sitting in the dappled shade, watching the family as they work on building their stalls. This leads to a brief chat every now and then, and I find myself admiring the pair for the sheer energy they manage to muster on such a scorching day.
My daughter suggests that, given the heat, we sleep inside the house again—an offer we gratefully accept. My sweet granddaughter carries our things over, and then the blue bus is left all alone.
You might think me eccentric, but I feel a real sense of empathy for him when he has to settle down for the night without us. Later on, he will spend another half-week parked at Alex’s place without us; it will be a true joy when we are reunited.
Just as I finally get to soak my feet, Hilde arrives inside the house as well. She curls herself up. My legs twitch with exhaustion, for I have slept very little—and very poorly—over the last three nights. Let’s see if I can finally start to wind down here.Read more









Traveler
Hilde sucht Schatten, ihr ist es wohl heute auch zu warm