Tag Neununddreißig
May 27–28 in Germany ⋅ ☀️ 22 °C
(English Version Below)
PILGERREISE INS LEBEN
Tag 3.620
27/05/2026
Calvörde
Als wir das Haus verlassen, fegt ein kühler Wind mir übers T-Shirt, die Temperatur ist in den frühen Morgenstunden um einige Grad gefallen.
Der Wecker reißt mich aus einem tiefen Schlaf, die neuen Stützstrümpfe fühlen sich künstlich an. Sie lassen sich schwer anziehen, und ich bin froh, als sie endlich perfekt sitzen.
Als ich in den Flur komme, denke ich, dass die Familie schon weg ist, das laute Gebell von Cronos verorte ich schlaftrunken außerhalb des Gebäudes. Das Tor ist geschlossen, die Familie ist noch im Haus, erwartet Handwerker, also gehen wir alleine.
Im Gegensatz zu meinen schmerzenden Knien, wenn ich aufwache, ist das Gehen immer sehr angenehm. Bis zu einem gewissen Punkt, wo die Schmerzen im Rücken einsetzen. Heute gehen wir noch einen Baum weiter, und erst auf dem Rückweg, beginnt das Gehen schwerfälliger zu werden.
Meine Enkelin klopft an der Tür und fragt, ob ich ihr Geld leihen könnte für ein lebendes Huhn. Vorne am Haus parken schon zwei Fahrzeuge, denn alle zwei Wochen kommt der Hühnerverkäufer vorbei.
Es sieht süß aus, ist ein Italiener, das schon ein Ei gelegt hat, und ich darf ihr den Namen geben. Und so verewige ich meinen alten Freund Blacky in einem jungen Huhn. Was für eine Reinkarnation. Hilde mag es auch gleich leiden, sie hätte es liebend gerne zum Fressen, muss sich aber erstmal mit einem Fernkuss begnügen.
Heute bin ich müde und quäle mich bis zum Mittag mit dem Versuch einzuschlafen. Dann gehen wir mit den Hunden spazieren. Dabei macht mir meine Tochter einen Vorschlag. Sie habe einen Rollator besorgt und möchte, dass ich ihn ausprobiere, solange ich noch da bin.
Hui, das ist ein Brett. Fast so dick wie das E-Bike, das mir Gäste meiner Rentenparty vor zehn Jahren geschenkt haben.
Jetzt also der Rollator mit Bedenkzeit. Sitzen geht schon mal und Fahren findet im Kopf statt. Während alle mir freundlich zunicken, bin ich innerlich erstarrt. Aber ich werde es versuchen.
Wir begegnen der männlichen Weihe auf sehr kurze Entfernung, sodass wir den schönen Vogel in Ruhe betrachten können, während er langsam wegfliegt.
Hilde sitzt lange im kleinen Schatten vom blauen Bus. Sie liebt es, alles beobachten zu können. Mit der verknoteten Leine bin ich sicher, dass sie bei einem Radfahrer - Blitzstart nicht in Gefahr kommt.
Ich überlege, wie das in Zukunft unser Reisen beeinflussen wird.
Heute miste ich nochmals den Bus aus. In den letzten drei Wochen hatte ich so keine Lust dazu, aber jetzt bis zur Abholung macht das Sinn zu gucken, was wir nicht mehr brauchen.
Die erste Rollatortour. Die gleiche Entfernung wie am Morgen. Weniger Rückenschmerzen, dafür drückt es aber im rechten Oberarm und ich merke am Ende meine Knie. Natürlich sieht das lustig aus, aber auch ohne das Teil ist mein Gehen skurril.
Mal gucken, wie es mir nach der Nacht so geht. Im Moment bin ich aber durchaus mit mir zufrieden.
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PILGRIMAGE INTO LIFE
Day 3,620
May 27, 2026
Calvörde
As we leave the house, a cool wind sweeps across my T-shirt; the temperature has dropped by several degrees in the early morning hours.
The alarm clock jolts me from a deep sleep; the new compression stockings feel artificial. They are difficult to pull on, and I am relieved when they finally fit perfectly.
As I step into the hallway, I assume the family has already left; in my sleep-addled state, I place Cronos’s loud barking somewhere outside the building. The gate is closed, however—the family is still inside, awaiting some tradespeople—so we set out alone.
In contrast to the aching in my knees when I first wake up, walking is always very pleasant—up to a certain point, that is, when the back pain sets in. Today, we walk one tree further than usual, and it is only on the return journey that my walking begins to feel more labored.
My granddaughter knocks at the door and asks if I could lend her some money for a live chicken. Two vehicles are already parked out front, as the chicken seller comes by every two weeks.
It looks sweet—it’s an Italian breed that has already laid an egg—and I get to name it. And so, I immortalize my old friend Blacky in a young chicken. What a reincarnation! Hilde takes an immediate liking to it, too; she would absolutely love to eat it, but for now, she has to settle for blowing it a kiss from a distance.
Today I feel tired, and I struggle until noon, trying in vain to fall asleep. Then we go for a walk with the dogs. During the walk, my daughter makes a suggestion. She tells me she has acquired a walker and would like me to try it out while I’m still here.
Whoa—that’s a tough pill to swallow. Almost as hard to accept as the e-bike that guests at my retirement party gave me ten years ago.
So now, the walker—with a trial period attached. Sitting on it works just fine, but the real struggle—the "walking" part—is taking place entirely in my head. While everyone around me nods kindly, I feel completely frozen inside. But I will give it a try.
We encounter a male harrier at very close range, allowing us to observe the beautiful bird at our leisure as it slowly flies away.
Hilde sits for a long time in the small patch of shade cast by the blue bus. She loves being able to watch everything going on around her. With the leash knotted short, I can rest assured that she won't be in any danger should she suddenly bolt after a passing cyclist.
I find myself wondering how this will impact our travels in the future.
Today, I’m giving the bus another thorough clear-out. For the past three weeks, I simply couldn't muster the inclination to do it; however, now—with the vehicle’s scheduled pickup fast approaching—it makes perfect sense to go through everything and see what we no longer need.
My first outing with the rollator. The distance covered is the same as it was this morning. My back hurts less, though now I have a nagging ache in my right upper arm, and by the end of the walk, I can really feel it in my knees. Of course, it looks a bit comical—but then again, even without the device, my gait is rather peculiar.
We’ll see how I feel after a night’s rest. For the moment, however, I am quite pleased with myself.Read more











TravelerDas ist toll, dass deine Tochter sich so um dich kümmert! Und ich hoffe, du gewöhnst dich an den Rollator, auch wenn du dir damit vorkommen magst wie ein alter Mann. Eine weitere Herausforderung wird sein, das Teil in dem dann hoffentlich bald wieder fahrtüchtigen Bus unterzubringen. 🙏 LG Peter
TravelerJa, da hast du recht. Und ich mache mir auch Sorgen darüber, ob ich das Teil ein- und ausräumen kann, um es zu benutzen. Und nun ja, in gewisser Weise bin ich ein alter Mann, was meine körperliche Beweglichkeit angeht. Ich habe damit gerechnet, hatte aber gehofft, es käme fünf Jahre später