Tag Siebenundvierzig
Jun 4–5 in Germany ⋅ 🌧 20 °C
(English Version Below)
PILGERREISE INS LEBEN
Tag 3.628
04/06/2026
Hagenburg
Noch ziemlich benommen sitze ich an einem schönen Holztisch im Haus der Freunde, die schon unterwegs sind. Arbeit, Schule, der übliche Frohsinn.
Sebastian war schon mit Hilde draußen, ich fühle mich tatsächlich außerstande, heute mehr als das Notwendige zu leisten.
Über Stunden war mir noch schlecht von der Fahrt. Durch die Anstrengung ist mein Herz in Unruhe gekommen. Immer wieder bin ich aufgestanden, während Hilde schon tief und fest geschlafen hat.
Erst in den Morgenstunden des neuen Tages konnte ich einschlafen, nachdem die Nachrichten fast zeitgleich einpurzelten, dass der Bus und die Kinder gut angekommen sind.
Der Vormittag verläuft in Stille. Meist liegen wir im Bett, Hilde schläft immer gleich ein, während ich versuche, wenigstens zu entspannen. Das Haus ist am späten Vormittag leer, ich geh mich waschen, um später noch ein zweites Porridge zu essen.
Das Gehen im Erdgeschoss ohne Stock ist anstrengend für die Knie, will ich runter zur Toilette, muss ich vier Stufen rückwärts gehen, mich gleichzeitig am Türrahmen festhalten. Dabei kann ich natürlich nichts tragen. Zurück geht's den gleichen Weg.
Körperwäsche im Bus ist wirklich einfach, sowie die meisten anderen Sachen auch, weil ich es vom Sitzen aus erledigen kann. Hier muss ich mich für fast alles durch die Wohnung bewegen. Aber es geht und es macht zufrieden.
Wir sprechen von einem - vielleicht geringen - Maß an Selbstständigkeit, das es gilt, sich zu erhalten. Aber auch das gehört zu einer Pilgerreise, Grenzen auszutesten und Grenzen zu akzeptieren.
Als Dominice mit ihrem Sohn von der Arbeit kommt, stellt sie ein Tablett mit leckerem Erdbeer- und Apfelkuchen auf den Tisch.
Draußen geht die Welt unter, ein Gewitterschlag, und dann prasselt der Hagel gegen die Fensterscheibe.
Wieder Sonne und sie ist wirklich warm. Dominice nimmt Hilde an die Leine, der Sohn läuft voraus, um zu gucken, ob andere Hunde um die Kurve kommen. Der Weg ist lehmig und nass, aber mit dem Rollator geht es überraschend gut. Allerdings stockt der Matsch in den Halterungen der Reifen, sodass ich ihn immer wieder ausklopfen muss.
Gleiche Entfernung auf der Straße wirkt deutlich einfacher. Aber es ist möglich, hier zu gehen, und tatsächlich kommen wir vor dem nächsten Gewittersturm ins Haus.
Hier ist jetzt Schularbeitenzeit. Hilde schläft unterm Tisch, meine Füße sind müde.
"Kiste ist fertig. - Kannst Du abholen!" Das ist die beste Nachricht des heutigen Tages.
Heute gibt es Serrano - Eisbein, ein liebes Geschenk für Hilde, das wir irgendwann mal unterwegs von einem lieben Menschen geschenkt bekommen haben.
Abendessen zum Sattwerden, die Familie geht früh schlafen, ich leiste der Spülmaschine noch ein wenig Gesellschaft, während die Sonne hinter dem Nachbarhaus übers Steinhuder Meer wandert.
Das Bild ist von meinem Schwiegersohn, der gestern noch am Wasser gewesen ist.
---
PILGRIMAGE INTO LIFE
Day 3,628
04/06/2026
Hagenburg
Still feeling quite groggy, I sit at a beautiful wooden table in the home of our friends—who are already out and about. Work, school: the usual cheerful bustle.
Sebastian has already taken Hilde out; I, however, feel truly incapable of doing anything more than the bare minimum today.
For hours, I continued to feel nauseous from the journey. The physical exertion had left my heart racing and unsettled. Time and again, I got up and paced about while Hilde slept soundly.
It was not until the early hours of the new day that I was finally able to fall asleep—shortly after the news came trickling in, almost simultaneously, that the bus and the children had arrived safely.
The morning unfolds in silence. We spend most of the time lying in bed; Hilde falls asleep instantly, while I simply try to at least relax. By late morning, the house is empty; I go to wash up, planning to have a second bowl of porridge a little later.
Walking on the ground floor without a cane is strenuous on my knees; if I want to go down to the toilet, I have to descend four steps backward while simultaneously holding onto the doorframe. Naturally, this means I cannot carry anything. The return journey follows the exact same path.
Washing up in the bus is actually quite simple—as are most other things—because I can do it while seated. Here, however, I have to move about the apartment for almost everything. Yet it works, and it brings a sense of satisfaction.
We are speaking of a—perhaps modest—degree of independence that must be preserved. But this, too, is part of a pilgrimage: testing one’s limits and accepting them.
When Dominice arrives home from work with her son, she places a tray laden with delicious strawberry and apple cake on the table.
Outside, the world seems to be coming to an end: a clap of thunder, followed by hail pelting against the windowpanes.
The sun is out again—and it’s truly warm. Dominice puts Hilde on her leash, while our son runs ahead to check if any other dogs are coming around the bend. The path is muddy and wet, but navigating it with the walker goes surprisingly well. However, the mud keeps clogging the wheel mounts, so I have to keep knocking it out.
Covering the same distance on the road feels significantly easier. But walking here is doable, and sure enough, we make it back inside just before the next thunderstorm hits.
It’s homework time now. Hilde is asleep under the table, and my feet are tired.
"The crate is ready—you can come pick it up!" That is the best news of the day.
Tonight, we’re having Serrano ham hock—a lovely treat for Hilde that a kind soul gave us while we were on the road some time ago.
A hearty, filling dinner; the family heads to bed early, while I keep the dishwasher company for a little while longer as the sun dips behind the neighbor’s house and drifts across the Steinhuder Meer.
The picture is from my son-in-law, who was down by the water just yesterday.Read more











Traveler
Das hört sich doch gut an dann kanns ja wieder los gehen
TravelerJa genau