• Genug erlebt...

    May 10 in Germany ⋅ ⛅ 10 °C

    ...um nicht über das Wetter schreiben zu müssen.

    Liebes Tagebuch.
    Die Nacht war in Ordnung und gegen acht verließ ich das Dom Hotel in Richtung Promenade. Vereinzelt torkelten noch ein paar Jugendliche am Wasser entlang. Etwas entfernt lief Ballermannmucke. Weg hier. Mein nächstes Ziel war das Haitabu Museum. Ich war ich mal als Kind und nun wollte ich mal gucken was man hier lernen konnte. Das zukünftige Wissen sollte 14€ kosten. Joa. Ich war der erste vor Ort und kam mir wie ein Nerd vor. Die Austellung startete auch ganz gut. Eine Abhandlung über die Historie der ehemaligen Wikinger Siedlung und die Ausgrabungen. Natürlich wurde auch diese archäologische Stätte im dritten Reich von den Nationalsozialisten ausgeschlachtet.
    Anschließend gab alle möglichen Gegenstände des Alltags zu sehen. Schmuck, Werkzeuge, Waffen etc. Anschließend ging es in die Schiffshalle, in der sich ein Modell eines Langschiffs befand. Mittlerweile war noch ein Rentnerpaar dazu gekommen. Sie ließen den Audioguide in voller Lautstärke über ihr Telefon abspielen. Somit konnte sich mein Wissen verfestigen. Ich ging durch die nächste Tür und Stand plötzlich im Eingangsbereich. Gerade mal eine Stunde. Ich hatte wirklich alle Texte gelesen. Nun gut. Es gab ja noch das Dorf, aber auch das war in 15 Minuten abgehakt. Heute war Sonntag und am Wochenende sind da so Leute, die so tun als wären sie Wikinger. Aber heute war wohl nur eine Schildmaid anwesend. Sie saß Kaffee trinkend auf einer Sitzgarnitur. So muss es wohl gewesen sein. Weiter ging es. Der Weg wurde nun richtig schön und schmal und es ging auch mal etwas hoch und runter. Überall zwitscherten Vögel. Meinen Beinen ging es gut. Ich hielt an meiner gestrigen Gangart fest. Der Weg ging nun wieder über eine Strasse und ich hörte schnelle Schritte hinter nie und eine Wanderin lief plötzlich neben mir. Moin. Moin. Wir guckten uns gegenseitig auf die Rucksäcke. Es stellte sich heraus, dass sie auch auf dem NST unterwegs ist. Sie war auch letzten Samstag gestartet. Wir gingen ein paar Schritte zusammen und erzählten uns die schönsten Geschichten aus der Asphalthölle. Ich konnte nicht mit ihr Schritt halten und sie musste einen Bus zurück zu ihrer Unterkunft kriegen. Als wir uns verabschiedeten stellte sich heraus, dass wir an einer Bundestrasse standen und nicht auf dem NST. Sie ging die Straße weiter, um dann wieder auf den Trail abzubiegen. Ich hatte null Ambitionen an der Straße zu gehen und drehte wieder um. Das sollte sich lohnen, denn es ging an einer schönen Mühle und Teichen vorbei. Der nächste Abschnitt war etwas mühsam. Gerade Feldwege, aber immerhin ab und zu mit Schotter. Ich fing an des Spiel "Verzecken" zu spielen. Wieviele Zecken konnte ich am Wegesrand im hohen Gras ausfindig machen? Meine Geschwindigkeit war dafür perfekt. Ja und nach kurzer Zeit und der Zahl 15 wurde der Spielspass durch Paranoia abgelöst. 😂 Ich konzentrierte mich auf den Asphalt. Aber auch das wurde anschließend mit dem Naturpark Hütter Berge belohnt. Keine Berge. Hügel. Eine willkommene Abwechslung. Ein ganz toller Buchenwald mit vielen kleinen Wegen. Dann ein Anblick, den ich schon seid Jahren nicht mehr hatte. Eine rare Sichtung unter den Outsoodspezies. Immer gut getarnt, oft abseits der Wege unterwegs: Bushcrafter. Gleich zwei. Sie stapfen an mir vorbei direkt in den Wald. Vermutlich wollen sie nur einen Kaffee kochen, denn sie haben je nur einen ca 60 Liter Militärrucksack dabei. Ihr Tarnkleidung macht sie eins mit der Natur, als sie im Gebüsch verschwinden.
    Jetzt ging es rauf auf den bislang höchsten Punkt mit 62 Metern. Oben angekommen wurde ich von Sonne und einer Sitzgelegenheit in Empfang genommen. Bis zu meinem Ziel waren es nur noch 1,7 km. Zeit hier etwas zu verweilen und zu schreiben. Währenddessen kamen immer mal wieder ein paar Einheimische hier hoch. Völlig ausser Atem. Von diesem schweren Anstieg waren auch viele Geschichten im E1 Trailregister nachzulesen. Dieses befand sich in einer Holzschachtel am "Gipfel". Neben einigem Blödsinn waren auch viele Einträge von Menschen auf dem NST zu lesen.
    Es wird kühl und ich mache mich auf den Weg zum Trekkingcamp. Da hatte ich mich gestern schon angemeldet. Das Camp ist hinter einem Haus, in dem Rüdiger wohnt. Er bezeichnet sich als Althippie und stellt seinen Garten gerne zur Verfügung. Als er meine Schuhe sieht ist das Eis sofort gebrochen. Er ist passionierter Altra Träger und nachdem wir mit dem Thema durch sind kommen wir zur Musik, Wandern, Natur und Vögel. Er ist auch Vogelkundler. Ja und so vergehen fast ein einhalb Stunden, bevor ich überhaupt mein Zelt aufbaue. Alles auf eine super sympathische Art. Er hat eine Aussentür für sein Bad eingebaut, damit seine Gäste vom Garten direkt aufs Klo können. Er teilt gern, wie er sagt. Seine Katze kommt mich noch besuchen. Auf der riesigen Weide nebenan leben Schafe und Ziegen. Die Vögel zwitschern. Schnell noch dehnen, essen und dann in die Falle.
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