• Einmal um Lübeck herum

    May 19 in Germany ⋅ ☁️ 15 °C

    Liebes Tagebuch. Die Nacht in der etwas gruseligen Pension habe ich wohlbehalten überstanden. Ich habe mich heute Morgen unauffällig verkrümelt, um nicht doch noch zum gemeinsamen Psychofrühstück gezwungen zu werden.
    Ich wanderte so in den Tag hinein und machte mir über dies und jenes Gedanken. Ich war etwas missmutig, da ich heute Abend nach ca 40km quasi in Lübeck stehen würde was vermutlich wieder zur Folge haben würde, dass ich mir irgendeine Unterkunft nehmen muss. Aber das waren Probleme für Future Magpie. Das Wetter war toll und der Weg war recht abwechslungsreich: Schotter, Feldwege, Landstraße, weiche Waldböden. Durch Wiesen, Felder und Wälder. Die Kilometer purzeln so dahin und mit ihnen auch die 400km Marke.
    Ein Highlight ist definitiv der Abschnitt an der Schwartau. Einfach zum Genießen. Dann kam das Dorf/Stadt Ratekau. Habe mich erstmal verlaufen. Kam aber trotzdem beim Rewe raus. Da wollte ich hin. Dann nichts wie weg. Die Menschen wirken hier nicht so freundlich. Komisch.
    Etwas außerhalb traf ich einen Opa, der langsam auf mich zukam. Er hatte wohl sein Gebiss vergessen. Er sprach mich an und ich hatte Schwierigkeiten ihn zu verstehen. Angeblich war wohl der Weg vor mir gesperrt, da gerade neue Hochspannungsleitungen gespannt werden. Mit Hubschraubern. Er deutete in die Richtung. Ich sah weder Hochspannungsleitungen noch Hubschrauber. Zu hören war auch nichts.
    Wohin ich denn wolle. Ich nannte ihm den Namen des nächsten Dorfes ein paar KM weiter. "Kenne ich nicht."
    Ok. Er nuschelte wieder was von den Strommasten. Ich verabschiedete mich und zog davon. Mal gucken was davon wahr ist. Natürlich nichts. Ich traf zwar auf drei Baustellen, aber hier passierte gar nichts und alle wirkten schon länger verlassen. Wie lange war der Opa wohl hier draußen gewesen? 😂
    Der NST macht nun einen großen Bogen um Lübeck, aber man merkt meistens, dass man nah an einer Stadt ist. Überall Lärm, Straßen und Menschen. Dann geht es für ein paar Kilometer nach Mecklenburg Vorpommern rein und entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze und durch ein wunderschönes Stück Heide.
    Ich mache Pause an einem See und dort treffe ich Uwe. Er hat einen Monat frei und fährt den NST soweit es geht mit dem E-Roller. Sein Gerät hat was von Mad Max. Fette Schlappen und viel Klimbim. Wir unterhalten uns ausgiebig. Dann ist da noch Daniel, der mich vorher angesprochen hatte. Angeblich hat er schon richtig extreme Sachen gemacht. Nur was genau erzählt er nicht. Nerven vielleicht? 😂 Aber was er alles noch machen will, davon kann er gar nicht genug erzählen. Er ist ein richtiger Maulheld. Uwe erzählt uns noch was vom Camino und dann trennen sich unsere Wege wieder. Uwe sehe ich vielleicht nochmal wieder. Daniel hoffentlich nicht. Ich bin platt. 44 Kilometer bin ich gegangen. Ich möchte ausruhen. Bis aus dem Speckgürtel von Lübeck raus sind es noch mindestens 10 Kilometer. Das schaffe ich nicht. Ich muss wohl in den sauren Apfel beißen. Im Tausch gegen 50€ erhalte ich Zugang zu einem richtig schönen Loch. 😂 Mehr bin ich auch nicht bereit auszugeben. Ich möchte ungern mein Budget für diesen Monat überschreiten.
    Es ist echt eine Absteige, aber fussläufig vom Trail und das Zimmer hat eine XXL Glotze.
    Ich mache mir was zu essen und fange an zu schreiben.
    Liebes Tagebuch, es gibt eigentlich noch so einiges zu erzählen von heute. Viele kleine Dinge am Wegesrand, der Hase, der heute seinen zweiten Geburtstag feiern durfte, eine Fahrt im Shuttle durch den Herrentunnel, Minischafe und und und. Aber ich bin einfach zu müde und möchte den Kopf abstellen... bis morgen.
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