Das Rauschen
May 22 in Germany ⋅ ⛅ 19 °C
Liebes Tagebuch.
Ich brauche Schlaf. 😴😅 Habe tief und fast geratzt und war dann etwas träge. Erst um halb sieben war ich abreisebereit. Erstmal 1,5km zurück zum NST und dann begann der Wanderspass. Es ging kurz durch einen zeckenverseuchten Wald und dann meist einfach immer stumpf ein paar Kilometer geradeaus. Dann eine Kreuzung und wieder von vorn. Der Belag wechselte zwischen Schotter, weichen Waldwegen, Pflastersteinen, Betonplatten und Asphalt. Ich konnte nun auch das Rauschen der Autobahn vernehmen. Wie ein Wasserfall von weitem und halt wie eine Autobahn von nahem. Ich sog den Krach in mich auf und akzeptierte ihn. Ändert ja nichts. Ich ließ meine Beine einfach ihre Arbeit verrichten. Die Gedanken drehten wieder frei. Ich traf niemanden (ausser ein paar Hasen und Rehe) und nichts passierte. Der Himmel war noch immer mit einer dicken Wolkendecke verhangen und es war sehr drückend in den Feldern und kühl feucht in den Wäldern. Ja und in den Waldabschnitten da warteten sie auf mich. Die Mutantenmücken. Fette Viecher. Ein ganzer Schwarm verfolgte mich und verwandelte meine Beine in einen Streuselkuchen. Auch eine Art von Rauschen. Oder eher (Blut)Rausch.
Ich kam durch das Gut Wotersen, welches völlig in der Zeit stehen geblieben war. Irgendwie fühlte ich mich 200 Jahre zurückversetzt. Nur ein paar Porsche erinnerten an die Gegenwart. Merkwürdiges Gehöft.
Und so zog sich der Tag wie ein Gummiband. Im Hintergrund immer das Rauschen. Nach 28km erreichte ich Kuddewörde. Auf der Autobahn war wohl stau. Das ganze Dorf war von Campern und anderen Gefährten verstopft. Chaos. Abgasgestank. Das Rauschen war nun ganz nah.
An der Hauptkreuzung war eine Bäckerei. Seid Kiel konnte ich allen kulinarischen Gelüsten widerstehen, um das Budget zu schonen. Nun war es Zeit auf die Kacke zu hauen. Zwei große Kaffee, ein Stück Himbeer Cheesecake und eine unglaublich lecker siffiges Franzbrötchen mit Kürbiskernen. So saß ich da und beobachtete die gestressten Menschen in ihren Karren, während ich mir meine Happen schmecken ließ.
Die Pause tat unglaublich gut. Dann bot mir der Trail eine Entschuldigung an. Die letzten zehn Kilometer sollte es auf famosen Pfaden durch das Billetal gehen. Ein purer Genuss... bis auf das Rauschen. Auch hier dominierte es alles und es wurde stärker und stärker. Ich ging unter der Autobahn lang. Dann entfernte es sich stetig und für die letzten drei Kilometer oder so hatte ich endlich Ruhe... ich erreichte den Bahnhof Aumühle kurz vor den Toren Hamburgs. Von hier nahm ich die S Bahn Richtung Phoenix. Pfingsten stand vor der Tür. Es würde voll werden in der Natur und Himmelfahrt hatte mir gezeigt, dass mir das einfach nicht so Spass machte, wenn überall Tamtam ist. Also einfach mal Pause machen. Mit Phoenix campen, grillen und abhängen. Meine Beine würden sich auch über eine Schonzeit freuen. Sie hatten mir gute Dienste geleistet und sollten nun entlohnt werden. In den letzten Tage hatte ich einen Schnitt von 36km. Mein Tempo. 😅
Ab Montag geht es dann die letzten paar Kilometer zur Stadtgrenze und dann ab durch die City. Ja und dann ist der Abschnitt Nord ja auch schon erledigt.Read more




























Traveler
Was für ein tolles Foto 🤩
TravelerBeim Lesen des Berichts hat "das Rauschen" mich schon angestrengt. Macht euch ein schönes gemütliches Pfingstwochenende.
Traveler
Ein Fallschirm im Sprung!