• Finale & Never quit on a bad day...

    May 26 in Germany ⋅ ☀️ 20 °C

    ...oder wenn es mal durch die Stadt geht. Und schon gar nicht 30km vor dem ersten großen Ziel.

    Liebes Tagebuch.
    Never quit on a bad day.
    Diesen Satz musste ich mir heute morgen, als ich aus dem Südausgang des Hbf Hamburg schritt und zwei Meter von mir jemand auf den Weg kackte, zum ersten mal seit langer Zeit wieder sagen. Eigentlich aus Spaß, aber ich hörte in mir einen ernsten Unterton. Ach Hamburg meine Perle. Never quit on a bad day.
    Ich versuchte den Trail (sofern es den hier in der Stadt geben kann) zu erreichen, aber ein paar Baustellen, Strassensperren und Kotzehaufen machten es etwas umständlich. Irgendwie klappte es dann und ich stand an der Binnenalster. Hier sollte es entlang gehen. Ich versuchte mir den Weg von der Karte im Kopf zu speichern, aber dann stand ich plötzlich auf dem Jungfernstieg. Da passte doch was nicht. Also einen Weg zum botanischen Garten gesucht und versucht nicht auszurasten. Never quit on a bad day. So musste ich ständig aufs Handy gucken, um zu sehen wohin es gehen sollte. Um mich herum Menschen, Autos, Krach, Stress. Never quit on a bad day.
    An den Landungsbrücken konnte ich den ganzen Touriwahnsinn etwas ausblenden, denn dort traf ich meinen alten Kunpel Join. 20 Jahre hatten wir uns nicht gesehen. Jetzt hatte es endlich mal geklappt. Bei einem kühlen Getränk versuchten wir zwei Dekaden in 30 Minuten aufzuarbeiten. Also gab jeder einen Schnellabriss der wichtigsten Ereignisse. Dann trennten sich unsere Wege wieder, denn er hatte noch zu tun und ich noch Kilometer zu gehen. Bis bald alter Freund.
    Entlang der Landungsbrücken, Fischmarkt und Elbstrand war der Teufel los. Alle wollten die beeindruckende Aussicht auf den Hafen genießen. Auch ich konnte mich dem nicht verwehren. Dicke Pötte, Hafenrundfahrten, Schlepper... alles dabei. Am Strand sonnten sich die ganz coolen. Ein Typ lag nackt dort und eine Flasche steckte mit dem Kopf voran in seiner Arschritze. Ein prächtiger Anblick. Never quit on a bad day.
    Der Weg kam auch am Hafenklang entlang. Einem Laden in dem ich schon recht oft war. Oxbow, Extreme Noise Terror, EyeHateGod, D-Clone, Warthog, Hellshock, Slöa Knivar usw. Die Creme de la Creme des Krach. Oder halt selber dort Musik gemacht. Sowas halt.
    Richtung Blankenese wurde es etwas ruhiger. Kurz. Es ging nun auf die Fähre Richtung Rüschpark und der Anleger war schon gut gefüllt. Die unzähligen Fahrradfahrer drängten und quetschten sich auf das Schiff als wenn es die letzte Überfahrt wäre... die Fahrt war kurz und auf der anderen Seite ging es nun für mich am Airbus Werk vorbei. Welch schöne Ruhe doch so Triebwerktests ausstrahlen. Dazu das liebliche Rauschen einer Bundesstraße. Never quit on a bad day. Tatsächlich war der Trail zeitweise echt ansehnlich, aber es gab nun keinen Schatten mehr. Ich wurde gegrillt. Ab Neuenfelde ging es dann kilometerweit nur geradeaus durch eine Brache. Zum Glück stand am Wegesrand ein Automat mit kühlen Getränken. Ich gönnte hart. Dann weiter. Wasser über den ganzen Leib verteilt, zentimeterdick Sonnencreme drauf und ab. Plötzlich stand ich vor der Baustelle einer neuen Autobahn. Wo hier der Trail langgehen sollte war mir ein Rätsel. Das GPS sagte gerade aus durch einen breiten tiefen Wassergraben über die Baustelle, auf der hart geschuftet wurde. Schwimmen wollte ich nicht. Linker Hand war der Weg durch ein Tor gesperrt. Privat. Also rechts rum. Never quit on a bad day. Ein ewig langer Umweg stand an. Fast. Denn nach ein paar hundert Metern hatte die Baustelle eine Durchfahrt. Natürlich überall Verbotsschilder. Hmmm. Durch? In dem Moment fuhr ein Opa an mir vorbei. "Na mal gucken ob es hier lang geht, haha!" Also ihm nach. Durch! Es klappte. Nach ein paar Minuten merkte ich, dass offenbar noch andere Fahrradfahrer*innen alle Verbotsschilder ignorierten. Dann kanns ja nicht so wild sein... Also immer weiter geradeaus Richtung Fischbek. Mein GPS Track führte mich auf einen Feldweg, der einfach im Nichts endete. Never quit... Also wieder zurück und direkt an den Bahngleisen entlang. Eine Elster aka Magpie landete vor mir und ich wusste das nun alles gut sein würde. Ja und dann kam ich auf den Zubringer vom Heidschnuckenweg. Erinnerungen an meine erste Fernwanderung von 2018 kamen zurück. Hier bin ich lang gestapft. Kaum Ahnung von nichts. Jetzt stehe ich wieder hier am Trailhead. Nach 600km Nord Süd Trail und knapp 4000km anderer Wege. Ein gutes Gefühl. Wieviele Ängste konnte ich mir über die Jahre nehmen. Die Lernkurve geht erst steil, aber hört nicht auf.
    Dennoch war es ein herausfordernder Tag. Die Lautstärke, die Hitze, der Asphalt, die Menschenmassen... der Bad Day. Er geht vorbei.
    Damit ist der Abschnitt Nord abgehakt. ✅

    Morgen geht es kurz nach Hause und dann am Donnerstag geht es nach Dillenburg.
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