• Rauchkofel und Durreck-Höhenwanderweg

    June 17 in Italy ⋅ ☁️ 12 °C

    Nachdem wir gestern Abend schon das Wetter gecheckt hatten und der morgendliche Blick aus dem Fenster zum Gletscher gutes Wetter versprach, haben wir uns für eine lange Tour entschlossen. Folgender Vorschlag kam von Gritti: Auffahrt mit Seilbahn zum Klausberg (1.600 m), dann Aufstieg zum Klaussee (2.100 m), weiterer Aufstieg zur Klausscharte (2.572 m), Aufstieg zum Rauchkofel (2.653 m) und dann Wanderung auf dem Durreck-Höhenwanderweg mit anschließendem Abstieg nach Luttach. Laut Planung betrug die Gehzeit 8:30 Stunden!
    Wir mussten also früh aufstehen und sind mit dem Bus nach Steinhaus gefahren. Dank Gästekarte konnten wir kostenfrei mit der Seilbahn zum Klausboden auffahren. Um diese Zeit waren noch nicht viele Wanderer unterwegs. An der Bergstation der Seilbahn konnten wir schon den ersten Blick auf den Rauchkofel werfen. Die Höhe war respekteinflössend, aber das erkennbare Gipfelkreuz war motivierend. Also ging es im gleichmäßigem Tempo um 9:15 Uhr nach oben. Man konnte erkennen, dass hier im Winter der Skizirkus voll im Gange sein wird. Auf dem Weg nach oben ging es über einige Skipisten.
    Nach knapp 1:45 Stunden hatten wir den Klaussee erreicht, immer den Blick auf das Gipfelkreuz gerichtet. Glasklares Wasser hatte der Klaussee und tatsächlich auch Fische. Kommt bei Gebirgsseen nicht so oft vor.
    Nachdem wir eine kurze Rast eingelegt hatten, ging es weiter bergauf. Zuerst über sumpfige Wiesen und dann über schmale Wanderwege. Und tatsächlich haben wir freudig unser erstes Murmeltier in diesem Urlaub entdeckt, welches aber gleich das Weite suchte.
    Kurz danach fing dann der Weg an schwierig zu werden. Es ging über große Geröllplatten, immer den Markierungen folgend. An einer breiten Stelle rasteten 3 Frauen, die vielleicht auch auf den Gipfel wollten. Nachdem wir an ihnen vorbei waren, ging es jetzt steiler bergauf, der Weg bestand nun nur noch aus großen Felsblöcken, die so hingestapelt waren, dass man sie einigermaßen begehen konnte. Zwischendurch mussten wir ein Schneefeld kreuzen, welches aber schon gut weggetaut war.
    Keine 30 Höhenmeter unterhalb der Klausscharte, einem Passübergang zum nächsten Tal, kamen wir an ein größeres Schneefeld, dessen Überquerung nicht ganz einfach werden sollte. Ich bin erstmal vorgegangen, um den Zustand des Schneefeldes zu prüfen und bin dann die letzten 30 m zur Scharte allein vorgegangen. Denn dort wollte ich schauen, ob auf der anderen Seite weitere Schneefelder kommen. Dann hätten wir den Aufstieg abgebrochen. Aber wir hatten Glück, die andere Seite war die Südseite und somit waren alle Schneefelder weggetaut.
    Also bin ich wieder zurück und habe Gritti geholfen auch das Schneefeld zu überqueren. Ab und zu bin ich bis zu den Knien eingesackt, aber letztendlich konnten wir es gut queren. Nun musste nur noch die Scharte erreicht werden, was aber kein Problem mehr war. Oben angekommen, stand nun noch der Aufstieg zum Rauchkofel an. Leider fing es leicht an zu regnen an, so dass wir kurz überlegten, ob wir den Aufstieg noch machen. Aber wir haben uns entschlossen die Regenjacken anzuziehen, unsere Rucksäcke mit Regenschutz zu verpassen und samt den Wanderstöcken zurückzulassen. Es war ja kein Mensch außer uns hier, also konnten wir die Sachen liegen lassen und sind den Berg hinaufgekraxelt. Und nun musste man auch die Hände zur Hilfe nehmen. Auf halber Strecke war es Gritti zu viel und sie meinte, ich könne den Gipfel alleine besteigen. Ich hätte ihr den Erfolg auch gegönnt, aber der Aufstieg war wirklich nicht einfach.
    Also bin ich alleine hoch und habe das Gipfelkreuz erreicht und von dort die 360°-Rundumsicht genossen. Nach ein paar Fotos bin ich wieder hinab und habe Gritti an ihrer letzten Position wieder eingesammelt.
    Nun hatten wir Zeit ein ausgiebiges Picknick zu machen und dabei die Berglandschaft zu bestaunen. Weiter ging es auf dem Durreck-Höhenweg, einem schönen Panoramaweg. Weil man hier genau auf dem Bergrückengrad entlang läuft, hat man gute Sichten auf die Berge links und rechts. Einfach toll! Ab und zu kamen wir an ein paar Engstellen vorbei und an Stellen, wo man sich sich nur an einem Drahtseil entlang hangeln konnte.

    Knapp eine Stunde später erreichten wir dann noch ein Highlight, die Überquerung eines Felsens, per Seilsicherung. Es war abenteuerlich, aber wir haben es gut geschafft. Kurze Zeit später haben wir den Pojenspitz (2.453 m) erreicht, den wir noch mitnehmen wollten, damit auch Gritti heute ein Gipfelkreuz erreicht. Sie hat sich gefreut wie Bolle.
    Weiter ging es zum Obersteiner Holm (2.395 m) und ab jetzt ging es steil bergab nach Luttach. Dafür mussten 1.400 m Höhenmeter abgebaut werden. Und wir waren hier schon fußlahm. Auf dem Wegweiser stand: 3 Stunden bis Luttach. Da es schon 16:30 Uhr war, wären wir also halb 8 im Tal. Also hieß es Tempo machen. Unsere armen Füße, haben wir gedacht. Der Abstieg war schon sehr steil und ohne Stöcker hätten unsere Knie das nicht durchgehalten. Unsere Zehen wurden durch das nach vorne stoßen immer heißer...
    Nach einer kurzen Pause mit den Resten unseres Picknicks und dem Wegzischen des letzten Wasser, ging es weiter nach unten. An einer am Weg liegenden Bergquelle haben wir gefühlt jeder einen Liter Wasser getrunken. Es war warm und wir schwitzten ordentlich. Kurz vor 20 Uhr sind wir dann im Tal angekommen. Uns tat nun alles weh, aber die Tour war sehr schön. Insgesamt waren wir fast 11 Stunden unterwegs und ab dem Klaussee ganz allein.
    Kurze Zeit später sind wir mit dem Bus nach Sand in Taufers gefahren. Wir hatten aber noch Hunger und sind in ein Restaurant eingekehrt. Hauptsache sitzen! Allerdings stand uns noch der Aufstieg zu unserer Ferienwohnung bevor. Wir sind zwar gelaufen wie auf rohen Eiern, haben aber auch das geschafft.
    Kurz duschen und nur noch schlafen wollen...
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