• Edelrauthütte und Napfspitz

    June 20 in Italy ⋅ ⛅ 20 °C

    Nach dem gestrigen ruhigeren Tag war heute wieder eine große Tour geplant. Diesmal sollte es an den Neves-Stausee gehen, um von dort eine Wanderung zur Edelrauthütte (wird wirklich so geschrieben) zu beginnen. Anfänglich war unsere Tour vom Neves-Stausee, die Edelrauthütte, den Neveser Höhenweg zur Chemnitzer Hütte und Abstieg zum Neves-Stausee als Rundtour geplant. Aber auf dem Höhenweg gab es noch zu viele Schneefelder und die Tour wäre sehr lang. Nachdem wegen der heißen Witterung zum Abend immer Gewitter angesagt waren, wollten wir nicht riskieren am Berg im Gewitter zu sein.

    Es ging es in ein Seitental nach Lappach (vor ein paar Tagen waren wir schon mal dort) und von dort über eine Mautstraße zum Neves-Stausee. Diesmal mussten wir unser Auto nutzen, weil die letzte Busstation in Lappach war und der Aufstieg zum Stausee nochmals 90 min. gedauert hätte. Die Auffahrt zum Stausee wurde durch eine Schranke und eine Ampel gesteuert. Eine ganz schmale Straße ging es hinauf, schneller als im 2. Gang ging es nicht, da die Strecke sehr kurvenreich war. Die Staumauer soll die größte in Südtirol sein. Ein Parkplatz war schnell gefunden, es waren auch schon einige andere Autos dort, obwohl es erst kurz nach 9 Uhr war.
    Das Wetter sollte tagsüber wieder sonnig sein und wir haben uns deshalb für die kurze Hose entschieden. Aber hier oben war es dann im Schatten noch sehr kühl, knapp 12°C. Also mussten wir den Stausee schnell umrunden, um wieder auf die Sonnenseite zu kommen.
    Nach knapp 20 min kamen wir an die Neves-Alm. Vorbei an ein paar Ziegen, die verstreut auf dem Weg lagen, ging es einen breiten Fahrweg weiter bergan. Wir beide haben jetzt schon geschnauft. Einige 100 m später standen 2 Jungbullen auf dem Weg, die den Eindruck auf uns machten, dass wir hier nicht willkommen sind. Also sind wir etwas ausgewichen, um einem Stierkampf aus dem Wege zu gehen, aber die beiden Rindviecher haben uns dann verfolgt, was uns beiden nicht so gefallen hat. An einem Bach konnten wir aber über eine kleine Brücke flüchten. Nach diesem Schreck ging es nun weiter bergan über eine breite Ebene, die von Murmeltieren bevölkert war. Ihr lautes Pfeifen hat unser Kommen angekündigt. Ich hatte mir ein paar Möhren zurechtgelegt, die ich eventuell verfüttern wollte. Aber hinter uns kamen Wanderer, die einen frei laufenden Bordercolli dabei hatten, welcher mit nicht endender Energie über die Wiese jagte und damit alle Murmeltiere in ihre Baue triebt. Schade!

    Der gut markierte Weg ging nun weiter über Geröll- und Schneefelder. Die Wanderer vor uns hatten schon Spuren im Schnee hinterlassen, so dass wir diese gleich nutzen konnten. Gut war, dass die Schneefelder nicht so steil, wie am Rauchkofel waren, so dass man eventuell nur einsinken würde, und nicht gleich den Hang hinab rutscht. Am nächsten Felssattel hatten wir dann die Edelrauthütte (2.545 m) und das Eisbruggjoch im Blick, so dass die Kräfte nochmals gesammelt werden konnten.
    Nach knapp 3:15 Stunden haben wir die Hütte erreicht, in der man auch übernachten kann. Auf der großen Außenterrasse haben wir uns etwas zu Essen bringen lassen, für Gritti eine Gerstensuppe mit Selchfleisch und für mich Graukas-Knödel mit Krautsalat. Uns hat es geschmeckt.
    Während des Essens hatte ich immer den vor mir liegenden Napfspitz (2.888 m) im Blick. Und ich hatte wieder das Kribbeln in mir, diesen Berg bezwingen zu wollen. Also haben Gritti und ich uns geeinigt, dass ich den Aufstieg alleine machen solle, sie würde solange auf der Hütte auf mich warten.
    Gut gestärkt habe ich meinen Rucksack bei Gritti gelassen und bin den Berg hinauf gestiegen, in 2 Stunden wollte ich wieder zurück sein, es sollten knapp 340 m Höhenmeter im steilen Anstieg bewältigt werden. Anfänglich war der Aufstieg noch einigermaßen gut zu schaffen, je weiter es nach oben ging, umso schwieriger wurde es, einige Male musste ich mich mit beiden Händen hochziehen. Teilweise hatte ich einen Puls von 160. Leider war die Markierung des Weges nicht mehr sehr gut, so dass ich mich 2 mal verstiegen habe und merkte, es geht nicht weiter. Irgendwann hat man ihn aber wieder gefunden. Nach knapp 50 min war ich am Joch kurz unterhalb des Gipfels. Wenig später habe ich dann das Gipfelkreuz der Napfspitze erreicht. Freudig vor Glück musste ich erstmal verschnaufen, um die Aussicht genießen zu können. Ich konnte die Hütte, wo Gritti auf mich wartete und mich die ganze Zeit mit dem Fernglas nicht aus den Augen lies, sehen. Die eis- und schneebedeckten Gipfel der Zillertaler Alpen waren nun noch näher, als in den Tagen davor und wirkten dadurch noch mächtiger.
    Außer mir war hier oben niemand, so dass ich in Ruhe ein paar Selfies machen konnte. Nun hieß es wieder den gleichen Weg zurück. Der Abstieg war zwar körperlich nicht so anstrengend wie der Aufstieg, aber auch nicht ganz ohne, da man genau hinschauen musste, wo man seinen Fuß hinsetzte. Denn teilweise war der Kamm nur knapp 30 cm breit. Nix für Leute mit Höhenangst.
    Und auch hier habe ich mich 2 x am Berg "verlaufen", aber den Weg immer wieder gefunden. Nach ca. 2 Stunden war ich wieder unten angekommen und Gritti froh, dass ich wieder da war.
    Nun hatte ich mir ein Radler verdient, um danach den Abstieg von der Hütte zurück zum Stausee zu starten. Diesmal haben wir einen Weg oberhalb der Schneefelder genommen. Am Stausee angekommen mussten wir diesen noch umrunden, um wieder zu unserem Auto zu gelangen. Dafür haben wir den Weg über die riesige Staumauer gewählt. Gut, dass heute Samstag war, den von Mo-Fr war die Staumauer wegen Reparaturarbeiten gesperrt.
    Der Stausee hatte wenig Wasser, dabei ist erst Sommerbeginn. Man spürt die Trockenheit auch hier.
    Fußlahm haben wir unser Auto wieder erreicht, nach fast 9 Stunden und ca. 1.100 Höhenmetern.
    Auf dem Weg zu unserer Ferienwohnung haben wir noch einen kurzen Stopp im Konsum gemacht, um ein paar frische Erdbeeren auf dem Balkon mit Blick auf die Berge zu genießen.
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