Breslau - intensiv
July 26 in Poland ⋅ ☁️ 29 °C
Der heutige Tag sollte ganz im Zeichen der Kultur stehen. Nach einem sehr guten Frühstück im Hotel machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Alten Rathaus. Dort war um 10 Uhr der Treffpunkt mit unserem Reiseführer Paweł, bei dem wir bereits vor einigen Monaten eine private Stadtführung gebucht hatten. Unser Ziel war es, möglichst viele der berühmten Breslauer Zwerge kennenzulernen und gleichzeitig viel über die Stadt zu erfahren.
In unserer kleinen Gruppe hatten wir jederzeit die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Vorweggenommen: Paweł hat die Führung hervorragend gemacht. (Buchen kann man sie hier: https://www.wroclawcitytour.pl/de/.) Die Tour sollte knapp zweieinhalb Stunden dauern und führte uns quer durch die Altstadt.
Los ging es auf dem historischen Marktplatz, dem sogenannten Ring. Seinen Namen verdankt er der Tatsache, dass sich die umliegenden Häuser ringförmig um das Rathaus anordnen. Die prachtvollen Bürgerhäuser stammen größtenteils aus der Hansezeit und verleihen dem Platz seinen ganz besonderen Charme.
Vorbei ging es am Blumenmarkt, der tatsächlich rund um die Uhr geöffnet ist. Anschließend führte uns der Weg ins Jüdische Viertel mit seiner von außen eher schlichten Synagoge. Danach besichtigten wir die Elisabethkirche. Die Elisabethkirche (polnisch Bazylika św. Elżbiety) ist ein backsteingotischer Kirchenbau in der Breslauer Altstadt und zählt zu den ältesten und größten Kirchen der Stadt. Auch der berühmte Dirigent Kurt Masur spielte hier; seine musikalische Ausbildung erhielt er in Breslau.
Unterwegs begegneten wir natürlich zahlreichen Zwergen, deren Geschichte uns unser Reiseführer näherbrachte. Die politische Oppositionsbewegung „Orange Alternative“ kritisierte in den 1980er-Jahren mit spontanen Aktionen – beispielsweise Demonstrationen in Zwergenkostümen – das kommunistische Regime in Polen. Als Erinnerung daran wurde der gusseiserne „Papa Zwerg“ in der Breslauer Altstadt aufgestellt. Er steht an der ul. Świdnicka, genau dort, wo sich die Demonstranten damals trafen.
Im Sommer 2001 wurden die ersten weiteren Zwerge als Projekt von Studenten der Kunsthochschule in der Stadt aufgestellt, um an diese Protestbewegung zu erinnern. Inzwischen soll es über 1.000 Zwerge geben, die über die gesamte Stadt verteilt sind. Viele von ihnen wurden von Unternehmen gestiftet, beispielsweise der Müllzwerg von der Berliner Entsorgungsfirma ALBA.
Weiter ging es durch die „Stare Jatki“ (Alte Fleischbänke), das ehemalige Viertel der Fleischerzunft. Skulpturen verschiedener Nutztiere erinnern heute an diesen Teil der Stadtgeschichte. Besonders witzig fanden wir die Gedenktafel mit der Aufschrift „Ku czci zwierząt rzeźnych – Konsumenci“, was übersetzt etwa „Zu Ehren der Schlachttiere – Die Verbraucher“ bedeutet.
Anschließend kamen wir an der alten Universität vorbei, die wir am Nachmittag noch einmal besuchen wollten, um die berühmte Aula Leopoldina zu besichtigen.
Inzwischen war es richtig warm geworden, sodass wir froh waren, immer wieder ein schattiges Plätzchen zu finden. Danach führte uns der Weg über die Dombrücke, die von den Figuren der Heiligen Hedwig und Johannes des Täufers bewacht wird, auf die Dominsel zum Breslauer Dom St. Johannes der Täufer. Er zählt zu den Wahrzeichen der Stadt und besitzt mit knapp 98 Metern die höchsten Kirchtürme Breslaus.
Hier verabschiedeten wir uns von Paweł – unsere Führung war leider schon zu Ende.
Unsere Eltern wollten anschließend erst einmal eine Pause im Hotel einlegen. Die Hitze, das viele Laufen und die zahlreichen Informationen hatten schließlich ihren Tribut gefordert. Da unser Hotel nicht weit entfernt lag, waren wir in etwa zehn Minuten wieder dort.
Auch ich nutzte die Gelegenheit für eine kleine Pause und schaute nach meinem Auto, das in der Tiefgarage stand. Kurz vor Breslau war nämlich plötzlich die Fehlermeldung „Bitte Einspritzung prüfen“ erschienen – verbunden mit einem deutlichen Leistungsverlust. Leider konnte ich auf die Schnelle nicht erkennen, wodurch der Fehler verursacht wurde. Sollte ich den Pannendienst rufen? Viele Fragen gingen mir durch den Kopf. Letztlich beschloss ich aber, mich zunächst auf den schönen Tag mit unseren Eltern und das Besichtigungsprogramm zu konzentrieren.
Nach der kurzen Mittagspause ging es erneut zur Dominsel. Zwischen 14 und 16 Uhr konnte man einen der Türme des Doms besteigen, von dem aus man einen herrlichen Blick über Breslau haben sollte.
Als wir ankamen, fand gerade noch eine Messe statt, sodass wir uns etwas gedulden mussten. Zunächst führte eine enge Wendeltreppe nach oben, anschließend brachte uns ein etwas betagter Aufzug bis kurz unter die Domspitze. Von dort aus gelangten wir auf die Aussichtsplattform.
Wow – was für ein Ausblick! Die gesamte Altstadt lag uns zu Füßen, und erst von oben wurde deutlich, wie breit die Oder mitten in Breslau eigentlich ist.
Nach diesem Highlight kehrten wir in ein kleines Garten-Café direkt neben dem Dom ein. Es lag etwas versteckt und war deshalb deutlich ruhiger als viele andere Lokale.
Danach besuchten wir die alte Universität. Unser Ziel war die prachtvolle Aula Leopoldina. Sie wurde zwischen 1728 und 1732 zu Ehren des Gründers der Universität Breslau, des römisch-deutschen Kaisers Leopold I., erbaut – daher auch ihr Name.
Außerdem erfuhren wir, dass sich eine Hochschule früher nur dann Universität nennen durfte, wenn dort die vier klassischen Fakultäten Theologie, Recht, Medizin und Philosophie vertreten waren.
Nur wenige Treppenstufen tiefer befindet sich das Oratorium Marianum, das heute als Festsaal genutzt wird und sich mit seiner barocken Ausstattung keineswegs hinter der Aula Leopoldina verstecken muss.
Als letzten Programmpunkt stand heute noch die Jahrhunderthalle auf dem Plan. Mit der Straßenbahn erreichten wir sie nach knapp einer halben Stunde.
Auch heute noch beeindruckt das Bauwerk durch seine Größe. Leider konnten wir die Halle nicht besichtigen, da dort gerade eine Messe stattfand. Schade!
Dafür spazierten wir durch den schattigen Arkadengang hinter der Halle und schauten uns die Wasserspiele an, die zu jeder vollen Stunde stattfinden. Die musikalische Untermalung konnte uns allerdings nicht so recht überzeugen – entweder war die Musikauswahl zu modern oder die Lautstärke passte einfach nicht. Richtig beeindruckend soll die Show ohnehin erst nach Einbruch der Dunkelheit sein. So lange wollten wir allerdings nicht mehr warten.
Zwischendurch stärkten wir uns noch in einem Fast-Food-Restaurant. Das Essen war völlig in Ordnung – allerdings für Fast Food auch nicht gerade günstig.
Anschließend ging es mit der Straßenbahn zurück in Richtung Hauptbahnhof. Schon von außen erinnert das Empfangsgebäude mit seiner Fassade eher an eine Burg als an einen Bahnhof und ist definitiv einen Blick wert.
Im Bahnhof informierten wir uns vorsorglich über Zugverbindungen für unsere Eltern für den nächsten Tag, falls sich das Problem mit meinem Auto doch noch als größer herausstellen sollte.
Über einen kleinen Umweg brachte uns die Straßenbahn schließlich wieder zurück zum Hotel.
Es war ein ereignisreicher, wunderschöner Tag – und am Ende standen mehr als 22.000 Schritte auf der Uhr. Respekt an unsere Eltern! 👏Read more






































