Friedenskirche Schweidnitz
July 27 in Poland ⋅ 🌬 20 °C
Für unseren letzten Urlaubstag hatten wir uns noch ein besonderes Ziel vorgenommen: die Friedenskirche in Schweidnitz (polnisch Świdnica). Ich war bei der Reiseplanung eher zufällig im Internet darauf gestoßen und stellte fest, dass sie fast auf unserem Heimweg lag. Perfekt also für einen Zwischenstopp.
Mein Auto zeigte zwar immer noch hartnäckig irgendeine Fehlermeldung an, schien aber der Meinung zu sein, trotzdem zuverlässig fahren zu können. Solange das Auto selbst optimistischer war als ich, wollten wir ihm einfach vertrauen. Außerdem wäre es wirklich schade gewesen, wegen einer Warnleuchte auf dieses Highlight zu verzichten.
Also hieß es: gemütlich frühstücken, das wirklich gute Frühstücksbuffet noch einmal genießen, auschecken und das Auto beladen.
Nach knapp anderthalb Stunden erreichten wir Schweidnitz und fanden überraschend schnell einen Parkplatz. Unser erster Gedanke: "Na wunderbar, sogar kostenlos!" Doch beim Vorbeigehen entdeckten wir an einem anderen Auto einen Strafzettel. Das war wohl der dezente Hinweis, dass unsere Theorie nicht ganz stimmte.
Also begann die Suche nach einem Parkautomaten. Den fanden wir schließlich auch – allerdings komplett auf Polnisch. Zum Glück gibt es heute Smartphones. Nach einer kurzen Übersetzungsaktion wussten wir, welche Knöpfe wir drücken mussten, und wenige Minuten später hielten wir stolz unser Parkticket in der Hand.
Der Eingang zum Park und Friedhof der Friedenskirche wirkt zunächst eher unscheinbar. Doch dahinter verbirgt sich eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Schlesiens. Die evangelische Friedenskirche zur Heiligen Dreifaltigkeit gehört seit 2001 gemeinsam mit der Friedenskirche in Jawor (Jauer) zum UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als die größte Fachwerkkirche Europas.
Ihre Entstehungsgeschichte ist fast genauso beeindruckend wie das Gebäude selbst. Die Bauvorschriften wurden damals von der Staatskanzlei in Prag festgelegt – und die hatte es den Protestanten nicht gerade leicht gemacht. Erlaubt waren ausschließlich Holz, Lehm, Sand und Stroh als Baumaterial. Türme und Glocken waren verboten, ebenso eine Schule. Außerdem musste die Kirche außerhalb der Stadtmauern errichtet und innerhalb eines einzigen Jahres fertiggestellt werden. Die Auflagen sollten den Kirchenbau möglichst unattraktiv machen. Das Ergebnis ist allerdings das genaue Gegenteil geworden.
Rund um die Kirche liegt ein alter Friedhof. Viele Grabsteine sind schief, manche umgestürzt und von dichtem Efeu überwachsen. Zusammen mit den alten Bäumen entsteht eine fast mystische Atmosphäre – ein bisschen gespenstisch, aber gleichzeitig wunderschön.
Gerade als die ersten Regentropfen fielen, gingen wir in die Kirche. Und was soll man sagen? Uns blieb buchstäblich der Mund offen stehen. Von außen wirkt die Kirche eher schlicht, doch im Inneren erwartet einen eine unglaubliche barocke Pracht. Überall kunstvolle Verzierungen, Emporen, Gemälde und Schnitzereien – man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Bis zu 7.500 Menschen fanden hier Platz, davon rund 3.000 auf Sitzplätzen. Für eine Holzkirche ist das kaum zu glauben.
Wir verbrachten eine ganze Weile damit, jedes Detail zu bestaunen. Irgendwann gibt man allerdings auf, alles erfassen zu wollen, und genießt einfach den Gesamteindruck. Es ist einer dieser Orte, an denen Fotos zwar schön sind, die Atmosphäre aber niemals vollständig einfangen können.
Draußen hatte der Regen inzwischen aufgehört und wir konnten unsere Eindrücke erst einmal verarbeiten. Da mein Bruder an diesem Tag Geburtstag hatte, beschlossen wir spontan, ihm ein kleines Geburtstagsvideo zu schicken. Innerhalb weniger Minuten wurde eine kleine Choreografie entwickelt – selbstverständlich mit vollem Körpereinsatz und einer guten Portion Improvisation. Wir hoffen bis heute, dass er sich mindestens genauso darüber gefreut hat wie wir über die Idee.
Nun blieb nur noch die Heimreise. Weil sich auf der A4 wieder einmal der Verkehr staute, entschieden wir uns gegen die Strecke über Dresden und fuhren stattdessen über Cottbus. So ging es noch einmal quer durch die brandenburgische und sachsen-anhaltische Provinz – viele Felder, kleine Dörfer und erstaunlich wenig Verkehr. Nach der langen Überlandfahrt kamen wir schließlich wohlbehalten wieder in Mühlbeck an.
Unser Kurztrip nach Polen war zwar nur zwei Tage lang, hat sich aber mehr als gelohnt. Breslau hat uns mit seiner Altstadt, den unzähligen Zwergen, seiner Geschichte und seiner entspannten Atmosphäre begeistert.Read more





















