Benediktbeuern Kloster Rundweg
28 Mac, Jerman ⋅ ☁️ 7 °C
Einfach losgehen, aufbrechen, unterwegs sein - Saisoneröffnung zum Pilgern ruft das Kreisbildungswerk Bad-Tölz Wolfratshausen aus. Ausgeschrieben war der Weg vom Kloster Benediktbeuern durch das weitläufige Loisach-Kochelsee-Moor bis zum Kloster Schlehdorf. Doch witterungsbedingt hat die Pilgerführerin sich für einen anderen Weg entschieden. Ich bin etwas enttäuscht, packe trotzdem meinem Pilgerrucksack und tuckere mit dem Auto auf den Klosterparkplatz. Dort sehe ich bereits beim Ankommen die kleine Pilgerschar und ich bin gespannt was mir der Tag bringen mag.
Tobias Huhn ein Religionspädagoge und Gabi Leinauer eine Pilgerbegleiterin führen uns durch den Tag. Wir starten im Klosterhof mit einem Impuls über das Pilgern und was es bedeutet. Es sind einige Neulinge mit dabei, die erste Pilgererfahrungen sammeln wollen. Ich treffe Christine wieder eine Mitpilgerin von letztem Jahr bei der zweitägigen Tour von München nach Wolfratshausen. Unsere ersten Station ist die Vogelstation Moosmühle. Dort beobachten wir die Vögel wie sie daher geflattert kommen und wieder wegfliegen.
Wir pilgern weiter und hangeln uns am Moorerlebnispark entlang. Es geht über Hängebrücken, umgekippte Baumstämme und wir fahren mit einem Floß von der einen Seite des Teiches zur anderen Seite. Wir gehen weiter und vor uns erscheint ein Kreuz mit Jesus. Das Kreuz: Vertikal und Horizontal treffen zusammen - Himmel und Erde begegnen sich - Leben und Tod. Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben niemand kommt zum Vater als durch mich. Jesus sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, selbst wenn er stirbt. (Joh 11,25)
Wir gehen eine lange Wegstrecke schweigend weiter an der Loissach entlang. Es ist heute für mich stimmig in Ruhe und ganz alleine weiter zu gehen. Es begegnet mir ein Schlüssel auf dem Schweigemarsch. Ist dies der Schlüssel zu mir selbst? Die Herzenstür kann ich nur selbst von innen öffnen, es fällt mir schwer mich zu öffnen und lebendig zu sein. Ist das der Schlüssel der mich aufweckt und lebendig macht. Kürzlich erzählte mir meine Fußpflegerin sie hätte ihren Körper für tot erklärt. Sie hatte 4 Jahre keine partnerschaftliche Beziehung mehr und datet seit kurzem einem Mann und ist überrascht, dass sich da in ihr etwas rührt. Gedanklich bin ich wieder bei den Wechseljahren und manchmal fühlt sich in mir auch alles tot an. Obwohl ich im November 25 erneut Oma wurde von einem wunderbaren Enkelsohn Levi. Levi steht für Leben und Frieden und ich bin dankbar, dass meine Tochter ihren Sohn so genannt hat. Es erinnert mich daran "Karola du darfst leben" und dich lebendig fühlen.
Ein paar Tage vor Levis Geburt hat sich tatsächlich nach 18 Monaten meine Mens nochmal leicht gemeldet. Den Zusammenhang dass meine Tochter geboren hat, macht mich stolz und sie war tapfer bis zum Schluss.
Wieder komme ich an einem Kreuz vorbei, dort steht :" Ich gehe mit dir Schritt für Schritt". Ich bin nicht alleine auf dem Weg! Nach dem Schweigen folgt ein Impuls der Pilgerbegleiterin, wir atmen ein und aus und Gabi liest einen meditativen Text vor über das Ein-und Ausatmen, das Innehalten. Nach einer Stärkungspause geht es weiter und jeder darf sich einen Zettel mit einem Impuls ziehen .Wir können uns mit einer Mitpilgerin dann irgendwann auf dem Weg über den Satz austauschen. Mein Satz war: Aus den Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen. Erich Kästner. Meine Mitpilgerin Birgit hat den Satz „Der längste Weg ist der Weg zu dir selbst“ von Mahatma Ghandi. Mich sprechen beide Sätze an auf diesem Weg und ich tausche mich mit Birgit über „ den Weg zu sich selbst wieder finden“ aus. Wir geben soviel für anderen und ich in meinem Beruf als Krankenschwester sowieso, dazu hat mein Ehemann eine bereits über 12 wöchige Krankheitsphase, in der ich mich selbst übersehen habe und doch gefunden . Ich bin dankbar gepilgert zu sein und wir kommen im Kloster Benediktbeuern in der kleinen Klosterkapelle an. Tobias spielt Klavier und wir singen zwei Lieder aus dem Gesangbuch. Er baut einen Weg mit Steinen auf und wir dürfen uns einen Stein aussuchen und ein Wort, Bild darauf malen. Auf meinem Stein steht MUT. Ich brauche Mut um den Weg des Pilgerns bald alleine zu gehen.
Gott, du Gott des Aufbruchs und der Wege.
Du kennst jeden Schritt,
den wir gegangen sind.
Du weißt von unseren leichten Tagen
und den schweren.
Danke für Menschen,
die uns begleiten.
Danke für Begegnungen ,
für Gespräche,
für gemeinsames Lachen.
Segne die Wege,
die noch vor uns liegen.
Manche werden wir gemeinsam gehen.
Andere alleine.
Aber wir vertrauen darauf:
Du gehst mit.
Uns lass uns selbst zu Menschen werden,
die anderen Mut machen
auf ihrem Weg.
Amen
Der Tag war wahrlich sonnig und warm und ich habe mir tatsächlich den ersten leichten Sonnenbrand im Gesicht geholt. Doch diesen nehme ich für diesen Tag gerne in Kauf.
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