• Vom Kloster Schäftlarn nach Starnberg

    July 13, 2025 in Germany ⋅ ☀️ 27 °C

    Zwischenbilanz ist das Motto für diesen Pilgertag des evangelischen Bildungswerkes München. Heute fahre ich zu meiner Tochter die demnächst in das dritte Trimester ihrer Schwangerschaft kommt. Die Zeit im ICE nutze ich um meine Eindrücke des Pilgertages zu reflektieren.

    Vor der Haustür geht es los Richtung Wolfratshausen mit der S7 fahre ich bis Ebenhausen- Schäftlarn. Von dort gibt es ein 15 min Fußweg zum Kloster Schäftlarn. Es ist ein gemütlicher Weg und die erste Etappe gehe ich alleine. Möchte ich den nächsten Pilgertag mich alleine auf den Weg machen? Es ist schon ziemlich warm und ich sehe mit mir des Weges einige Weinbergschnecken. Diese Tiere sind besonders denn sie haben ihr Haus immer dabei.

    Ich erblicke bei strahlendem Sonnenschein das Kloster Schäftlarn. Mir kommen zwei männliche Fahrradfahrer entgegen, dem einen Mann fällt der Fahrradhelm aus der Hand auf die Straße. Beherzt hebe ich den Helm auf und sag zu ihm „setzen sie den Helm lieber auf den Kopf“ Darauf sein Kompagnon “Na versucht mein Freund auf die Art und Weise die Frauen anzumachen!“ Ich lächle in mich hinein, da legte er noch einen drauf „er würde sich für den Helmverlierer schämen. Darauf ich meinte „ dies wäre aber toxischer Scham dieses Fremdschämen.

    Meine Pilgergruppe ist am Brunnen in Sicht und ich sehe ein bekanntes Gesicht Annette einer der Pilgerbegleiterinnen. So nach und nach trudeln die Mitpilger ein und Christine eine weitere Pilgerbegleiterin. Besonders ist dass es ein Wallfahrtstag heute zum Kloster Schäftlarn gibt. Es strömen in kleinen Gruppen Menschen daher.

    Mit von der Partie sind Ursula, Sue, Elisabeth, Hedi und Wolfgang. Wolfgang läuft nur bis Neufahrn mit.

    Christine liest einen Pilgersegen

    Du Gott des Aufbruchs

    Du Gott des Aufbruchs
    segne mich,
    wenn ich Dein Rufen vernehme,
    wenn Deine Stimme lockt,
    wenn Dein Geist mich bewegt
    zu Aufbruch und Neubeginn.

    Du Gott des Aufbruchs
    segne die Wege die hinter uns liegen.
    Schenke uns Mut über Schwellen zu gehen
    und neue Räume zu betreten.

    Möge uns Gott weiterhin Kraft und Zuversicht schenken, seinen Weg zu finden und die Schritte
    zu gehen, die uns weiterführen.

    Du Gott des Aufbruchs, wende und dein Angesicht zu, wenn wir Irrwege nicht erkennen, wenn Angst uns befällt , wenn Umwege uns ermüden, wenn wir Orientierung suchen in den Stürmen der Unsicherheit.

    Du Gott des Aufbruchs mache uns aufmerksam wenn wir mutlos werden und wenn uns Menschen begegnen, wenn unsere Freude überschäumt, wenn Blumen blühen , wenn die Sonne uns wärmt , Wasser uns erfrischt und Sterne leuchten auf unserem Lebensweg .

    Du Gott des Aufbruchs sei mit uns unterwegs mit uns selbst, zu den Menschen und zu dir.
    Amen

    Wir brechen auf und unser erster Stop findet an der kleinen Waldkapelle Maria Rast statt. Wir gehen die erste Etappe schweigend, was war im ersten halben Jahr was hat mich bewegt, was hat mich herausgefordert und wo gab es schöne Momente, was tut sich da im Inneren.

    Ich laufe alleine und doch in der Gruppe, relativ leichtfüßig pilgere ich den Waldweg hoch. Es kommt eine Gruppe junger Menschen Aus verschiedenen Nationalitäten. Ein junger Mann wird geführt und den Weg nach unten geleitet, ich dachte ob er blind sei. Er nimmt mich wahr und grüßt mich.

    In Ebenhausen Schäftlarn angekommen machen wir einen halt an der Kirche St.Benedict, die Kirche wurde gebaut, weil die Bevölkerung im Münchner Umland zugenommen hat. Da die Mitgliederzahlen in den Kirchen sinken und die Kirche sehr renovierungsbedürftig ist, deswegen wurde sie im Dezember 23 profanisiert, sprich aus dem Kirchendienst herausgenommen. Das Altarbild zeigt das heilige Jerusalem, jedoch ist die Kirche verhüllt und wie können sie nicht mehr besichtigen.

    Manchmal gibt es Dinge im Leben die sind überholt, wie diese Kirche. Sie dienen nicht mehr dem Zweck dem sie mal gedient haben. Was hat bei mir die Zeiten überlebt und könnte außer Dienst gestellt werden.

    Ein paar schlaue Leute wollen die Profanisierung rückgängig machen und fordern Denkmalschutz für die Kirche. Damit wäre die Kirche nicht nutzbar und somit eine Bauruine. Was ist in meinem Leben zur Bauruine geworden und wo müsste ich eine klare Entscheidung treffen? Mit diesen Fragen geht der Pilgerweg weiter.

    Wir halten an an der Waldkapelle Neufahrns

    „Jedes Ereignis, alles auf der Welt hat seine Zeit: Geborenwerden und Sterben, Pflanzen und Ausreißen, Töten und Heilen, Niederreißen und Aufbauen, Weinen und Lachen, Klagen und Tanzen, Steinewerfen und Steinesammeln, Umarmen und Loslassen, Suchen und Finden, Aufbewahren und Wegwerfen, Zerreißen und Zusammennähen, Schweigen und Reden, Lieben und Hassen, Krieg und Frieden.“
    ‭‭Prediger‬ ‭3‬:‭1‬-‭8‬ ‭HFA‬‬

    Was möchte ich abgeben? Was möchte ich mitnehmen? Wir gehen die nächste Etappe in der Stille.

    Es ist so warm, dass wir sogar auf dem Friedhof Neufahrn- Zell an den Brunnen gehen um unsere Wasserflaschen zu füllen. Da dachte ich seh ich recht, es ist der Sankt Rochus Brunnen. Ich erinnere mich, dass ich im Sankt Rochus in Dieburg im Krankenhaus Krankenpflegehelferin gelernt habe.

    Wer war der heilige Sankt Rochus?

    Rochus von Montpellier ist ein Heiliger der katholischen Kirche, der als Schutzpatron gegen die Pest angerufen wird. Rochus verschenkte sein Vermögen den Armen, pflegte in Rom Pestkranke, wurde selbst krank, konnte geheilt werden.

    Einige Zeit später erfahre ich, dass ein sehr liebenswürdiger Patient im Mai 25 dort beerdigt wurde. Diesmal ist seine Ehefrau bei ins in der Rehaklinik an den Osterseen um die Trauer zu bewältigen. Hr.D.war ein Goldschatz, jedoch 18 Jahre pflegebedürftig.

    Wir pilgern weiter an den die Obstbaumwiesen vorbei. Das Bild des Pflanzen und des Erntens, manchmal Pflanzen wir was und manches wird etwas und manches nicht. Was ist gelungenen in dem Jahr? Was ist noch unerledigt? Ist etwas noch offen oder unerfüllt? Gibt es auch Wendepunkte die Versöhnung bewirkt haben.

    Unsere Mittagspause findet in Haarkirchen statt, wir pflanzen uns auf die Wiese. Mit Sue habe ich mich tief ausgetauscht. Sie leitete Vollmondseminare als körperorientierte Psychotherapeutin für Körpertherapie. und lernte damals ihren 26 Jahre jüngeren Partner kennen.

    In Manthal besuchen wir noch einen Biergarten wir laufen weiter über den Milchberg an der Marianne-Strauß-Klinik vorbei und treffen genau auf die ehemalige Schön-Klinik in Kempfenhausen. 2015 war es meine erste Arbeitsstelle in Bayern als Krankenschwester.

    Gibt es Ressourcen auf die ich zugreifen kann. Kann ich vergessen was hinter mir liegt um mich auszustrecken was vor mir liegt. Jesus sagt: ich bin bei euch bis ans Ende der Welt. Wir gegen weiter mit dem Blick auf die Berge, die Gipfel der Zukunft.

    Angekommen in Starnberg

    Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, daß du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

    Dankbar und verschwitzt warte ich an der Haltestelle auf den Bus der mich nach Wolfratshausen zu meinem Auto fährt.
    Read more