Fahrradtour nach Rendsburg am NOK entlang
12–13 Jul, Jerman ⋅ ⛅ 25 °C
Nach dem Erwachen bei vorbei rauschenden Frachtschiffen spaziere ich in aller Hergottsfrüh über den langgestreckten Stellplatz. Die Wohnmobilisten sind noch in den Betten verkrochen, doch eine Frau kommt mir hellwach entgegen. Es ist Gerlinde Berger die Platzwart-Dame. Schnell kamen wir ins Gespräch und sie fragte, ob ich gut geschlafen hätte. Und ob, wie ein Murmeltier.
Das Platzwart-Paar stammt ursprünglich aus der DDR und lebte lange im Raum Stuttgart. Als ehemalige Krankenschwester wußte sie, das dort das Marien-Hospital Klinik-Insolvenz hat und das Robert-Bosch-Krankenhaus auch kämpft. Sie wäre froh nicht mehr im Pflegebereich bei Unterbesetzung und miesen Pflegehelfer zu arbeiten, wo du am Ende doch die komplette Patientenversorgung auf Station an der Backe hast. In der DDR war zwar die Medizin nicht hochkarätig, dafür hast du Zeit für den Patienten. In Westen ist die Medizin top, jedoch null Zeit für den Patienten. Als baldige Rentnerin genießt sie ihren Mini-Job als Platzwart, da sie selber viel mit dem Wohnmobil unterwegs war. Den Stellplatz bei Rendsburg ist für sie ideal 40 km zur Ostsee und 60 km zur Nordsee.
Mit den Fahrrädern geht es heute am NOK entlang nach Rendsburg. Nach 10 km Strecke stehen wir vor der Schwebefähre, die uns über den NOK transferiert. Die Schwebefähre Rendsburg hängt unter der berühmten Eisenbahnhochbrücke und überquert den Nord-Ostsee-Kanal zwischen Rendsburg und Osterrönfeld. Die Überfahrt ist kostenlos, dauert ca. 1,5 Minuten, verkehrt im 15-Minuten-Takt und befördert Fußgänger, Radfahrer sowie bis zu vier kleine Pkw. Ein PKW-Fahrer steigt aus und prahlte mit seinem weißen Porsche. Er hätte sich besser ein schwarzes Auto gekauft, beim weißen sieht man den ganzen Urlaubsdreck.
Der Porscher-Fahrer plapperte die ganze Zeit über Schwierigkeiten Unterkünfte in Norwegen zu finden und über Teilbräunung seiner Beine durch die Länge seiner kurzen Hose. Auf der anderen Seite fallen wir sofort in das Restaurant Brückenterasse mit nordischer Hausmannskost am Kanal mit Blick auf die Eisenbahnbrücke und die Schwebefähre.
Wir finden ein schattiges Plätzchen in dem gut besuchten Restaurant und bestellen uns eine kalte Fischplatte (Räucherlachs, Matjes Hausfrauenart, Büsumer Nordseekrabben) mit Ofen-und Bratkartoffeln und Rührei.
Ein suchendes Ehepaar nach einem Platz aus der Sonne, laden wir ein sich zu uns zu setzten. Gemeinsam amüsieren wir uns über den emsigen Kellner, der jeden Wunsch des Gastes erfüllt.
Ein älteres Pärchen wollte unbedingt seinen Enkelsohn Aussicht auf die Schwebefähre gewähren. Der Kellner stellte ein riesengroßer Blumenkübel weg und hantierte mit einem Hundenapf rum, der bei der ganzen Aktion auf dem Tisch landete. Der Herr am Tisch meinte ganz trocken, die denken jetzt das wäre der Aschenbecher. 🤣🤣🤣
Parallel sitzt in einem Erker ein Mann und begrüßt jedes kommende große Schiff mit Namen, Herkunft und Zielort. Die Schiffsbegrüßungsanlage Rendsburg liegt direkt an der berühmten Rendsburger Hochbrücke und der Schwebefähre. Ehemalige Kapitäne begrüßen dort täglich vorbeifahrende Schiffe mit Heimatlandeshymnen und Datenansagen. Nach gefühlt 15 Minuten bemerkt die Oma des Jungen“Ach du liebe Güte, hier steht ein Hundenapf auf dem Tisch“. Der beherzte Kellner schafft den Hundenapf in den benachbarten Blumenkübel. Wir lachen schallend in der Viererrunde.
Gesättigt radeln wir weiter in die Innenstadt und treffen auf das Landestheater, den Stadtsee mit Skulpturen-Park und die große Kreissparkasse Rendsburg. 2014 hat sich mein Mann dort beworben und war so begeistert von Rendsburg und der Eisenbahnbrücke. Mit der Stelle hat es nicht geklappt, da sie intern besetzt wurde und gehaltstechnisch nicht mit dem aktuellen Gehalt mithalten konnte. Sonst wären wir heute in Schleswig-Holstein sesshaft geworden.
Wir radeln weiter entlang des Flusses Eider bis wir nach 4 km auf den NOK gelangen und weitere Kilometer Richtung Fähre Breidholz zur Übersetzung gelangen, damit wir wieder auf der Seite des Stellplatz Flugplatz Schachtholm ankommen. Im Biergarten
Breiholzer Fähre Kombüse holt sich der Mann noch ein Eis um die restliche Tour zu schaffen.
Laut Fitness-Tracker haben wir 30 km hinter uns und genießen noch den lauen Sommerabend mit einem Tapa-Teller und ein Gläschen Rotwein und Stöbern nach einem geeigneten Campingplatz in Køvenhaven. Der Sonnenuntergang erleben wir wieder wie am Vorabend und legen uns Müde in die Federn.Baca lagi





















PengembaraSchön geschrieben!