• Bye bye NST - Es war schön

    July 16 in Germany ⋅ ⛅ 22 °C

    Ich stehe früh um halb 6 auf, es regnet ein wenig. Ich packe meine Sachen zusammen und bin schon wieder erstaunt wie gut und einfach es körperlich mittlerweile geht. Keine müden Beine am morgen, ich kann direkt durchstarten. Ich esse gemütlich mein Porridge und wandere auf angenehmem Sandboden durch einen schönen Wald. Ich nächsten Dorf noch ein kleiner Einkauf und weiter. Am Vormittag überkommt mich dann auf einmal eine große Müdigkeit. Also gut, ist zwar noch etwas früh für Mittagsschlaf, aber ich leg mich mal auf die nächste Bank und mach ein Nickerchen im Regen. Das war auch angenehm, aber wacher fühle ich mich diesmal nicht. Eine Stunde später verschlägt es mich dann auf die nächste Bank, diesmal mit etwas Sonnenschein. Aber auch das lässt mich heute nicht besser fühlen. Ich fühle mich total neben der Spur. Ich hatte für heute schon überlegt die Hilfe eines Trail Angels in Anspruch zu nehmen und kontaktiere jetzt mal spontan jemanden in der Nähe. Der erste ist im Urlaub, aber beim Zweiten habe ich Glück und ich kann spontan vorbeikommen. Er wohnt einen Ort weiter direkt am Trail. Den Weg schaffe ich noch. Obwohl die beiden jederzeit ein Kind erwarten, nehmen Paul und Taya mich bereitwillig auf. Die beiden haben gar nichts mit Wandern oder Thruhiking zu tun, es war nur so, dass ein anderer Wanderer auf dem NST nach einem Schlafplatz im Garten gefragt hat. Dann hat er vom NST und der Community erzählt und schon gab zwei neue Trailangels.
    Nach einer Dusche, einem guten Essen und netten Gesprächen sieht die Welt schon wieder besser aus. Dennoch hatte ich vor ein paar Tagen bereits entschieden den NST zu verlassen. Eigentlich wollte ich noch die zweite Woche beenden und bis hinter Hamburg oder vielleicht nach Celle laufen, aber da es mir nicht so gut geht, verzichte ich jetzt darauf.
    Warum möchte ich die Wanderung überhaupt beenden? Outdoor oder Trekkingtouren begeistern mich bereits seit vielen Jahren und mein erster Thruhike war vor 5 Jahren der Harzer Hexenstieg. Eine besondere Erfahrung und natürlich hatte ich bei der ersten Tour viel zu viel Gepäck dabei. Es kamen noch längere Wanderungen und Radreisen bis zu 3 Wochen Länge dazu. Diese haben mir schöne Auszeiten mit viel Ruhe und Zeit für mich und meine Gedanken gebracht und ich konnte viel Kraft daraus ziehen. Irgendwann bin ich auf den NST gestoßen und träume so schon seit Jahren davon, ihn eines Tages zu wandern. Auf meiner letzten längeren Radreise letztes Jahr habe ich bereits gemerkt, dass diese Art des Reisens mir nicht mehr gefällt, aber ich dachte es wäre beim Wandern anders. Nun musste ich aber feststellen, dass ich mich getäuscht habe. Es haben sich einfach meine Interessen geändert. Ich hatte schon die letzten Monate etwas Zweifel, wollte aber die Gelegenheit nutzen, die sich so schnell nicht nochmal ergibt und mir den Traum erfüllen, auch wenn ich im Moment nicht mehr ganz so Interesse daran hatte. Ich dachte es wird schon, aber es wurde nicht und jetzt muss ich mir eingestehen, dass es das erstmal gewesen ist. Es ist schade um die Kompromisse, die ich eingegangen bin, um mir die Zeit zu schaffen, aber nun ist es so und ich hab mehr als genug Dinge, die ich die nächsten Wochen und Monaten tun kann und möchte. Es hat einiges an Mut erfordert, mir diese Erkenntnis einzugestehen und loszulassen. Jetzt noch weiter am NST festzuhalten, obwohl es mir keine Freude mehr bereitet, wäre bloß ein falscher Stolz. Ich muss es nicht durchziehen, ganz egal was für hohe Ziele ich mir gesetzt habe.
    Natürlich wird diese Leidenschaft nicht ganz aus meinem Leben verschwinden, aber vielleicht werde ich sie in anderer Form, vielleicht in Gesellschaft ausleben. Oder aber ich brauche ein paar Jahre, um das Ganze wiederzuentdecken. Jetzt werde ich erstmal anderen Dingen widmen, die mich momentan begeistern.

    Einige hat meine Ausrüstung interessiert und diese hat sich auch richtig gut bewährt. Ich würde sie als nahezu perfekt für mich bezeichnen und mit etwa 3,5 kg Basisgewicht trägt es sich auch super angenehm. Falls gewünscht kann ich diese gerne noch vorstellen.

    Zuletzt möchte ich noch bedanken, für all die kleinen oder größeren Hilfen entlang des Weges und die Menschen, die ich kennenlernen durfte. Vor allem aber danke für die lieben und ermutigenden Worte unter meinen Beiträgen. Ich wünsche allen anderen Thruhikern noch eine schöne Zeit auf dem Trail und auch allen anderen nur das Beste.

    Noch ein Song des Tages, den ich mir zum Ende aufbewahren wollte:
    Dawes - Didn't Fix Me
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