Andre Müller

Joined August 2016Living in: Breisach am Rhein, Deutschland
  • Day70

    Lake Hughes - Testhike (Mile 500)

    Yesterday in the United States

    Es geht tatsächlich weiter ... :)
    Ich habe gestern einen Testlauf über 10 Meilen nach Lake Hughes und heute nochmals 14 Meilen in gleicher Richtung bei vollem Gepäck erfolgreich absolviert. Damit habe ich meine 500 Meilen in Südkalifornien voll gemacht.

    Zurück auf dem Trail zu sein, war ein unglaubliches Glücksgefühl. Ich habe das Wandern in den letzten Wochen wirklich vermisst. Die Füße haben gut mitgemacht. Kurz vor dem Ziel habe ich es erneut geschafft, unglücklich auf einen Stein zu treten und mit dem kaputten Knöchel leicht umzuknicken. Glücklicherweise habe ich meine Knöchelstütze angehabt und die Schwellung ist durch das Missgeschick nicht schlimmer geworden. Ich muss die nächsten Tage unglaublich konzentriert laufen. Manche Steine oder Unebenheiten sind wirklich schwer zu erkennen und ein schlimmerer Patzer kann das sofortige Ende der Reise bedeuten.
    Ich spüre den angeschlagenen Knöchel beim wandern nur leicht und mein Gefühl sagt mir "... versuche es".

    Zum Abschied habe ich heute tatsächlich noch eine Klapperschlange in voller Länge (ca 2 Meter) über den Trail schleichen sehen. Die Umgebung war friedlich, ich war ruhig und die Schlange ist ganz entspannt ins Unterholz gekrochen.
    Am Montag wird uns Trail Angel Marry nach Kennedy Meadows fahren und ich kann es nicht abwarten in die Berge zu kommen.

    Die erste Bergetappe führt mich ca 9-10 Tage in die Sierra Nevada. Ich muss mir noch etwas einfallen lassen, wie ich das Essen über so viele Tage in den Rucksack bekomme. Mir ist eigentlich alles egal, solange ich mich wieder auf dem Trail befinde ... 😃
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day66

    On the road ... (Tage 4-6)

    June 19 in the United States

    Ich habe gerade unseren Mietwagen abgegeben und bin zurück in "Casa de Luna". Unsere letzten Tage waren wenig spektakulär, dafür aber sehr entspannt. In Tehachapi haben wir Hikerin Marlene/ Massachusetts aufgegabelt. Sie hatte einen Trauerfall im Freundeskreis und benötigt ein wenig Abstand vom Trail.

    Wir sind gemeinsam nach Kennedy Meadows (Eingangstor Sierra Nevada) gefahren und Julian hat seine gesamte Ausrüstung in Jogis Store nachgekauft. Jogi ist eine ca 50jährige "TripleCrown"Hikerin (erfolgreicher Abschluss der drei großen Fernwanderwege in den USA; Pacific Crest Trail, Continental Divide Trail, Appalachian Trail) und betreibt in Kennedy Meadows einen Ausrüstungsladen für PCT Hiker. Ich habe meine Resupply Pakete mit Bärkanister, Steigeisen und Wanderschuhe abgeholt und Teile der Ausrüstung bereits an Amazon zurück gesendet. Die Sierra ist mittlerweile fast schneefrei und es werden keine Eisaxt oder Steigeisen mehr benötigt.

    Am nächsten Tag gings nach Morro Bay an den pazifischen Ozean. Ein wunderschöner Ort mit traumhafter Küste. Wir haben Hot Dogs und Burger am Strand gegrillt und den Sonnenuntergang angeschaut. Leider waren die gesamten Campingplätze der Umgebung ausgebucht. Während der Hauptsaison hat man ohne Reservierung keine Chance auf einen Zelt- oder Wohnmobilstellplatz an der Küste.

    Aber so schnell geben wir uns nicht geschlagen. Ihr habt es immer noch mit drei (krank geschriebenen) PCT-Hikern zu tun. Im Schutz der Dunkelheit haben wir unsere Rucksäcke geschnürt, kühle Bier eingesteckt und am Strand, inmitten der Dünen, übernachtet. Die Nacht am Meer war super. Leider hatte es sich bewölkt und ein ganz leichter Sprühregen rieselte auf uns herab.
    Dafür haben wir den nächsten Tag (bei strahlendem Sonnenschein) am Avila Beach verbracht und sind gegen Abend zurück nach Kennedy Meadows gefahren. Dort habe ich Julian und Marlene abgeliefert und sie werden den Trail in den nächsten Tagen fortsetzen.

    Traditionell wird jeder ankommende Wanderer in Kennedy Meadows mit einem großen Applaus der bereits anwesenden PCT-Hiker begrüsst. Es muß ein unbeschreibliches Gefühl sein, die heiße Wüste hinter sich zu haben und mit dem Respekt und Applaus der Wandergefährten den nächsten Abschnitt in die Berge zu beginnen. Heute 21.06. (Mittsommer) ist außerdem "Hike Naked Day". Ernsthaft, am längsten Tag des Jahres wird traditionell nackig gewandert. Ich weiß, dass nicht alle den Mut haben mit zu machen. Aber ich wäre bei dem Spaß gerne dabei gewesen und meine Crew aus den Bergen haben den erfolgreichen Nacktmarsch heute schon hinter sich ... (es kam gerade eine Nachricht von Jean aus der Sierra rein) 🤣

    Für mich kommt indessen der Showdown näher ...
    In den nächsten 3 Tagen fällt die Entscheidung, ob ich nach Hause fliegen werde oder es weiter durch die Sierra Nevada geht. Ich werde morgen früh einen Testmarsch über 2x 10 Meilen bei vollem Gepäck absolvieren. Nach den ersten 10 Meilen werde ich mein Lager aufschlagen und am nächsten Tag die Strecke zurück nach "Casa de Luna" laufen. Sollte der Knöchel Probleme machen, dann sitze ich nächste Woche im Flieger nach Hause. Wenn der Testmarsch gut verläuft, dann gehts am Montag erneut nach Kennedy Meadows und endlich in die Berge ... 🏔
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  • Day62

    On the road ... (Tage 1-3)

    June 15 in the United States

    Donnerstag 14.06.2018 - Viva Las Vegas
    Die Mietwagenübergabe in Palmdale war problemlos. Leider gab es kein Ford Focus und wir mussten "notgedrungen" ein Upgrade auf die nächstbessere Fahrzeugklasse verkraften 😉 Nach vier Stunden Autofahrt waren wir dann auch schon im Spielerparadies Las Vegas angekommen. Wir haben unser Zimmer mit zwei Queensizebetten im Hotel Paris bezogen und dann ging's auf Entdeckungstour durch die Stadt.

    Was bereits bei Tageslicht beeindruckend wirkt, verwandelt sich bei Nacht in einem großen Spielplatz für Erwachsene. Ein Meer von Neonlichtern, riesigen Werbebildschirmen, Wasserspielen etc. lassen einen schnell in die Traumwelt Vegas eintauchen. Die Hotels sind themenbezogen und ganze Straßenzüge von Paris, Venedig, Rom, New York ... wurden nachgebaut. Ein Disneyland, nur ohne Micky Maus.

    Im Venetian Casino haben wir unser Glück dann auch mal versucht ... an Poker, Blackjack und Würfelspiele traue ich mich nicht heran und die vielen Glückspielautomaten sind aufs Verlieren programmiert.
    Das klassische Roulette geht immer. Zwei grüne Nullen spielen für die Bank und der Rest ist mathematisch fair. Unser Spielerbudget hatten wir vorab auf USD 20,- begrenzt. Jetzt sehen wir in unseren Hikerklamotten schon bemitleidenswert aus, da konnten wir uns nicht noch mit "Kleingeld" an den Tisch setzen. Immer schön auf dicke Hose machen ... Wir haben uns jeweils hundert Dollar in Chips getauscht und wenige Runden gespielt (kleinster Tisch, USD 15,- pro Spiel). Nach einigen Minuten gab es auch schon den ersten Whiskey Cola auf Kosten des Hauses .... yeah. Julian hat den Tisch mit USD 50,- Gewinn verlassen und ich habe bei Gewinn USD 25,- aufgehört. Wir waren beide happy und haben nur noch zugeschaut, wie die Anderen ihr Geld verspielen.

    Jedenfalls ist die Zeit schnell vergangen und gegen 1:00 Uhr waren wir schon wieder im Hotel. Wir wollen fit sein für die nächste Etappe in Richtung Grand Canyon ...

    Samstag, 16.06.2018
    Es hätte eigentlich so schön werden können ...
    Wir sind heute morgen extra um 3 Uhr aufgestanden, damit wir den Sonnenaufgang am Grand Canyon sehen können. Julian ist für die Navigation zuständig und sein Apple Navi hat uns bisher treue Dienste geleistet. Es waren eigentlich nur 1,5 Stunden Fahrt bis zum Besucherzentrum Grand Canyon North Rim (74 Meilen). Wir fahren also 1,5 Stunden durch die Dunkelheit und das Navi sagt kurz vor dem Ziel - rechts abbiegen (17min Restfahrzeit). Das Problem dabei: es gab hier keine Straße. Lediglich eine bucklige Dirtyroad ins Nirgendwo (siehe Foto). Julian hatte als Ziel lediglich Grand Canyon North Rim eingegeben. Da der Canyon innerhalb des Nationalparks 350 Kilometer lang ist, hat Apple den Befehl mit der erstgelegenen Buckelpiste ins Nirvana beantwortet. Die korrekte Zufahrtsstraße zur Aussichtsplattform war von diesem Punkt 2,5 Stunden Fahrzeit entfernt. Wir haben bereits wenige Kilometer nach unserem Start eine komplett falsche Richtung eingeschlagen. Eigentlich hätten wir beide stutzig werden müssen, dass unterwegs nirgends der Grand Canyon beschildert war. Das lässt sich aufgrund der frühen Morgenstunden mit "eingeschränkt anwesend" erklären und an der falsch abgebogenen T-Kreutzung gab es wirklich keine Ausschilderung zum Grand Canyon. Wir haben sogar noch versucht der Piste zu folgen (Dirtyroads sind bei Fahrzeuganmietung ausdrücklich nicht versichert). Unterwegs sind wir ein paar Mal fast aufgesetzt und Steine lagen im Weg. Nach 2 Kilometer mussten wir auf sandigem Boden wenden und konnten dabei noch froh sein, dass wir uns nicht festgefahren haben. Auch konnten wir nicht zum Canyon laufen. Da Apple die Buckelpiste als normale Straße ansieht und eine entsprechende Reisegeschwindigkeit voraussetzt, sind bei angenommenen 60kmh die 17 Minuten Restfahrzeit ein langer Weg ...
    Zurück an der Hauptstraße angekommen, haben wir erst einmal Frühstück gemacht und Kaffee gekocht. Bei unserem Glück hatte der Wetterbericht gerade heute auch noch eine Gewitterfront ab ca 08:00 Uhr ganztägig gemeldet und wir haben die dunklen Wolken bereits am Horizont sehen können. Zum Schluss hatten wir einfach keine Lust mehr die 2,5 Stunden zurück zu fahren, die USD 35,- Eintrittsgeld zu bezahlen und einen wolkenverhangenen Canyon zu sehen ... Wir sind somit heute wahrscheinlich in die Geschichte als "dümmste Grand Canyon Besucher" eingegangen ... 🤔🤓

    Auf dem Rückweg haben wir wenigstens noch den Zion Nationalpark angesteuert. Zwar waren wir supermüde vom frühen Aufstehen, aber die Natur dort ist unglaublich schön. Anschließend ging es den ganzen Weg über Las Vegas nach Tehachapi/ Kalifornien zurück. Morgen fahren in Richtung Santa Cruz an den Pazifik ... und wehe Julian gibt auf seinem Navi nur Pazifikküste ein ... *lol*
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  • Day60

    Roadtrip Las Vegas, Grand Canyon ...

    June 13 in the United States

    Ich komme hier raus ... !!! 🤗
    Wir werden morgen einen einwöchigen Roadtrip durch den Südwesten der USA starten. Mietwagen und Übernachtung in Vegas sind bereits gebucht.

    Durch Zufall hat sich eine Möglichkeit eröffnet, für eine Woche aus Green Valley zu entkommen.
    Es gibt einen anderen deutschen Hiker Julian "Pit Roast", der ebenfalls gesundheitlich für die nächsten zwei Wochen fest sitzt.

    Der arme Kerl steckt in einer viel schlechteren Position als ich. Julian plant seinen PCT bereits seit 4 Jahren. Vor einigen Tagen hatte er mit starken Knieproblemen am Trail zu kämpfen. An einem abgelegenen, aber öffentlich zugänglichen Parkplatz, hat er versucht einen Trailangel anzurufen, um eventuell abgeholt werden zu können. An der Stelle gab es kein Mobilfunknetz und er hatte seinen Rucksack hinter Büschen versteckt, um den Berg wieder ein Stück hoch zu steigen. Die Telefonverbindung funktionierte, aber zurück am Parkplatz angekommen, war sein Rucksack gestohlen ...

    Auf dem Trail leben wir in einer sicheren Blase. Wir könnten ein Portemonaie mit USD 1000,- auf den Trail legen und ich bin mir zu 90 Prozent sicher, dass es an den rechtmäßigen Besitzer zurück gegeben würde. Ausrüstungsgegenstände werden aufgelesen und zum nächsten Übernachtungsort mitgenommen. Dort findet man meistens den glücklichen Besitzer. Das funktioniert leider nicht in der "realen Welt". Dort gibt es die hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Sachen eingesteckt oder geklaut werden.

    Das Schlimme an Julians Fall ist, dass er genau weiß wo genau sein Rucksack steckt .... nämlich in einem Haus in Los Angeles. Er hatte einen GPS Messenger am Rucksack, der nach wie vor die Positionsdaten sendet. Ein Streifenwagen LAPD ist auch zur Anschrift gefahren und haben angeklopft. Oh Wunder ... es hat keiner aufgemacht. Ohne Durchsuchungsbefehl können Sie das Objekt nicht betreten und damit ist der Vorgang polizeilich abgeschlossen.

    Jetzt steht Julian (er wohnt in Lörrach und wir sind fast Nachbarn) ohne seine Ausrüstung und mit kaputtem Knie da. Der Arzt hat ihm zwei Wochen Ruhepause verordnet und seitdem sitzt er in Agua Dulce fest.

    Trailangel Mary fährt regelmäßig Hiker zwischen Agua Dulce und Casa de Luna und erzählte mir, dass Julian gerne einen Roadtrip machen wolle, aber sein Führerschein im gestohlenen Rucksack war. Ich hatte mir vor Abflug einen internationen Führerschein ausstellen lassen und ... 1 + 1 = Roadtrip 😃
    Der Mietwagen steht uns für sieben Tage zur Verfügung. Wir können uns die Kosten teilen und werden versuchen sooft wie möglich auf Campingplätzen zu übernachten. Damit können wir unsere Hotelkosten minimieren und haben alles Benötigte im Kofferraum.

    Morgen Vormittag wird uns Terrie zur Mietwagenstation nach Palmdale fahren. Dann holen wir unseren Ford Focus ab und werden in ca 4 Stunden Las Vegas erreichen. "One night in Vegas" und am nächsten Tag kaufen wir Julian seine Ausrüstung beim Outdoorspezialisten REI nach. Anschließend geht es in Richtung Grand Canyon North Rim. Die Nationalparks Zion N.P. und Bryce Canyon N.P. wären auch in Reichweite ...

    Danach machen wir einen großen Sprung nach San Francisco an den Pazifik (11 Stunden Autofahrt) und werden den Highway No.1, entlang der Pazifikküste, zurück nach Los Angeles/ Green Valley folgen ... 😎
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  • Day56

    Prov. Medical Institute, Santa Clarita

    June 9 in the United States

    Jetzt bin ich in ein ganz schönes Schlamassel hineingeraten. Habe mich gestern super gefühlt. Die Schwellung war so gut wie verschwunden und ich hatte keine Schmerzen. Wollte eigentlich heute die Reise fortsetzen. Ca 2 Stunden, nachdem ich meine Wanderschuhe das erste Mal wieder angezogen habe, hat die Schwellung des Knöchels wieder deutlich zugenommen. Irgend etwas stimmt noch nicht mit dem Fuß und ich bin heute nach Santa Clarita ins Providence Medical Institute gefahren. Dort wurde ein Röntgenbild angefertigt und ich habe jetzt eine offizielle Diagnose. Die gute Nachricht: kein Bruch vorhanden und es sind keine Folgeschäden zu erwarten. Ich habe eine Verstauchung des Knöchel zwischen dem 2ten und 3ten Grad. Der Arzt konnte Schwellungen tief im Muskelgewebe des Knöchel erkennen. Sobald mein Fuß belastet wird, können kleinste Fasern tief im Knöchel anreißen und Flüssigkeit tritt aus. Dies verursacht dann die Schwellung. Eine Verstauchung ersten Grades heilt innerhalb von 2 Wochen ab. Verstauchungen des 2ten Grades benötigen 2-6 Wochen Heilungsdauer. Im 3ten Grad beträgt die Heilungsdauer bereits 6-12 Wochen. Meine Verstauchung befindet sich laut dem Arzt zwischen dem zweiten und dritten Grad. Nehmen wir mal an, dass ich in weiteren 4 Wochen wieder belasten könnte ... dann habe ich immer noch das Problem, dass der PacificCrestTrail in den Bergen der Sierra Nevada ein denkbar ungünstiges Terrain zum langsamen Einstieg wäre. Ich sollte meinen Fuß die nächsten Wochen so wenig wie möglich belasten, möglichst flache Wege nutzen und Kühlung ist vorteilhaft. Also habe ich bisher eigentlich alles richtig gemacht ;-) Zusätzlich habe ich einen Kompressionsstrumpf bekommen, den ich mit Schnürrsenkel wie ein Korsett schnürren kann. Ich fühle noch immer, dass die Schwere der Verstauchung nicht so schlimm sein kann. Habe kaum Schmerzen und nach Kühlung geht die Schwellung immer schnell zurück. In Kennedy Meadows warten voraus gesendete Nachschubpakete mit Schuhen, Bärkanister und Microspikes im Wert von EUR 280,- Habe noch bis September alle Zeit der Welt und vom Sinn bzw. Lerneffekt meiner Reise bin ich weit entfernt ... Was also tun??? Diese Situation sollte wahrscheinlich so kommen und ich möchte es gerne ins Positive drehen. Werde mir ein paar weitere Tage bei Terrie in "Casa de Luna" gönnen und einen Plan machen bzw. eine Entscheidung treffen ...

    Update 10.06.2018
    Ich habe die Nacht darüber geschlafen. Da ich den Fuß nicht belasten darf, würden Sightseeingtouren oder Ähnliches den Heilungsprozess nur hinauszögern. Des Weiteren lässt mein Budget Hotelübernachtungen, Mietwagen, Verpflegung etc. über längere Zeiträume nicht zu. Ich werde geduldig die Situation "aussitzen". Eine australische Wanderin "Nightwalker" hilft Terrie seit einiger Zeit in "Casa de Luna" und wird am 26.06.2018 nach Kennedy Meadows gefahren. Von dort läuft sie den PacificCrestTrail dann weiter. Ich habe also mehr als zwei Wochen Zeit gesund zu werden und mich "Nightwalker" anzuschließen. Irgend etwas soll ich wohl aus der Situation lernen ... Ich habe ein gutes Gefühl, dass sich die Geduld am Ende auszahlen wird und die besten Abschnitte des PacificCrestTrail noch auf mich warten. Das Zeitfenster nach Kanada wird natürlich immer kleiner. Aus diesem Grund werde ich auf dem PCT teilweise springen und lediglich die schönsten Abschnitte des Trails wandern. Von Kennedy Meadows durch Sequoia N.P., Kings Canyon N.P. und Yosemite N.P. bis nach Lake Tahoe. Danach springe ich direkt nach Washington State. Alle Hiker sagen übereinstimmend, dass die Cascade Mountains das schönste Stück des Trails sind. Ich möchte den nördlichen Teil bis zur kanadischen Grenze sehr gerne sehen ... 😎
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  • Day51

    Strandtag "Pacific Coast Highway" No.1

    June 4 in the United States

    Ein Tag am Meer :) Wir haben gestern Abend einen Nachbarn von "Casa de Luna" kennen gelernt. Wladimir kommt ursprünglich aus Russland und hatte gestern spontan einen Sixpack Bier unter die Arme genommen und sich zu uns Hikern gesetzt. Sehr bodenständiger und netter Typ und wie bei den Osteuropäern üblich, wurde es bei einigen Bieren schnell gesellig. Wladimir hat in der Sowjetunion seine Ausbildung als Navigator und Mechaniker auf Flusskreuzfahrtschiffen gemacht. Er ist in den 80er Jahren auf Wolga und Don gefahren und hat regelmäßig Städte wie Moskau und St. Petersburg besucht. Nachdem er als 19jähriger Matrose einige Frauenbekanntschaften mit "amerikanischen Tourstinnen" gemacht hatte, wusste er das seine Heimat irgendwann die Vereinigten Staaten von Amerika werden sollte. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat er dann seinen Traum verwirklicht. Jedenfalls hat Wladimir uns angeboten am folgenden Tag zusammen nach "Malibu beach" zu fahren und einen Strandtag zu verbringen. Ja, genau das Malibu der "Schönen und Reichen". Dort wo Hollywoodgrößen ihre Zweitwohnung haben und Rettungsschwimmer wie David Hasselhoff und Pamela Anderson (Baywatch) den Strand bewachen ;-) Unser "deutschsprachiger Club" bestehend aus Ramon + "Ape" aus der Schweiz, Falko/ Thüringen haben gleich zugesagt und auch Paul aus Arizona hat sich der Tour angeschlossen. Heute Vormittag gings für Ramon in den Kofferraum und wir sind gemeinsam Richtung Küste aufgebrochen. Unterwegs noch beim Mexikaner einige Burritos geholt und den 18er Pack Corona Beer aus dem Kühlregal für das Mittagessen am Strand gesichert. Wir sind an vielen Plantagen vorbei gekommen und es werden alle möglichen Obstsorten (Orangen, Grapefruits, Zitronen, Erdbeeren) angebaut. Auch Konzerne wie Monsanto treiben entlang des Weges ihr "genetisch modifiziertes" Unwesen. Wir sind an einem der größten Armeestützpunkte Kaliforniens vorbei gekommen und alte, ausrangierte Fugzeuge und Raketen konnten angeschaut werden. Wladimir ist zwiegespalten. Auf der einen Seite liebt er die Lebensweise und Freiheit in Kalifornien und auf der anderen Seite lässt er keine Gelegenheit aus, es sich mit seinen amerikanischen Nachbarn zu verscheißen. Er traut vielen Leuten hier nicht, die russische Militärtechnik wäre viel besser und macht sich über die Amerikaner lustig, wie sie oft Papierteller nutzen würden, da "sie zu faul wären abzuwaschen". Generell gibt er sehr gerne seine russische Meinung zum amerikanischen Alltag ab. Er hat einen Hahn vom Ei aufgezogen, der jahrelang in seiner Wohnung gelebt hat ... cooler Typ. Letztlich sind wir am Point Mugu State Park angehalten und haben Malibu um ca 15 Meilen verpasst. Wladimir wollte lieber am Highway stehen und "... die Reichen sollten doch unter sich bleiben". Einige der Jungs waren leicht angepisst, dass wir nicht bis nach Malibu weiter gefahren sind. Aber ich habe das Meer und die frische Luft genossen. Das kalte Wasser des Pazifik passt gerade perfekt zu meinem verstauchten Knöchel und ich bin barfuß den Strand entlang gelaufen und hatte keine Schmerzen. Ich glaube, dass meine Füße in wenigen Tagen wieder belastbar sind. Habe eventuell eine Mitfahrgelegenheit am Donnerstag nach Kennedy Meadows und dann gehts in die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada ... 😃

    Update 08.06.2018
    Morgen gehts endlich weiter. Habe heute das erste Mal die Wanderschuhe an und fühle mich bereit. Entweder bekomme ich direkt eine Mitfahrgelegenheit von "Casa de Luna" nach Kennedy Meadows oder ich muss schauen, wie ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Tehachepi komme. Dort gibt es eine große TrailAngelsCommunity und die Chancen auf Mitfahrgelegenheiten in die Sierra Nevada sind am höchsten. Jean feiert seinen Geburtstag am 10.06.2018 in Kennedy Meadows und viele Leute der Crew werden dort sein. Wäre eine tolle Sache, wenn ich es rechtzeitig dorthin schaffen würde. Melde mich wieder aus den Bergen 😎
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  • Day43

    Casa de Luna, California (Mile 478)

    May 27 in the United States

    Vor zwei Tagen schreibe ich noch über meine anhaltende Glückssträhne und schon ist es passiert ... wir sind gestern extra früh aufgestanden, um die restlichen 10 Meilen nach Casa de Luna/ Green Valley zu laufen. Unser Ziel war dort vor 11:45 Uhr Pacific Time anzukommen, um "live" dabei zu sein, wenn Jürgen Klopp seinen ersten Championsleague Titel für den FC Liverpool holt. Eigentlich waren wir gut in der Zeit und nur noch eine halbe Meile vom Highway entfernt. Wir sind zügig gelaufen und irgendwie bin ich mit meinem linken Fuß recht Nahe an den Wegesrand aufgetreten ... rutsche ab und mein linker Fuß knickt extrem um. Das der Fuß bei ungünstigem Auftreten auf Steinen, Unebenheiten etc. leicht wegknicken kann, ist uns schon öfters passiert. Man bleibt kurz stehen und nach einer Minute ist alles wieder gut. Dieses Mal habe ich aber sofort gespürt, dass es etwas ernstes ist.

    Nach einer Ruhepause bin ich das letzte Stück zum Highway gehumpelt. Wir haben relativ schnell per Anhalter die 2 Meilen zum Trailangels house "Casa de Luna" hinter uns gebracht. Viele Hiker sind bereits gestern angekommen, um das Finale im Fernsehen anschauen zu können und saßen bereits vor dem Bildschirm.

    Ich habe meinen, langsam anschwellenden, Fuß gleich mit einem Eisbeutel gekühlt und das Fußballspiel geschaut. Wir hatten sogar ein Hikerpärchen aus Liverpool und es gab Bier und Chips. Glücklicherweise war eine Ärztin unter uns Hikern, die sich meinen Fuß in der Halbzeitpause genauer angeschaut hat. Sie hat den Knöchel abgetastet und meine Schmerzreaktion geprüft. Diagnose: die rasche Geschwindkeit der Schwellung und die schmerzhaften Druckpunkte am Knöchel könnten bestenfalls eine Zerrung der Bänder sein. Im schlimmsten Fall wäre ein Bruch eines kleinen Teilstückes des Knöchels möglich. Ich sollte den Fuß nicht belasten, hoch lagern und weiterhin kühlen. Sollte die Schwellung am nächsten Tag zugenommen haben, die Schmerzen stärker werden oder sich der Knöchel dunkel verfärben, dann unbedingt zum Doktor und röntgen lassen. Leider ist die Ärztin bereits gestern Nachmittag weiter gewandert. Mit dem Titel für Kloppo sollte es auch nicht sein ... :(

    Habe heute morgen keine Verschlimmerung der Schwellung festgestellt. Auch keine farbliche Veränderung erkennbar. Ein polnischer Hiker hatte gerade einen Anriss seiner Bänder, wenige Woche vor dem PCT und seine Schwellung war deutlich größer gewesen. Also alles positive Signale bei mir. Das nächste Krankenhaus wäre eine halbe Stunde Fahrzeit in Santa Clarita entfernt. Ehrlich gesagt habe ich keine Lust auf die Rechnung und den anschließenden Papierkram mit der Versicherung in Deutschland. Terrie (Gastmutter und Inhaberin Casa de Luna) hat in den letzten Jahren einige ähnliche Verletzungen gesehen und ist nicht beunruhigt. Weiterhin den Fuß kühlen, hochlegen und nach einigen Tagen sollte die Schwellung zurückgegangen sein.

    Wenn es einen Platz gibt, wo einem so etwas blödes passieren muss, dann sollte es genau hier sein. Ich habe Glück im Unglück: der Unfall ist nur eine halbe Meile vor dem Highway passiert und ich musste nur eine kurze Strecke mit dem kaputten Fuß zurücklegen. In Casa de Luna kann ich für mehrere Tage bleiben. Es gibt morgens Pfannkuchen und Kaffee und abends ein warmes Hikerbuffet mit Tacos, einer Fleisch- und Käsesoße, Tomaten, Oliven, Jalapenos und Zwiebeln. Im Ortszentrum Green Valley gibt eine Burger-/ Pizzarestaurant und die Tankstelle hat eine Grundversorgung an Lebensmitteln und Bier.

    In Casa de Luna erhalten wir auch unser PCT-Jahrgangstuch "Class of 2018". Die Hiker müssen dafür aber vor Terrie tanzen und bekommen anschließend das orangefarbende Tuch überreicht. Es war superwitzig die vielen Hiker der Reihe nach tanzen zu sehen ... filmreif 😂 Ich werde meinen Tanz für den letzten Abend aufheben, an dem ich wieder gesund bin.

    Das Gelände in "Casa de Luna" ist riesig und es gibt viele Campingplätze inmitten von schattigen Bäumen. Traditionell bemalt jeder Hiker einen Stein mit einem Bild bzw. einem (mehr oder weniger) sinnvollen Spruch. Der Wald und die Bäume sind voll mit bemalten Steinen der vorangegangenen Hikerjahrgänge.

    Jean und die anderen Hiker der letzten Tage sind heute morgen weitergezogen. Ich werde mich nach meiner Genesung hoffentlich einer neuen Gruppe anschließen. Also, keine Sorgen machen ... mir wird es die nächsten Tage an nichts fehlen. Ich lasse mir Zeit für die Heilung des Knöchels (erwarte ca 3-4 Ruhetage) und werde bei evtl. auftretenden Komplikationen sofort ein Krankenhaus aufsuchen.

    Liebe Grüße aus "Casa de Luna" 🤠

    Update 28.05.2018:
    heute ist Memorial Day in den USA und ein landesweiter Feiertag. Die Schwellung am Knöchel geht langsam zurück und es wird besser :) Gehe davon aus, dass ich in 2-3 Tagen weiterlaufen kann.

    Update 29.05.2018:
    Die Schwellung geht weiter zurück. Kann schon wieder meinen Knöchel sehen. Ich weiss jetzt auch warum es "Casa de Luna" heisst. Terrie (ca 55 Jahre) lässt von allen Hikern ein Gruppenfoto machem, bevor es wieder zurück an den Trail geht. Damit alle schön auf dem Foto lachen, dreht Sie sich kurz vor dem Auslösen um und zeigt Ihr nacktes Hinterteil ... und schon scheint der Mond über "Casa de Luna" 😉

    Update 01.06.2018:
    Die Schwellung am Fuß ist mittlerweile vollständig zurück gegangen. Laufe jetzt schon wieder ein bisschen, aber traue mich noch nicht zu belasten. Wenn ich mich morgen gut fühle, dann werde ich den ersten Spaziergang ohne Gepäck versuchen. Benötige wahrscheinlich noch zwei weitere Ruhetage. Ich muss froh sein, dass ich in "Casa de Luna" bleiben darf. Aber ehrlich gesagt, kann ich keine Pfannkuchen und Taco salad mehr sehen. Möchte so bald wie möglich zurück auf den Trail ... 🏕 Habe schon zwei Bücher gelesen ... "Das Bildnis des Dorian Gray" (Oscar Wilde) -> tolles Buch u. klare Buchempfehlung; und "Das Leben eines Taugenichts" (Josef von Eichendorff) -> muss man nicht unbedingt kennen. Bis bald 😊

    Update 03.06.2018
    Der Heilungsprozess kommt nur sehr schleppend voran. Habe gestern tagsüber kaum gekühlt und war nur wenige Stunden auf den Beinen. Am Abend hatte ich schon wieder einen geschwollenen Fuß. Ich werde weiter Geduld haben müssen und der Sommer ist nun vollends in Kalifornien angekommen. Wir haben bereits am Vormittag enorm heiße Temperaturen und es fühlt sich permanent an, als ob ein heißer Föhn einem ins Gesicht blässt. Die Hiker laufen mittlerweile fast alle nur noch in den Nächten/ kühleren Stunden und sitzen die Sonnenstunden aus. Der heißeste Teil des Trails, mit wenig Wasser und kaum Schatten, würde erst noch am Aquadukt und der Mohave Wüste kommen. Ich habe darum für mich eine Entscheidung getroffen und werde nach Genesung einen großen Sprung nach Kennedy Meadows (Meile 702) zum Eingangstor der Sierra Nevada machen. Morgen fahren andere Hiker mit dem Auto dorthin und ich hätte die Möglichkeit mit zu kommen. Problem: dort gibt es nichts ... Lediglich ein Postamt, Campingplatz und einen kleinen überteuerten Laden. Ich habe keine Ahnung, wie lange ich mit dem verstauchten Knöchel hier noch fest hänge. In "Casa de Luna" habe ich eine Tiefkühltruhe, um den Knöchel zu kühlen und werde sehr günstig verpflegt. Ich möchte den Sprung nach Kennedy Meadows erst dann machen, wenn ich einhundert Prozent fit bin. Einmal in den schneebedeckten Bergen, kommt man so schnell nicht mehr raus und die Ortschaften für den Verpflegungsnachschub sind weit von einander entfernt. Ich werde spätestens am 26.09.2018 von Vancouver ausfliegen. Die übersprungenen Meilen in der Wüste geben mir die Möglichkeit länger in den Cascade Mountains/ Bundesstaat Washington zu hiken. Sende Euch liebe Grüße 😘
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  • Day40

    Agua Dulce, California (Mile 453)

    May 24 in the United States

    Heute beginne ich mein Footprint mit einem Gipfelfoto. Wir sind auf unserem Trail am Mount Baden-Powell (2.866m) vorbei gekommen. Der Berg wurde nach dem Gründer der Pfadfinderbewegung Lord Robert Baden-Powell benannt. An den Wochenenden trifft man viele Gruppen von Boyscouts of Amerika (Pfadfinder). Kinder und Jugendliche gehen raus in die Natur zum Wandern, Zelten und Abende am Lagerfeuer. Die Kleinen macht es unglaublich Spaß, draußen unterwegs zu sein. Mama hatte noch schnell ein Foto auf dem Parkplatz vom Junior geschossen. Der Knirps trug seinen nagelneuen Rucksack mit dem Trinksystem so stolz, wie ich meinen Schulranzen am ersten Schultag und strahlte übers gesamte Gesicht :)

    "The Scout training is effected by encouraging the boy through his own enthusiasm to develop himself as an efficient citizen. To create his own character and his individuel self-discipline. From within. This is education." Robert Baden-Powell 04.Juli 1916

    Jean und meine Glückssträhne hält weiterhin an. Wir lassen uns mit Allem viel Zeit und kommen trotzdem immer genau im richtigen Moment an. Treffen die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt. Wir benötigen Wasser auf dem Trail und Trail Angel Jeff ist gerade vor 20min mit dem Auto und Gallonen angekommen. Wir kommen in Wrightwood an und bekommen ein eigenes Cabin mit eigenem Spielraum inkl. Billard und Riesen-TV für 25,- pro Person. Jean hält Facebook-Kontakt zu anderen Hikern und "Swampjuice" und Liz waren an diesem Morgen ausgezogen und die Hütte verfügbar. Trampen dauert bei uns nie länger als 15min Wartezeit. Wir kommen in Agua Dulce viel später als die anderen Hiker an und es kommt uns jemand entgegen ... ist gerade ein Zimmer frei geworden. Ihr braucht nicht im Zelt zu schlafen. Wir scheinen kein TrailMagic zu verpassen und gestern erzählt uns jemand, er hatte bisher keines gehabt. Uns ist das viele Glück, dass uns auf dem Trail begleitet, fast schon peinlich. Gerade vor drei Tagen haben alle Hiker ein Zettel mit Hinweis auf ein TrailMagic gelesen. Die Notiz war nicht sehr genau beschrieben und man müsste den PCT für knapp eine Meile verlassen. Wir wären wahrscheinlich genauso vorbei gelaufen, wenn wir nicht Dan, den Verfasser des TrailMagic, unterwegs getroffen hätten. Er ist Mitglied eines privaten Skiclubs "Buckhorn Lodge Ski Resort" und nur am Wochenende in der Clubhütte. Und da es dort kein Telefonempfang gibt, muss er mit dem Auto drei Meilen den Berg hochfahren, um mit seiner Frau zu telefonieren ... und wen trifft er dort ... Jean und André :)

    Die Jungs haben sich mit dem Skiclub einen eigenen Spielplatz für Erwachsene gebaut. Ursprünglich von US-Soldaten nach dem zweiten Weltkrieg gegründet. Damals wurden Armeeinheiten im Skifahren ausgebildet, um in den Alpen gegen Nazideutschland zu kämpfen. Nach Kriegsende haben sie dann ein eigenes, privates Skigebiet gegründet. Die Hütte und das Hauptseil für den Lift stammen aus dem Jahr 1951.

    An der Hütte angekommen treffen wir die Clubmitglieder Ken (Elektriker) und Patric (Baustellen Supervisor). Es gibt Pizza, Bier und Softdrinks. Ken stammt ursprünglich aus Schweden und hat uns schwedische Pfannkuchen um Mitternacht zubereitet. Viele der Jungs sind ewige Junggesellen und der Club ist die Familie für's Wochenende. Die machen allen Blödsinn. Skateboarden nachts die Straße runter oder erschrecken Camper des Nachts mit Geräuschen eines "BigFoot" und freuen sich, wenn die Hiker am nächsten Morgen von komischen Geräuschen berichten. Wir schlafen mit dem Schlafsack direkt vor dem offenen Kamin und bekommen an nächsten Morgen von Dan ein super Frühstück zubereitet.

    Die Geschwindigkeit, mit der wir den Trail laufen, ist ein Schlüssel für viele gute Dinge, die uns passieren. Wenn wir unser jetziges Tempo halten, dann werden wir nie rechtzeitig im September in Kanada ankommen. Aber vielleicht ist genau das "nicht Ankommen" eine Lektion des Trails.

    "Captain" (Vize-President Canadian National Railway und seit Jahresbeginn im Ruhestand) hat einen schönen Satz auf dem Trail zu mir gesagt: "Walking by the roses, without smelling it, its nothing but walking". An den Rosen vorbei zu laufen, ohne anzuhalten, um an ihnen zu riechen, ist letztlich nur Laufen.

    Die langsame Geschwindigkeit eröffnet einem die vielen kleinen Dinge um einen herum. Man nimmt die kleinen Tiere wahr, riecht den Duft der Blüten und Nadelbäume entlang des Trails (habe das Rauchen seit Ankunft aufgegeben und mein Geruchsinn wird spürbar besser), beobachtet die Wolken oder schaut in den Horizont.

    Mir stellt sich die Frage mit welcher Geschwindigkeit wir uns im Alltag in Deutschland bewegen. Was ist die richtige Geschwindkeit, um glücklich zu sein und die vielen kleinen Schätze um einen herum bewusst wahrnehmen zu können? Warum ist es im Berufsalltag so schwer, einfach mal innehalten zu dürfen? Wird durch unser Leistungssystem und Konsumverhalten ganz bewusst versucht, unsere tägliche Geschwindigkeit möglichst hoch zu halten, weil jemand Drittes davon profitiert ... ?

    Es drückt Euch "Scarecrow" / California 😘
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  • Day33

    Wrightwood, California (Mile 369)

    May 17 in the United States

    Morgens um 08:00 Uhr wurden wir vom Hostel Big Bear zurück an den Trail gefahren. Die Strecke verlief hoch, oberhalb des Big Bear Lake und wir haben unsere Zelte gegen Abend auf einem Plateau, inmitten einer windgeschützten Baumgruppe, aufgeschlagen. Frühmorgens kommt "Troud" vorbei gewandert und raucht erst einmal einen Frühstücksjoint. Seit Jahresbeginn ist der Verkauf von Cannabis in Kalifornien legal und ein paar der Hiker gönnen sich regelmäßig ein Pfeifchen. Ich habe zwar keine Ahnung, wie die Jungs anschließend die Meilen schaffen, aber es scheint zu funktionieren. Sollte man sich jedoch in einem Nationalpark befinden, dann gilt Bundesrecht und das kiffen wird illegal. Weiter geht die Wanderung durch den Deep Creek Canyon. Dort befinden sich die Hot Springs und es gibt mehrere heiße Quellen und Pools, um die strapazierten Füße, Beine und Schultern zu regenerieren. Christine Thürmer hatte in ihrem Buch "Laufen.Essen.Schlafen" die Nacht in den heißen Quellen, unter dem Sternenhimmel, verbracht und es war einer der Höhepunkte auf Ihrer Reise im Jahre 2004 gewesen. Leider konnten wir nicht wie geplant dort campieren "Day use only". Ein Mitwanderer hatte im letzten Jahr dort übernachtet und wurde vom Ranger morgens mit Luftmatraze und Schlafsack erwischt. Gemäß seiner Schilderung hat er ein Bußgeld über $150,- bekommen, sich für das Ticket bedankt, umgedreht und weitergeschlafen. Wir stattdessen sind gegen Abend zum nächsten Campground weitergewandert. Am Silverwood Lake gibt es die Besonderheit, dass man sich eine Pizza auf den Trail liefern lassen kann. Pizza BBQ Chicken für schlappe $25,- aber saugut :-) Dort habe ich auch meinen Trailnamen bekommen. PCT-Hikerin "Sister" (geht auf eine christliche Missionsschule) hat mich, aufgrund meines zugegebenermaßen recht demolierten Strohhutes, auf den Namen "Scarecrow" (Vogelscheuche) getauft. Ich war anfangs nicht sonderlich begeistert. Aber die Amerikaner kennen das Wort auch in Verbindung mit dem Film "Der Zauberer von Oz". Scarecrow war der treue Begleiter von Alice und alle mögen ihn. Aha, also ziehe ich die nächsten Monate wohl als Vogelscheuche durch amerikanische Lande *grins* . Was ist sonst noch so passiert: wenige Meilen vor Überquerung der Interstate 15 wäre ich bald in eine Schlange gelaufen. Ich war mit Jean am quatschen und habe nicht sonderlich auf den Trail geachtet. Auf einmal steht eine ca 1,5 Meter lange Schlange mitten auf dem Trail und bewegt sich keinen Mucks. Relativ dünn, mit einem gelben Streifen auf dem Rücken. Ich habe erst gedacht ein Stock steht auf dem Weg, bis ich den Schlangenkopf ca 30cm angehoben erkannt habe. Warum stellt sich eine Schlange auf und erstarrt, anstatt einfach weg zu kriechen? Ich war nur gut einen Meter entfernt und wäre wirklich fast reingelaufen. Ich habe ruckartig gestoppt und erst dann ist die Schlange blitzschnell in die Büsche geflüchtet. Ein Glück, dass ich eine zweite Unterhose dabei habe. Sollte ich mir irgendwann bei einer solchen Aktion in die Hose scheißen, dann kann ich wenigstens wechseln. Gestern haben wir eine anständige Etappe geschafft. Wir sind vom Cajon Pass (904m) den ganzen Tag über 19 Meilen bergauf bis auf 2515 Meter Höhe gewandert. Es gibt keine Wasserstellen und wir waren mit 6,5 Liter Wasser im Rucksack unterwegs. Einige Hiker überspringen die Stelle oder trampen nach Wrightwood, um die Strecke rückwärts zum Cajon Pass bergab zu laufen. Wir sind sehr langsam, dafür aber stetig voran gekommen und hatten mit einem relativ kühlen Tag auch Wetterglück. Heute ist unser Zero-Day in Wrightwood und wir haben ein superschönes Cabin (Blockhütte) ganz alleine für uns. Werden noch die Klamotten waschen und für die nächste Etappe Agua Dulce (ca 5 Tage entfernt) einkaufen. Viele Grüße und bis bald! @Brüderchen: herzlichen Glückwunsch und ich komme vorbei. Kannst mir auf WhatsApp schreiben.Read more

  • Day25

    Big Bear City, California (Mile 266)

    May 9 in the United States

    Idyllwild Tag 2: PCT-Hikerin Manon (Ärztin/ Paris Frankreich) hatte uns angeboten, auf dem Fußboden Ihres superschönen Cabin zu übernachten. Als Dankeschön haben wir (.... Jean hat, aber wir waren zusammen einkaufen ;) ein leckeres Abendessen gezaubert. Es gab Pasta mit kalifornischem Rotwein, Trauben und Chips. Unser gemeinsamer Abend war superschön und wir haben die Zeit sehr genossen. Wir drei verstehen uns prima und haben den Abend viel gequatscht und unsere Lieblingslieder auf Youtube gespielt. Jean seine Lieblingsband aus Island "Sigur Ros" macht herzergreifend schöne Videoclips: https://youtu.be/mZTb8WxEW78 Der zweite Musikclip ist unglaublich intensiv und das Beste seit langer Zeit: https://youtu.be/akYuy2FMQk4 Am nächsten Morgen haben wir Manon ein anständiges Frühstück spendiert und sie ist direkt Richtung Big Bear weitergezogen. Jean und ich hatten einen besonderen Abstecher geplant; die Besteigung des San Jancinto Peak (3.302m). Vom Gipfel gab es einen traumhaften Rundumblick auf die umliegenden Berge, Wald- und Wüstenebenen. Wir haben in Gipfelnähe übernachtet und die Lichter von Palm Springs waren zum Greifen nah ... Es folgte ein laaanger Abstieg zur Unterführung der Schnellstraße Interstate 10 bis auf 409m. Bereits am späten Vormittag war die Wüste brütend heiß. Das Thermometer zeigte 37 Grad im Schatten und wir laufen inmitten der prallen Sonne. Die letzte Stunde zur Unterführung war mein Körper nahe der Überhitzung und der Kreislauf am Limit (Schwindel). Ich Blödmann hatte aufs Tempo gedrückt, um schnellstmöglich in den Schatten zu kommen. Dabei hatte ich eine Herzfrequenz, wie nach einem 10km Sprint und das Laufen auf dem sandigen, strandgleichen Boden machte die Sache nicht einfacher. Im Schatten der Unterführung angekommen, habe ich mich einfach fallen lassen. Zwei Minuten später stand ein Trailangel "Mama Bear" vor mir. In der Hand eine gekühlte Getorade mit den wichtigen Elektrolyten. Sie hatte an diesem Tag einen Stand mit Pizza, Früchten und kühlen Getränken unterhalb der Interstate 10 aufgebaut und kostenfrei für die PCT-Hiker zur Verfügung gestellt. So viele Menschen unterstützen uns PCT-Hiker mit Wasser entlang des Trails. Manche Trailangels überraschen mit gekühlten Getränken, Grapefruits, kleinen Packungen voller Nüsse, M&Ms und wir haben auch schon einen Burger gegrillt bekommen. Alles kommt von Herzen und vollkommen selbstlos. Eine halbe Stunde nach Erreichen des Trail Magic war ich wieder hergestellt. Mama Bear hat Ihren Mann letztes Jahr durch Suizid verloren und es gibt Ihr Kraft und Lebensfreude, wenn Sie die PCT-Hiker unterstützen und sich austauschen kann. Ich treffe auf dem Trail soviele interessante, liebevolle Menschen. PCT-Hikerin Brenda (Transsexuelle aus San Francisco) hat mir aber auch die dunkle Seite der Vereinigten Staaten gezeigt. Sie war 20 Jahre lang Truckerfahrer(in). Seit der Geschlechtsangleichung muss sie ständig in Angst leben. Sie wird regelmäßig beschimpft, geschlagen und selbst das Gayfriendly San Francisco ist für Transsexuelle ein gefährliches Pflaster. Sie hat Ihren rechten Schuh ausgezogen und der große Zeh war abgeschnitten ... Zitat: "das haben mir (extremistische) Christen angetan, aber ich habe etwas daraus gelernt". Letztes Jahr wurde ihre transsexuelle Freundin umgebracht und Brenda wurde im gayfriendly Key West mit einem großen Messer gedroht "... wenn Sie in 30 Minuten nicht verschwunden ist, dann passiert etwas schlimmes". Ich schreibe diese Geschichte nur, um die großen Extreme und Wiedersprüche dieses Landes anzudeuten. Aber auf und entlang des Trails befinden sich augenscheinlich sehr herzliche Menschen :) Da für den nächsten Tag erneut heißes Wetter angekündigt war und wir aus der Hitze vom Vortag dazugelernt hatten, wurde aus der Tageswanderung ein "night hike". Wir sind in den frühen Morgenstunden gewandert und haben im wunderschönes "Whitewater Preserve" eine halbtägige Pause im Schatten der Bäume eingelegt. https://www.tripadvisor.de/Attraction_Review-g32978-d6628465-Reviews-Whitewater_Preserve-Riverside_California.html&ved=2ahUKEwjE7d_jqfraAhVpoFkKHfGvAsMQFjAeegQIARAB&usg=AOvVaw0U6Z93NJNwMA0_jN8_Yovu In den kühleren Abendstunden sind wir erneut gestart und bis nach 23:00 Uhr gewandert. Diese Strategie werden wir in den nächsten Wüstenwochen wohl noch einige Male anwenden. Der Trail ist teilweise sehr fordernd und anstrengend. Wir versuchen uns Zeit zu lassen und viele Pausen einzulegen. Die Crew aus den ersten Tagen ist uns bereits 5 Tage voraus. So wie es aussieht, habe ich meinen Wandergefährten für die nächsten Wochen gefunden. Jean aus Brasilien läuft ein ähnliches Tempo und wir verstehen uns prima. Er kommt aus Sao Paulo/ Brasilien, arbeitet als IT-Manager und hat sehr hohe Ansprüche an sich selbst. Jean strahlt eine unglaublich gute Energie aus, lebt ganz bewusst vegan und seine Sichtweise auf die Welt gefällt mir gut. Zu guter Letzt habe ich vorgestern mein erstes Erdbeben in Kalifornien erlebt. Um halb fünf Uhr morgens fing die Erde an zu wackeln und der Boden unterhalb meiner Luftmatraze hat sich wie Wackelpudding angefühlt. Der ganze Spuk hat ca 4 Sekunden gedauert und dann hatten wir wieder festen Boden unter uns. Gemäß den lokalen Medien hatte das Beben eine Stärke von 4,5 und damit eine mittlere Intensität. Das Zentrum lag Nahe Cabazon City und damit ca 2 Tagesmärsche entfernt. Wir bewegen uns in der Nähe der San Andreas Verwerfung. Auszug Wikipedia: " ... ist eine rechtshändige Blattverschiebung, an der die Pazifische Platte an der Nordamerikanischen Platte vorbeidriftet. Sie erstreckt sich über gut 1300 Kilometer Länge von Mexiko bis zum Norden von San Francisco und teilt den Bundesstaat Kalifornien in zwei Hälften auf, wobei San Francisco auf der Nordamerikanischen Platte und Los Angeles auf der Pazifischen Platte liegt." So, das soll es für heute gewesen sein. Wir werden noch einen weiteren Ruhetag in Big Bear hostel einlegen, bevor wir nach ca 6 Tagesmärschen in Wrightwood ankommen. Der Trail ändert seine Richtung für die nächsten Wochen in westliche Richtung, bis nahe Los Angeles. Für heute sage ich "Goodnight"!Read more

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