Andre Müller

Joined August 2016Living in: Breisach am Rhein, Deutschland
  • Day125

    Garibaldi/ OregonCoastTrail (Mile 65)

    August 17 in the United States

    Ich werde bei vorhandener Internetverbindung kurz ein paar Fotos hochladen. Der Text kommt irgendwann später, wenn es etwas Nennenswertes zu schreiben gibt ...

    Achso, meine Ausrüstung zerfällt langsam. Mein Rucksack ist gerissen und REI sendet mir bis Freitag einen neuen Ersatz nach Lincoln City.
    Die Positionstaste vom SPOT-Messenger funktioniert ebenfalls nicht mehr. Kann leider keine Positionsdaten mehr versenden. Der Reißverschluss vom Zelt scheint das nächste Teil zu werden, dass den Geist aufgibt.
    So langsam kommt das Zeug bereits nach 4 Monaten an seine Grenzen.

    Ich muss nicht mehr alleine hiken. Chris aus Vancouver/ Kanada ist ebenfalls auf dem OregonCoastTrail in Richtung Süden unterwegs. Wir laufen ab jetzt gemeinsam weiter.
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day121

    Cannon Beach/ OregonCoastTrail (Mile 30)

    August 13 in the United States

    Der erste Tag auf dem OregonCoastTrail beginnt erneut mit einer dicken Nebelschicht über dem Meer. Der Strand auf den ersten Kilometern ist je nach Gezeiten und Meereshöhe vielleicht 250 Meter breit. Autofahren ist am Strand erlaubt und die Locals kommen mit Ihren großen Geländewagen bis direkt ans Meer gefahren.

    Das Wandern am Meer ist anstrengender als erwartet. Auch auf dem feuchten und vermeindlich festerem Sand tun sich meine Beine mindestens genauso schwer, als ein vergleichbarer Abschnitt in Wüste oder Berge. Dafür werden meine Tagesetappen sehr moderat ausfallen und ich laufe keine großen Distanzen mehr.

    Habe meine erste Nacht am Strand gut geschlafen. Mein Buch verzeichnet legales Camping an bestimmten Strandabschnitten. Mehrere Einheimische haben mir empfohlen, mein Zelt in die Dünen hinein aufzubauen. Besserer Schutz vor erhöhtem Meeresspiegel bei Flut oder "Sneaker Waves". Nachts aus dem Zelt zu kriechen war ein besonderes Erlebnis. Am Horizont konnte ich die Beleuchtung der Schiffe/ Fischerboote auf dem Ozean sehen und weit entfernt die Lichter von Ortschaften erkennen. Der Himmel über mir war sternenklar ... wow, ein magischer Moment.

    Am ersten Abend des Campingplatz gab es eine Informationsveranstaltung der US-CoastGuard über Gefahren an der Küste Oregons. Sneaker Waves (heimtückische Wellen) kommen eher im Winter vor und sind plötzlich auftretende Riesenwellen, die weit in die Strandabschnitte reinrauschen können. Auch das Baden im Meer ist mit Vorsicht zu geniessen. Es gibt sogenannte "Rip Currents". Das sind Meeresströmungen, die einen weit ins offene Meer hinaustreiben können. Niemals gegen anschwimmen und die wertvolle Kraft vergeuden. Sich mit der Strömung raustreiben lassen und dabei versuchen seitlich nach rechts oder links schwimmend die Strömung zu verlassen. Irgendwann ist man aus dem Sog draußen und man kann einige hunderte Meter weiter zurück an den Strand schwimmen. Alles reine Theorie, denn das Wasser hier ist eiskalt. Nach einer Minute mit den Füßen im Wasser fangen diese an, vor Kälte zu schmerzen. Die Badehose hätte ich mir für Oregon sparen können.
    Als letztes ist eine Gezeitentabelle für Wanderungen bei Ebbe unbedingt erforderlich. Je nach Küstenabschnitt kann einen die Flut innerhalb weniger Minuten, auf einem der außenstehenden Felsen, isolieren. Immer Handy dabei haben und die CoastGuard 911 holt einen mit Schiff oder Helikopter im schlimmsten Fall raus.

    Meine gesamte Ausrüstung ist bereits nach einem Tag am Meer feucht und klamm. Aufgrund des Dauernebels habe ich keine Möglichkeit die Sachen inkl. Schlafsack auszutrocknen. Es ist unangenehm am Morgen in feuchte Kleidung zu steigen und abends in den feuchten Schlafsack zu kriechen. Trotzdem muss ich nicht frieren und es ist gutes Wetter für die kommenden Tage gemeldet.

    Wasser ist auf dem Trail ein Problem. Mein Buch ist in diesem wichtigen Punkt unzureichend beschrieben. Man weiß nie genau, wo und wann es wieder Wasserstellen gibt. Ein Rucksack mit 3 Litern mehr oder weniger Wasser macht aber einen erheblichen Unterschied bei Wandergeschwindigkeit und Planung (z.B. zwei Nächte am selben Ort übernachten).

    Trotzdem ist es wunderschön am Meer und ich genieße meine Zeit hier. Es wird nie langweilig und die Stimmung am Strand kann sich durch die unterschiedlichen Lichtverhältnisse schnell verändern. Ich bin sehr glücklich, dass ich hier am Meer sein darf :)
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  • Day117

    Fort Stevens/ OregonCoastTrail (Mile 4)

    August 9 in the United States

    Wer mit Greyhound eine Busreise bucht ... geht lieber gleich zu Fuß.
    Meine Fahrt an die Nordküste Oregons beginnt mit einer Busverspätung des Greyhoundbus über 2,5 Stunden. Ausreichend um meinen Anschlussbus am Abend in Portland zu verpassen. "Der nächste Bus geht morgen früh um 09.20 Uhr." Ein neues Busticket wurde ausgestellt und man kann anschließend selbst zusehen, wie man die 14 Stunden Wartezeit bis zur Abfahrt verbringt. Ich war so müde, dass ich ins nächste Hostel eingecheckt habe. Eine gute Entscheidung ... ich habe trotz 8-Bettzimmer geschlafen wie ein Baby. Wahrscheinlich hätte ich in meinem Übermüdungszustand auch auf dem Mittelstreifen der A5, zur Rushhour, gut schlafen können.

    Am nächsten Morgen ging's dann ausgeschlafen und viel besser gelaunt weiter nach Warrenton/ Nord-Oregon. Die Stadt empfängt mich mit sauberer Meeresluft (ich muss beim Schreiben gerade nochmal tief einatmen ... geil :) und sehr netten Küstenbewohnern. Ich komme überall schnell ins Gespräch und fühle mich komischerweise gleich "wie zu Hause". Alles ist entspannt hier und die Menschen scheinen "rustikal/ bodenständig" zu sein.

    Sogar die Sonne kommt nach meiner Ankunft hinter den Wolken hervor. Ich scheine auf dem richtigen Weg zu sein. Im "Fort Stevens State Park" gibt es einen Campingplatzabschnitt, exklusiv für Fahrradfahrer und Hiker, für USD 8,- die Nacht. Da lacht sogar mein Portemonaie und bei den Preisen muss ich nicht wild am Strand campen.

    Nach dem Zeltaufbau bin ich zur Nordspitze des State Parks gewandert. Dem "offiziellen Startpunkt" des OregonCoastTrail. Ich stehe an der Mündung des Columbia Rivers und auf der anderen Flussseite schaue ich auf die felsige Küste des Bundesstaates Washington.

    Die Küste ist diesig und ein dicker Sprühnebel liegt über dem Meer. Ich habe gelesen, dass dies Normalzustand für dieses Jahreszeit ist. Je nach Küstenabschnitt kann es aber schnell aufklaren.
    Kurzum, ich fühle mich hier sehr wohl.
    Auf dem Rückweg habe ich sogar meinen ersten Wal gesehen. Die Fontäne und der Walrücken waren mehrfach hintereinander zu erkennen. Leider schwimmen die Tiere vielleicht 250 Meter entfernt und detaillierte Beobachtungen gibt's wohl nur vom Boot aus.

    Morgen ist ein wenig Regen angekündigt. Werde versuchen, ob ich noch eine Nacht verlängern darf und möchte mir gerne Astoria anschauen. Habe viel Gutes über die Stadt gehört und möchte die Gelegenheit nutzen. Ich werde mich sehr langsam auf dem Trail in Richtung Süden bewegen und viel Zeit lassen. Vielleicht auch mal mehrere Tage am selben Ort bleiben und optimalerweise springe ich am Ende des OregonCoastTrail direkt nach Seattle.

    Jetzt gehe ich schlafen ... in der Ferne höre ich die Nebelhörner der Schiffe. Ich glaube der OregonCoastTrail war eine gute Entscheidung.
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  • Day115

    Ashland, Oregon

    August 7 in the United States

    Ich bin gestern in Ashland/ Oregon angekommen. Wir sind während der 8stündigen Busfahrt von Sacramento durchgehend durch "Rauchnebel" gefahren und haben die Brandgebiete (u.a. Redding) vom Highway gesehen. Die Smogsituation ist in Ashland eher noch schlimmer als in Sacramento. Die Einwohner laufen teilweise mit Atemschutz durch die Stadt.

    Ich möchte nicht dramatisieren und viele PCT-hiker laufen einfach weiter. Aber selbst nördlich von Brend (Zentral/Nordoregon) sind Feuer in Trailnähe. In Washington State ist der PCT an zwei Stellen wegen Feuer geschlossen.

    Ich bereue, dass ich die paar Tage Hawaii gebucht und Flug, Mietwagen und Camping bereits komplett bezahlt habe. Genau jetzt und heute wäre ich, ohne mit der Wimper zu zucken, mit dem nächsten Flieger zurück nach Deutschland geflogen. Es reicht und ich habe keine Lust und Motivation mehr, weitere sechs Wochen durch Rauch und Feuergebiete zu wandern. Die Luft ist ungesund, man sieht nichts und ich erkenne gerade keinen Sinn, den PCT einfach so weiter zu laufen.

    Nach Ankunft in Ashland waren alle Hostels ausgebucht. Ich habe einen Zeltplatz in Wells Springs (einige Kilometer außerhalb) bekommen. Der Zeltplatz hat einen Zugang zur Mineraltherme und es gibt viele Hippies auf dem Gelände. Alles ist gechillt und ich fühle mich dort wohl. Werde noch eine Nacht bleiben und die nächsten Schritte in Ruhe überlegen.

    Eine Möglichkeit wäre den "OregonCoastTrail", der Küstenlinie folgend, weiter nach Norden zu wandern. Ich wäre komplett raus aus Feuer- und Rauchgebieten. Der OCT ist 382 Meilen lang und kein wirklicher Trail in dem Sinne. 40% des Weges Straße laufen oder direkt am Strand. Die Küste ist wild, kühl und kann sehr regnerisch werden. Übernachtungen hauptsächlich auf offiziellen StateParkCampgrounds ... bedeutet jede Nacht sind über USD 20,- nur für den Zeltplatz futsch. Der Spaß würde nochmal richtig teuer werden. Die wenigen Hiker, die den OCT laufen starten im Norden Oregons und gehen southbound, um den Wind im Rücken zu haben. Ich laufe gegen den Wind. Es gibt Fluss- und Wasserabschnitte, für die ich Fähren benötige. Diese lassen sich nur im voraus telefonisch zu einem bestimmten Punkt reservieren. Ich habe aber keine US-Mobilfunkkarte und kann Skypetelefonie nur über öffentliches WiFi nutzen. Keine Ahnung wie ich das bewerkstelligen soll. Im schlimmsten Fall muss ich längere Umgehungen in Kauf nehmen.

    Dafür erwartet mich ein echtes kleines Abenteuer. Keine elektrischen Navigationshilfen. Spektakuläre Ausblicke und Küstenlandschaften. Kein Rauch mehr und die Chance auf einen blauen Himmel. Der Monat August ist einer der besten Reisezeiten für den OCT. Ich würde weiter meinen Trail in Richtung Norden weiterlaufen.

    Erst einmal benötige ich mehr Informationen, gutes Kartenmaterial und muss die Tide/Gezeiten kennen. Diese sind wichtig für manche Abschnitte. Werde jetzt in die Innenstadt zur Bücherei und Bibliothek gehen und soviel wie möglich an Infos sammeln.
    Wenn es an die Küste gehen sollte, dann benötige ich Regenhose, Regenschutz für den Rucksack und Badehose wäre auch nicht schlecht. Die Idee den OCT zu wandern klingt verlockend ...

    Nicki hat mir Bilder vom Astronauten Alexander Gerst gesendet. Diese zeigen die Feuer in Kalifornien aus Weltraumperspektive - Danke Nicki 😘

    https://twitter.com/Astro_Alex/status/1025291329545428997?s=08

    07.08.2018 Nachmittag
    Ich habe keine wirkliche Ahnung, auf was genau ich mich einlasse. Aber ich ziehe das Ding jetzt durch. Habe Nägel mit Köpfen gemacht und morgen (Mittwoch, den 08.08.2018) fahre ich um 09.05 Uhr mit dem Greyhoundbus von Medford/Süd-Oregon nach Warrenton/ Nord-Oregon. Werde nach 12 Stunden Busfahrt um 20:48 Uhr ankommen. Ein Hotel kann ich mir sowieso nicht leisten und ich schaue, dass ich irgendwo in der Natur eine Ecke zum schlafen finde. Startpunkt des OregonCoastTrail ist "Fort Stevens State Park" nördlich von Warrenton. Das Wetter ist bis Freitag gut gemeldet und ich laufe jetzt einfach los in Richtung Süden. Jetzt kommt die Frage, warum ich den OregonCoastTrail nicht einfach von Ashland nach Norden laufe ...?
    Meine einzige Navigationshilfe in den nächsten Wochen ist ein Buch "Day Hiking Oregon Coast" (darin ist der OCT-thruhike genau beschrieben) und ein paar Kartenausschnitte aus dem Internet. Ich gehe davon aus, dass es regelmäßig kompliziert wird, den richtigen Weg zu finden. Das Buch ist von Norden nach Süden beschrieben ... z.B. gehe nach einer Meile links am Felsen entlang oder so ähnlich. Die Orientierung wird schwierig genug, auch mit dem Buch in richtiger Richtung. Bedeutet, dass ich in ca 3 Wochen erneut an der kalifornischen Grenze ankommen werde. Dann sind Rauchbelastung und Brände vielleicht weniger und ich könnte den PCT ab Crater Lake N.P. nochmal für 2 Wochen in Richtung Norden folgen.

    Jetzt wirds richtig abenteuerlich ... das Ding laufen nur sehr wenige. Muss mir heute noch das Regenzeug besorgen und dann ... see you in North Oregon 😉 Internet wird an der Küste Mangelware sein. Ihr könnt meine Bewegungen lediglich über mein SPOT-GPS verfolgen. Ich lasse die Positionsbestimmung aktiviert, d.h. alle 30min geht ein Positionssignal raus.

    http://share.findmespot.com/shared/faces/viewspots.jsp?glId=0TYoKvTH6XGbo7WC7HP7PkR6QfnXeFqHu
    Im Kartenausschnitt, oben links, kann zwischen Karte und Satellit gewählt werden.
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  • Day112

    Donner Pass, California (Mile 953)

    August 4 in the United States

    Ich habe beschlossen ein großes Stück (670 Meilen) auf dem PacificCrestTrail zu überspringen und bin auf dem Weg nach Sacramento.

    Am Tag meiner Abreise aus South Lake Tahoe habe ich eine Nachricht von Jean bekommen, dass die gesamte Crew vergangenen Mittwoch von Truckee (Donner Pass) nach Ashland/Oregon gesprungen ist. Von dort wollen sie den PCT weiter nach Norden folgen. Die Luft um Truckee wäre von Rauch erfüllt und es wird in Nordkalifornien und Süd-Oregon noch deutlich schlimmer. Durch die vielen Feuer in Nordkalifornien ist die gesamte Linie von Yosemite N.P./Kalifornien bis nördlich von Crater Lake N.P/ Oregon voller Smog und Rauch.

    Am Anfang dachte ich noch "... das ziehe ich durch". Aber die letzten zwei Tage war die Luft einfach nur "zum schneiden". Ich konnte die Berge auf der anderen Seite des Tales nicht mehr erkennen. Meine Ausrüstung riecht mittlerweile komplett nach Rauch und auf dem Zeltdach haben sich heute Morgen kleine Aschepartikel abgesetzt. Ich wollte auf dem PCT eigentlich mit dem Rauchen aufhören, aber bis Oregon würde ich praktisch zum Kettenraucher werden. Seit Tagen habe ich Halsschmerzen und lutsche dauerhaft Bonbons.

    Wir hatten die letzten zwei Tage sehr stürmisches Wetter. Der Trail folgt über längere Strecken entlang von Gipfelkämmen. Man musste seinen Körper voll in den Wind stellen und dagegen halten, damit es einen nicht hinunter bläst. Die Feuer sind derzeit noch weit entfernt. Aber bei dem Starkwind werden die Feuerherde mit Eiltempo nach vorne gedrückt. Die Windrichtung entscheidet wohin die Flammen wandern. Ich habe einfach Angst, dass ich irgendwann, Tage von der Zivilisation entfernt, mit Waldbränden konfrontiert werde. Auf diese Situation wäre ich nicht vorbereitet und ein Horrorszenario für mich.

    Es sind nur noch wenige PCT Hiker in meinem Abschnitt unterwegs und viele planen Teile zu überspringen oder den Trail ganz zu verlassen und zu Reisen (Alaska ist gerade schwer angesagt). Der Trail hat letztlich seine eigenen Gesetze. Da kann man planen soviel man möchte und am Ende kommt es doch ganz anders. Ich hatte mich vor allem auf Mount Shasta in Nordkalifornien gefreut, aber in diesem Jahr soll es wohl nicht sein ...
    Die geplanten Resupply-Pakete von South Lake Tahoe nach Nordkalifornien habe ich glücklicherweise nicht abgeschickt. Mehrere Hiker hatten mir davon abgeraten - Danke für die richtige Entscheidung :)

    Heute Mittag habe ich Michael auf dem PCT beim Wasserpunkt getroffen. Er ist Biologe, ein Outdoorverrückter und meistens in der Natur unterwegs. Michael ist den Appalachiantrail gewandert und hatte jahrelang als Ranger im Yosemite N.P. gearbeitet. Heute war er als Tageswanderer auf dem PCT unterwegs und hat angeboten, mich abends zurück nach Sacramento zu fahren. Alle Busse nach Ashland müssen ebenfalls Sacramento passieren. Ich habe die Greyhound-Verbindungen überprüft. Heute Abend geht nicht's mehr nach Norden und morgen früh eine Verbindung für USD 111,- ... superteuer. Habe für Montag den Bustransfer nach Ashland für USD 82,- gebucht und schaue mir für das gesparte Geld einen Tag die Hauptstadt Kaliforniens an.

    Heute Nacht darf ich im Gästezimmer bei Michael übernachten. Er wohnt in einem Haus nahe Sacramento und im Wohnzimmer sind Kajak und Mountainbike geparkt. Morgen früh fährt er mich zur regionalen Bahnstation und ich fahre ins Stadtzentrum und nehme mir ein Hostelzimmer. Am Montag fährt mich der Bus über 8 Stunden nach Ashland/ Oregon.

    Mit ein wenig Glück kann ich einen Tagesausflug in den Crater Lake N.P buchen und werde den PacificCrestTrail weiter nach Norden folgen.

    Der grobe Plan für die kommenden sechs Wochen:
    von Crater Lake N.P/ Oregon bis nach Snoqualmie Pass/ Washington sind es ca 570 Meilen. In Snoqualmie angekommen, wäre es lediglich eine Autostunde nach Seattle und der Flieger startet am 19.09.2018 in Richtung Hawaii.

    Sacramento: Hilfe, wo bin ich hier gelandet.
    Die Stadt ist eine einzige Ansammlung von Obdachlosen. Niemals auf den gesamten USA-Reisen habe ich mich so unsicher gefühlt wie hier. Michael wohnt seit 3 Jahren nur wenige Kilometer von Sacramento entfernt und war in all den Jahren nur 5x in Downtown. Ich verstehe jetzt auch warum. Heute ist ein Sonntag und Sacramento ist eine einzige Geisterstadt. Das Greyhound Busterminal liegt weit außerhalb und ich bin zum Busticket abholen zu Fuß gelaufen. Unterwegs habe ich jemanden (in Businesskleidung) gefragt, ob er mir mit dem Weg weiterhelfen kann. Die Reaktion, ohne nur eine Sekunde den Gang zu verlangsamen, "Nein, kann ich nicht". Ab sofort fahre ich nur noch Bus oder bleibe im Hostelnähe. Glücklicherweise haben die Bushaltestellen hier keinerlei Fahrpläne oder Richtungshinweise. Nichts wie raus hier ...

    Spätnachmittag: ich habe tatsächlich Leben in dieser Stadt gefunden. Die Riverfront Promenade, State Capitol Park und Old "Sac"ramento sind tatsächlich sehenswert. Vor dem Capitol hat abends sogar ein DJ aufgelegt. Downtown Sacramento fühlt sich sicher an und ich habe Vormittags anscheinend die schlimmsten Ecken der Stadt durchwandert.
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  • Day108

    South Lake Tahoe, CA/Nevada (Mile 892)

    July 31 in the United States

    Die letzten Tage laufe ich tatsächlich entspannter. Jeden Abend noch vor 18:00 Uhr habe ich meine Übernachtungsplätze erreicht und war regelmäßig im See schwimmen. Die Berge und Pässe werden so langsam kleiner und man spürt, dass man sich aus den Bergen hinaus bewegt. Sogar die Moskitos lassen mich seit zwei Tagen in Ruhe.

    Gestern verlief der Weg über eine große Kuhweide. Die grünen Berge rundherum und der ländliche Geruch der Kuhfladen haben an die Almen in Österreich und unsere schönen Wanderurlaube dort erinnert. Die Kühe haben sogar die typischen Glocken getragen und alles bimmelte munter vor sich hin.

    Heute habe ich mein Lager am Raymond Lake aufgeschlagen. Es war ein Geheimtip eines Hikers in Kennedy Meadows North und der Umweg von zwei Meilen hat sich wirklich gelohnt. Umgeben von einem schützenden Bergkessel, liegt der kleine See hoch oberhalb des PacificCrestTrail. Es ist unglaublich schön und friedlich hier. Nur vier "Locals" haben ebenfalls ihre Zelte am See aufgeschlagen und angeln.

    Ansonsten drehen sich meine Gedanken den halben Tag rund ums Essen. Bis ins kleinste Detail habe ich mir bereits ausgemalt, welches Frühstücksmenüs, Burger und literweise Dr.Pepper Cola ich in South Lake Tahoe bestellen werde. Die Stadt befindet sich zur Hälfte in Kalifornien und zur anderen in Nevada. Es gibt einige Spielcasinos und ein Sushi "Sato -"All you can eat" für UDS 25,-. Die Informationen über die besten Verpflegungsplätze und eine kostenfreie Pizza für PCTler werden unter den Hikern ausgetauscht.

    Ich werde drei Tage in South Lake Tahoe bleiben und es mir richtig gut gehen lassen. Sehr viel Essen, zwei Resupply Pakete nach Nordkalifornien versenden, ins Kino gehen und mich um Mietwagen und Campgrounds auf Hawaii kümmern.

    South Lake Tahoe ist die vorletzte große Stadt auf dem PCT. In 600 Meilen wartet noch Ashland/Oregon und sonst befinden sich nur kleinere Ortschaften entlang des Tails. Ich muss die Zeit hier nutzen, alles Wichtige zu organisieren und soviele Kalorien wie möglich zu Essen. Meine Hose wird mir immer größer und ich muss endlich wieder etwas auf die Rippen bekommen.

    Yosemite Valley wurde übrigens kurze Zeit nach meinem Besuch wegen dem Feuer vollständig geschlossen. Alle Touristen und Hotelgäste mussten das Valley verlassen und die Wiedereröffnung ist für Anfang August angedacht. Das Thema Waldbrände wird mich auch in Nordkalifornien begleiten. Die eigentlichen Feuer in der Shasta-Region liegen derzeit vom Trail entfernt, aber die Rauchbelastung ist teilweise hoch. Ein PCT-hiker hat heute alle Stateparks zwischen South Lake Tahoe und Oregon abtelefoniert. Noch ist es machbar, aber wir müssen uns darauf einstellen einige hundert Meilen nach Norden zu springen. Das Problem ist, dass es in Oregon nicht wirklich besser aussieht. Ich werde erst einmal in Richtung Chester (Meile 1.131) weiterlaufen. Dann die Situation erneut prüfen und schauen wie es weitergeht. Ein resupply-Paket muss ich trotzdem von South Lake Tahoe an Meile 1.173 Old Station versenden ... ein wenig Glücksspiel.

    Beim durchschauen der Bilder ist mir aufgefallen, dass ich die "101Millionen Dollar Story" noch garnicht erzählt habe. Da gibt es mal etwas Spannendes und ich vergesse zu posten.
    Die Geschichte hatte sich bereits in Reds Meadows (Mile 706) zugetragen. Am abendlichen Lagerfeuer komme ich mit "Two Pack", einem älteren Hiker, ins Gespräch und er erzählte mir aus seinem Leben.

    Seine Version:
    Two Pack hat sein ganzes Leben in den Wäldern gelebt und ist seit vielen Jahren ohne festen Wohnsitz. Er meidet die Zivilisation und lebt vom Frühjahr bis Herbst in den Wäldern. Two Pack ist mit unglaublich viel Gepäck unterwegs. Er hat Essen für 20 Tage dabei, um unabhängig zu sein und länger an schönen Plätzen zu bleiben.
    2006 ist er zufällig in ein Waldbrandgebiet geraten und hatte vor lauter Panik seinen Kumpel angerufen. Dieser hatte ihm gesagt, dass er aus dem Gebiet schnellstens verschwinden soll. Einige Monate später steht ein Fire-Inspector der Justiz vor der "obdachlosen Haustüre". Anhand der Mobilfunkoordinaten wurde er lokalisiert. Der Brand hatte riesige Ausmaße der Zerstörung und bei den Löscharbeiten wurde ein Helikopter zerstört.
    Gegen "Two Pack" wurde ermittelt und er wurde daraufhin beschuldigt den Waldbrand verursacht zu haben. Nach seiner Aussage hatte er mit der Sache nichts zu tun und ist unschuldig für 3 Jahre Gefängnis + 3 Jahre Erziehungsanstalt eingewandert.
    Die Medien haben ihn als Schizophren bezeichnet und er war für Tage auf den Titelseiten der Presse. Er hätte daraufhin Staat und Medien verklagt und eine Entschädigung über 101 Millionen USD erhalten. Er zeigte uns stolz ein Stück Papier von "US Department of Justice" über diese Summe, ausgestellt auf seinen Namen. Jetzt lebt er als Multimilionär weiter in den Wäldern und muss sich finanziell keine Sorgen mehr machen. Die Sache hätte sein Leben positiv verändert. Er ist weg von Drogen und Alkohol und hat seine Bestimmung gefunden, indem er bei seinen Wanderungen andere Hiker vor den Gefahren von offenen Lagerfeuern in der Wildnis warnt und Sicherheitsvorkehrungen empfiehlt. Seine Geschichte wäre nachprüfbar und ich würde im Internet alles unter "California Day Fire 2006" nachlesen können. Er wäre in seiner Heimatgemeinde bekannt wie ein bunter Hund und eine Legende in der Hikerszene, da er bodenständig weiter in der Natur lebt.

    https://www.google.de/amp/s/www.nbclosangeles.com/news/local/Schizophrenic-Transient-Ordered-to-Pay-101M-for-Starting-2006-Day-Fire.html?amp=y

    https://www.google.de/amp/s/www.bakersfield.com/news/arrest-made-in-day-fire/article_001403d3-bb6a-5bec-b0e9-15a189a74891.amp.html

    Heute habe ich im Internet recherchiert und die Entschädigungszahlung über die 101 Millionen USD waren als Strafzahlung gegen ihn gerichtet. Two Pack lebt in dem Glauben ein Multimilionär zu sein und genießt sein Dasein in den Wäldern. Auch solche Begebenheiten findet man auf dem PacificCrestTrail ...
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  • Day102

    Sonora Pass, California (Mile 816)

    July 25 in the United States

    Der Norden des Yosemite Nationalparks ist mittlerweile fast menschenleer. Die meisten PCT-Hiker sind mir einige Wochen voraus und die JohnMuirTrai-Hiker haben die Wanderung im Yosemite Valley beendet.

    Gestern bin ich den ganzen Tag alleine durch den Park gelaufen, ohne dass ich einem Menschen begegnet bin. Abends am Campground habe ich Jana (Santa Cruz, Sectionhikerin) als einzige Person an diesem Tag angetroffen .

    Die letzten zwei Tage bin ich ein wenig grantig und ich weiß selbst nicht warum. Gestern hätte ich am liebsten den nächsten Exit in die Zivilisation genommen und ab nach Hause. Manchmal habe ich keine Lust mehr auf PCT. Aber ich habe es mir selbst ausgesucht und jetzt muss ich das auch zu Ende bringen. Meine letzte Übernachtung in einem Bett liegt Wochen zurück und ich muss mir endlich einen Erholungstag mit Bett, Frühstück, gutem Essen, vielleicht einem Bier und den Annehmlichkeiten der Zivilisation gönnen. Einen Film im Kino schauen und dazu ein riesiges Schokoeis wären gerade meine Definition von Glückseligkeit :)

    Wir haben mittlerweile täglich Wärmegewitter in den Bergen. Morgens strahlt noch die Sonne und ab den Mittagsstunden zieht es sich oft zu. Es ist reine Glückssache, ob das Gewitter in dem Tal loslegt, in dem man sich gerade befindet. Hiker "Pumasalat" hatte den PCT bereits vor 2 Jahren gelaufen und gab mir den guten Rat: " ... nutze jede Sonnenstunde in der Sierra zum trocknen der Ausrüstung". Wenn die Sonne um 11 Uhr kräftig scheint, dann gibts die Mittagspause eben früher und alles wird zum trocknen aus dem Rucksack geholt.

    Der Rauch der Waldbrände ist seit Tagen unser Begleiter. Manchmal ist die Luft so dick, als wenn man am Lagerfeuer sitzt und der Wind einem den Rauch sanft ins Gesicht bläst. Die Feuer sind wahrscheinlich sehr viele Meilen entfernt, aber man sieht die Flammen im Geiste sich über den Bergkamm nähern. Letztlich ist die Windrichtung über die Stärke des Rauches der maßgebliche Faktor.
    Waldbrände sind im Westen der USA nichts ungewöhnliches und wiederholen sich jedes Jahr mehrfach. Die Ranger haben uns versichert, dass wir rechtzeitig evakuiert würden, wenn das Feuer gefährlich nahe käme. Als letzte Möglichkeit habe ich immer noch meinen SPOT-Notrufknopf. 30 Minuten nach Aktivierung würde der Rettungshubschrauber über mir kreisen ... beruhigt das Kopfkino ungemein.

    Die Moskitos rauben mir seit Wochen den letzten Nerv. In Scharen, nein zu Hunderten, fallen sie über mich her. Jeden Tag und ohne große Unterbrechungen. Ich schmiere mir mittlerweile das DEET 100% (stärkstes Moskitogift) auf die Arme und Beine. Das Zeug ist so stark, dass es nicht in Kontakt mit meiner Regenjacke oder Synthetik kommen darf. Es würde glatt ein Loch hinein brennen.
    Für das Gesicht nehme ich DEET 30%. Aus Sicherheitsgründe wegen der Augen und Lippen.

    Die Moskitos suchen sich permanent den schwächsten Punkt am Körper aus. Sind Arme und Beine eingeschmiert, dann greifen sie das Gesicht an. Wenn das Gesicht eingeschmiert ist, dann fliegen sie in Ohren und Nacken. Jeder enge Kontakt des Hemdes mit dem Körper (z.B. Schulterbereich) wird mit Stichen bestraft.

    Heute habe ich wirklich eine gute Strecke geschafft. Großteils bergauf und am Abend nochmal richtig "einen rausgehauen". Meinen angedachten Übernachtungsplatz "Wilmer Lake" habe ich gegen 19:00 Uhr erreicht. Sogar einen ebenen Platz zum Zelten hatte ich gefunden ... eigentlich perfektes Timing. Ich bin vom Laufen total durchgeschwitzt und ein Bad im See ist dringend notwendig.
    Sobald ich an das Seeufer getreten bin sind Wolken von Moskitos auf mich losgegangen. Auch mein abgestellter Rucksack war von Moskitos übersät. Als hätten die gesamten Moskitos der Umgebung eine Betriebsversammlung abgehalten. Nur darauf wartend, dass Scarecrow als Blutopfer endlich eintrifft und ... Attacke! Ich konnte nur noch meine Sachen schnappen und regelrecht vom See wegrennen. In einer Stunde wird es dunkel und der nächste eingezeichnete Campground ist nochmal 3 Meilen entfernt. In solchen Augenblicken hast du keine Lust mehr ...

    Auch die Berge strengen mich nach fast 4 Wochen Sierra Nevada an. Das permanente bergauf- oder bergab gehen geht an die Substanz. Nur noch eine Woche durchhalten. In South Lake Tahoe habe ich die High Sierra komplett durchlaufen und das Terrain solle flacher werden.

    Ich glaube, dass meine Lustlosigkeit nur eine "Schwächephase" ist. Die nächste Möglichkeit für einen Urlaubstag in Kennedy Meadows North werde ich zum Ausruhen nutzen und es mir gut gehen lassen. Urlaub vom Urlaub sozusagen ;-) Danach macht das hier bestimmt auch wieder mehr Spaß ...

    Update 24.07.2018 bis 26.07.2018
    Heute morgen habe ich mich wieder gequält. Ich fühlte mich, als hätte mir jemand den Energiehahn zugedreht. Die 6 Meilen zum nächsten See wollten einfach nicht zu Ende gehen. Viele Pausen, Energiegel und Elektrolyte eingeschmissen, aber die Luft war raus. Was mache ich hier eigentlich? Am See angekommen (es waren ausnahmsweise wenig Moskitos anwesend) habe ich eine laange Pause gemacht. Ich war im See baden, habe mir einen Nachmittgskaffee gekocht und mich auf der Wiese gesonnt. Ich sollte mir viel öfter die Zeit nehmen solche Dinge zu tun. Tatsächlich ging es mir danach deutlich besser und die Kraft kam langsam zurück.

    Ich sollte den Trail viel langsamer laufen. Es ist mein Weg und ich muss hier niemandem etwas beweisen. Jetzt sind es nur noch zwei Monate und ich sollte das hier eigentlich jeden Tag genießen. Meine (internen) Ambitionen die Grenze nach Washington State "Bridge of the gods" zu erreichen habe ich gestrichen. Ich werde ab sofort langsamer laufen und Ashland (Kalifornien/Oregon Grenze) ist von hier nochmal 700 Meilen entfernt. 100 Meilen danach würde ich Crater Lake N.P. erreichen und das wäre doch ein schöner Ort den PacificCrestTrail zu verlassen. Bis Crater Lake wäre es nochmal die gleiche Strecke, die ich seit Mexiko gelaufen bin. Nur das Gelände wird im Norden Kaliforniens einfacher.

    Des Weiteren habe ich heute beschlossen meine USA-Reise mit einem Highlight zu beenden. Als der Film "Jurassic Park" 1993 in die Kinos kam, ist mir eine Szene von Anfang an in Erinnerung geblieben. Mr. Hammond, der Eigentümer des Jurassic Park, lässt einige Wissenschaftler auf die Dinosaurierinsel einfliegen. Der Helikopter fliegt im Tiefflug über den Ozean auf diese unglaublich paradische Küste der Insel zu. Dort angekommen, sinkt der Hubschrauber vor einem großen Wasserfall, umgeben von dichtem Regenwald in einen riesigen Canyon hinab. Eine wunderschöne Aufnahme und ich dachte mir damals: das ist das Paradies. Dort möchte ich irgendwann auch mal hin ... und ich werde!

    Als Abschluss meiner Auszeit werde ich am 19.09.2018 von Seattle für 4 Tage nach Kauai Island/Hawaii fliegen. 6 Stunden Flugzeit von der Westküste der USA, inmitten des Pazifischen Ozeanes und zugehörig zu den Inseln Polynesiens. Die Kulisse ist traumhaft und Hollywood hat die kleine Insel schon öfters genutzt (z.B. die meisten Jurassic Park Filme, King Kong etc.). Kauai ist die nördlichste der Hawaii Inseln und es soll dort wunderschöne Wanderrouten geben. Ich wollte das eigentlich schon 2010 in meiner Kanadazeit machen. Die Flüge von der Westküste nach Hawaii sind vergleichsweise günstig (EUR 360,- NonStop-Flüge) und ich habe die Visa und den internationalen Führerschein dabei. Nur das Finden einer bezahlbare Unterkunft/Campground wird eine Herausforderung werden.

    Jetzt gibt es auch kein vorzeitiges Aufgeben am PCT mehr. Ich freue mich riesig auf die geplante Abschlusstour und starte mit neuer Energie Richtung South Lake Tahoe.
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  • Day97

    Yosemite Valley, California (Mile 742)

    July 20 in the United States

    Eigentlich müsste die korrekte Überschrift "Tuolumne Meadows, California (Mile 742)" lauten. Der PacificCrestTrail durchquert lediglich den östlichen Rand des Yosemite Nationalparks und durchläuft nicht das berühmte Yosemite Valley. Ich möchte aber nicht an einem der schönsten Nationalparks der USA einfach "daran vorbeilaufen".

    In nächster Umgebung des Nationalparks brennen große Waldflächen. Das Ferguson Fire umfasst mittlerweile 57 Quadratkilometer und nähert sich weiter dem Nationalpark. Der Yosemite N.P. ist zwar weiterhin geöffnet, aber der Rauch des Feuers liegt in der Luft und die Sicht ist durch dicken Dunst getrübt.

    Der Yosemite Gebiet hatte mich gestern nach der Paßüberschreitung gleich mit heftigen Gewittern überrascht. Der Vorteil dabei ist, dass Teile der Rauchpartikel aus der Luft gewaschen werden.

    Heute morgen habe ich ein Busshuttle ins 27 Meilen entfernte Yosemite Valley Visitor Center genommen (1,5 Stunden Busfahrt ins Tal hinab). Durch das Busfenster konnte ich dann meinen ersten kalifornischen Bären sehen. Er ist auf einer größeren Wiesenfläche entlang spaziert. Auch auf der markante "Half Dome" war vom Bus aus gut zu sehen . Der Busfahrer meinte, es wäre die erste freie Sicht seit drei Tagen.

    Vom Visitor Center habe ich eine Wanderung zum berühmten Kletterberg "El Capitan" unternommen und bin bis unterhalb der Steilwand gelaufen. Die besten Kletterer der Welt sind an diesem Berg unterwegs und die Dimensionen der Wand lassen sich im Foto nicht wiedergeben ... sehr beeindruckend.

    Am "Lower Yosemite Fall" vorbei ging die Wanderung zurück und der Bus bringt mich anschließend nach Tuolumne Meadows.

    Fazit: der Tagesausflug in den Park hat sich trotz eingeschränkter Sichtverhältnisse gelohnt :)
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  • Day94

    Mammoth Lakes, California (Mile 706)

    July 17 in the United States

    ... keine großen Neuigkeiten. Mir gehts soweit prima. Wandere tagsüber alleine und abends sind meist andere Hiker um mich herum. Ich habe ein älteres Pärchen aus New Mexico kennen gelernt. Bryan war Nuklearforscher und hat Atomantriebe für UBoote der Navy entwickelt. Heute arbeitet er als Physik/Chemielehrer in der Schule. Wir hatten eine sternenklare Nacht bei Neumond und konnten Milchstraße und den Jupiter super beobachten.

    Heute bin ich nur ein paar Stunden in Mammoth Lake und der Bus bringt mich gleich zurück in die Berge. Nächste Punkte auf der Route sind Yosemite N.P. und nächste Stadt ist South Lake Tahoe in 190 Meilen. Habe mir heute ein paar neue Wanderschuhe gekauft. Gleiches Modell wie vorher (Merell Ventilator Schuhgröße 49). Was mich 700 Meilen weit getragen hat, dass sollte es nochmal soweit schaffen. Die ersten medizinischen Einlegesohlen sind ebenfalls durchgelaufen und ich bekomme schneller Fußschmerzen. Ein Glück habe ich noch ein zweites Paar dabei und so starte ich "Schuh-runderneuert" weiter Richtung Norden ...

    Abends liegt derzeit dicker Dunst in der Luft und es riecht leicht angebrannt. In Yosemite soll es gerade Waldbrände geben. Mit ein bisschen Glück hat die Feuerwehr die Lage im Griff, bevor ich in ca 3-4 Tagen dort eintreffen werde. Im schlimmsten Fall wird der Trail geschlossen und ich müsste einen Teil überspringen.

    Liebe Grüße nach Hause !!! 😘
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  • Day90

    Muir Trail Ranch, California (Mile 657)

    July 13 in the United States

    Meinen Resupply-Tag in Bishop (Nachkauf von Lebensmitteln) nenne ich mal effizient. Bereits am Vorabend auf dem Trail habe ich eine Mitahrgelegenheit am frühen Morgen zur Hauptstraße (15 Meilen aus den Bergen hinaus) organisiert. Paulus und Ryan aus Los Angeles hatten ihre Zelte in meiner Nähe aufgeschlagen und mussten am nächsten Tag nach Hause fahren.

    Um 06:30 Uhr sind wir zum Parkplatz hinab gewandert und 8:30 Uhr wurde ich an der Hauptstraße in der Ortschaft Independence (besteht letztlich aus einer Tankstelle und einem Hostel) verabschiedet. Danach bin ich weitere 40 Meilen zur nächsten Stadt nach Bishop getrampt. Um 10:30 Uhr angekommen wurden die Annehmlichkeiten der Zivilisation gleich ausgenutzt. Frühstück bei Carl's und Kaffee bei Starbucks. Danach im Supermarkt die gesamten Lebensmittel für die kommenden 6 Tage eingekauft und verpackt.

    Die Wäsche im Waschsalon zu waschen ist immer ein wenig peinlich. Da ich keine Wechselkleidung im Gepäck mitführe, binde ich mir während des Wasch- und Trockenvorganges meine Zeltunterlage als "Rock". Obenrum die Regenjacke angezogen und der Rest fliegt in die Waschmaschine. Eine Stunde später spaziere ich mit sauberer Kleidung aus dem Laden :)

    Im Outdoorstore neue Gaskartusche, Moskitospray, Wasserfilter und ein Ersatz für die abgebrochene Spitze meiner Trekkingstöcke besorgt und bei Tacco Bell zu Mittag gegessen. Gegen 17:00 Uhr stand ich dann wieder an der Hauptstraße, um zum Trail zurück zu trampen. Seth aus Albuquerque hat mich mit dem Wohnmobil aufgegabelt und darin saßen bereits zwei andere PCT-hiker. Er hat uns den ganzen Weg in die Berge zum Parkplatz zurück gefahren. Zum Schluss noch die 1,5 Stunden Anstieg zurück zum Campingplatz am See gewandert. Vor Einbruch der Dunkelheit habe ich mein Zelt an gleicher Stelle vom Vorabend aufgebaut.

    Am nächsten Tag ging es die 5 Meilen über den Kearsage Pass zurück auf den PacificCrestTrail. Der gesamte resupply-Vorgang hat mich vom Verlassen, bis zur Rückkehr auf den Trail, komplette zwei Tage gekostet. Die Logistik auf dem Trail ist immer eine Herausforderung. Man muss bereits im Vorfeld wissen, wo es "bezahlbare" Lebensmittel zu kaufen gibt. An welche Orte man evtl. ein Lebensmittelpaket schicken sollte und wo genau auf dem Trail, sich die richtigen "trail-exits" in die Ortschaften befinden.

    Am Kearsage-Pass kommen mir Chat & Corbin (Indiana) entgegen. Wir sind die letzten Tage teilweise zusammen gewandert und die Jungs sollten mir eigentlich einen Tag auf dem Trail voraus sein. Beide gehören zu den Hikern des "John Muir Trail" (JMT). Dieser beginnt am Mount Whitney und führt identisch mit dem PacificCrestTrail über 200 Meilen, bis zum Yosemite Valley. Die Wanderung dauert ca 20 Tage und durchquert drei Nationalparks der USA (Reiseempfehlung). Die JMT-Hiker sind aufgrund der Kürze des Trails bestens organisiert und haben sich Wassereimer voller Lebensmittel, alle 6 Tage, an bestimmte Trailpunkte gesendet. Corbin hat sich leider den Fuß verletzt und die Reise ist für beide beendet. Ich profitiere auch noch aus der traurigen Situation und bekomme das Abholticket für ihren Nachschubeimer in MuirTrailRanch geschenkt.

    Muir Trail Ranch ist ein wenig wie Weihnachten. Da die meistens JMT-hiker deutlich mehr Lebensmittel voraus senden, als benötigt, fliegen der Rest in die !!!18 Stück!!! Hikerboxen voll bester und teuerster Lebensmittel. Der Ort ist unter den PCT-hikern als bester Ressuply-Ort auf dem gesamten Trail bekannt. Nachschub für umsonst auf höchstem Niveau ... I love it :)

    An den letzten Wandertage haben wir täglich ein neues Tal in Richtung Norden durchquert. Jeden Tag geht es einen Pass die Berge hinauf und auf der anderen Seite in ein neues Tal hinab. Dann wird das komplette Tal durchwandert, bis am Ende ein neuer Pass ins nächste Tal wartet ... Der Weg geht entlang von Bächen, kleineren Wasserfällen und Stromschnellen, Wäldern, Wiesengelände und vielen wunderschönen Gebirgsseen. Am zweiten Tag liegt der Geruch von Waldbrand in der Luft. Später erfahren wir, dass es in der Mount Whitney Region gebrannt hatte und der Zugang zum Mt.Whitney für zwei Tage geschlossen war.

    Die Tiere in den Nationalparks zeigen keinerlei Scheu. Auf einmal stehen Rehe keine 10 Meter von mir am Trail. Auch die Murmeltiere lassen sich durch die Wanderer kaum stören. Die Eichhörnchen flitzen einem fast durch die Füße. Ich habe mein Fotohandy meistens im Rucksack und bis das Handy rausgeholt und hochgefahren ist, sind die Tiere meistens verschwunden. Die Bären haben sich bisher noch nicht gezeigt. Ich klopfe regelmäßig mit den Trekkingstöcken zusammen, um keinen Bären zu überraschen. Grundsätzlich haben die Bären kein Interesse an uns Menschen. Unser Essensproviant ist da schon interessanter und wir müssen Nachts alles im Bärkanister verstauen. Durch die Geräusche beim Wandern verschwinden die Bären (theoretisch) noch bevor es zur Begegnung kommt.

    Ab den Mittagsstunden bilden sich mittlerweile täglich Gewitter in den Bergen. Es donnert und grollt aus den Nachbartälern. Die letzten zwei Tage ist eine Regenfront über uns hinweg gezogen und wir sind ein paar Mal nass geworden. Am nächsten Tag kam gerade mal die Sonne raus und ich hatte sofort gestoppt, um die durchnässte Ausrüstung zu trocknen. Alles liegt verstreut auf der Wiese zum trocknen und schon zieht die nächste Regenfront heran und es fängt an zu tröpfeln. Ich konnte gerade noch alles in den Rucksack verstauen, bevor es wieder angefangen hat zu regnen. Wandern im Regen gehört nicht gerade zu meinen Highlights, aber ist wohl Teil des Trailerlebnis ;-)
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